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Sie leben jetzt in Fürstenhausen
Wollschweine fühlen sich sauwohl

Wie in Wolle verpackt wirken die jungen Mangalitza-Schweine, die sich im Freien sauwohl fühlen.
Wie in Wolle verpackt wirken die jungen Mangalitza-Schweine, die sich im Freien sauwohl fühlen. FOTO: Hans Joachim Schmidt
Fürstenhausen/Köllertal. Wollschweine sind zur bedrohten Art geworden. Wegen hohen Fettanteils im Fleisch machten sie sich unbeliebt. Nun züchtet man sie wieder in Fürstenhausen. Von Hans-Joachim Schmidt

Ein weiterer Schritt in Richtung „Arche-Region“ ist gelungen, denn die Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen ist in der Kategorie Schweine erweitert worden: In Fürstenhausen halten Markus Both und Sandra Bauer-Both neben Gallowayrindern und Therapiepferden nun auch die vom Aussterben bedrohten Mangalitza-Schweine, die wegen ihres Aussehens auch Wollschweine genannt werden.


„Wir wollen Schweinefleisch in Freilandhaltung produzieren und sind dann im Internet auf die robusten Wollschweine gestoßen“, begründet Markus Both die Entscheidung für die seltene Schweinerasse. „Zudem wollten wir die Idee des naturnahen Köllertals unterstützen.“ Both musste drei Sauen in Baden-Württemberg und den Eber in der Eifel abholen. Dabei wurden Mangalitza-Schweine früher in großen Herden in Ungarn und Rumänien gehalten und dann zum Schlachten in die Großstädte bis Wien getrieben.

Noch um 1900 gab es 6,5 Millionen Wollschweine, vorwiegend im osteuropäischen Raum. In den 1960er Jahren begann der Niedergang, denn den Verbrauchern wurde eingebläut, dass das fettreiche Fleisch dieser Tiere schlecht und gesundheitsschädlich sei. In den 1980er Jahren gab es weltweit nur noch rund 200 Exemplare, da das Wollschwein auch für industrielle Massentierhaltung nicht geeignet ist. Pro Wurf gibt es nur drei bis sechs Ferkel, und bei enger Stallhaltung verlieren die Tiere die Lust, sich zu paaren. Aber in der freien Natur und im großen Familienverbund fühlen sie sich sauwohl, und alle drei Sauen haben mittlerweile in Fürstenhausen Nachwuchs bekommen und sind bereits wieder trächtig.



Inzwischen steigen in Europa wieder die Wollschwein-Bestände. „Erhalten durch Aufessen“ ist deshalb auch das Motto der Familie Bauer-Both, die frühestens im Januar/Februar 2019 Fleisch des Wollschweins anbieten wird. Nur so sei das Überleben der Wollschweine langfristig gesichert.

Die Chancen, aus dem Köllertal mitsamt Völklingen eine „Arche-Region“ zu entwickeln, sind dadurch angestiegen. Diese Auszeichnung der „Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen (GEH)“ gibt es für Regionen, in denen mindestens neun vom Aussterben bedrohte Rassen aus den Kategorien Rinder, Pferde, Schweine, Esel, Ziegen, Schafe und Geflügel, Kaninchen, Hunde gehalten werden.