Die Stadt bleibt attraktiv: Wohnraum in Völklingen wird teurer

Die Stadt bleibt attraktiv : Wohnraum in Völklingen wird teurer

Die Zeit der Schnäppchen-Mieten im Bereich um vier Euro ist vorbei. In Völklingen muss man für Wohnraum nun deutlich mehr Geld hinlegen. Büroflächen kommen wesentlich günstiger.

Das sind nur die dicksten Brocken: Ex-Saarstahl-Casino, frühere Röchling-Bank und direkt vis à vis auch noch zwei große Ladenlokale im Erdgeschoss der so genannten Jugendstil-Zeile, deren teure Renovierung in städtischer Regie als der Durchbruch gefeiert worden war. Passanten in der Rathausstraße, früher die Einkaufsmeile in der Innenstadt, laufen an einer Parade der Leerstände vorbei. Doch dieser Eindruck gibt nur einen Teil der Völklinger Wirklichkeit wieder. So bleibt die Stadt, vor allem in besseren Lagen, zum Wohnen attraktiv.

Das große Neubaugebiet am Hirzeckberg in Geislautern hat sich rasch gefüllt. „Grundstücke in guter Lage gehen relativ schnell weg“, bestätigt der Völklinger Unternehmer Norbert John (PWB Immobilien GmbH). Das zeigt auch seine Erfahrung aus den vergangenen Jahren. Das von ihm erschlossene Wohngebiet „Auf der Höh“ mit 19 Baustellen auf der Röchlinghöhe ist komplett belegt. Bei seinem aktuellen Projekt „Wohnen am Bürgerpark“ in der Stadtmitte sind inzwischen alle 13 Baustellen ausverkauft – bei Quadratmeterpreisen von um die 150 Euro. „Und je weiter es hoch auf den Kreuzberg geht, desto mehr klettern die Preise“, wie John berichtet. Baugrundstücke sind allgemein knapp geworden. Wobei ein von der Stadt veröffentlichte Immobilienpreisspiegel eine Bandbreite zwischen 75 Euro und 165 Euro pro Quadratmeter angibt.

Die Wohnungsmiete (ohne Nebenkosten) in Völklingen liegt mittlerweile laut Preisspiegel bei einem Mittelwertwert von 5,50 Euro pro Quadratmeter – beginnend bei 4,75 Euro und endend bei 6,25 Euro. Die Allgemeine Baugenossenschaft Völklingen (ABG) und die Gemeinnützige Städtische Wohnungsgesellschaft (GSW) sind mit 592 (GSW) und 635 Wohnungen (ABG) ein wichtiger marktregulierender Faktor. Markus Arend versichert als Geschäftsführer beider Gesellschaften, Mieterhöhungen fielen hier „moderat aus, damit diese für unsere Mieter verkraftbar sind“. Die Spannweite der Mieten reiche derzeit von zirka 3,20 Euro bis knapp über sieben Euro pro Quadratmeter – letzteres bei energetischer Vollsanierung im Innenstadt-Bereich. Die Leerstände bei ABG und GSW, derzeit nur noch um die zehn Prozent, hingen mit laufenden Sanierungen zusammen.

Zwei massive Leerstände im Erdgeschoss prägen seit Jahren das Bild der so genannten Jugendstilhäuser in der Rathausstraße. Foto: Bernhard Geber
Hans Agostini. Foto: BeckerBredel

Die in der Innenstadt besonders auffallenden Leerstände haben nach Meinung von Szene-Kennern auch mit ungünstigen Zuschnitten, versäumten Renovierungen und unrealistischen Preisvorstellungen zu tun. Hoffnungen beim so genannten Stadtumbau West hatten sich nicht erfüllt: So hatten zwei Modeboutiquen in den Jugendstilhäusern aufgegeben, und auch Sabine Geiter räumte ihr Lokal am Kolpingplatz. Hans Agostini, Vorsitzender des Völklinger Wirtschaftskreises, mahnte in diesem Zusammenhang: „Wenn die Miet- oder Kauf- Projekte nicht ausgequetscht werden wie Zitronen, dann macht das die Türen auf für Nachmieter oder Käufer, und eine ehrliche Mietgestaltung tut Ihr Übriges dazu, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern. Das könnte allen helfen. Daran müssen wir nicht nur glauben, sondern auch mitwirken.“

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