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City-Open-Air
Wind? – Fein, dann kann man fliegen

Die Rock’n’Roll-Tänzer vor der Pfarrgarten-Bühne hatten sogar akrobatische Hebefiguren drauf.
Die Rock’n’Roll-Tänzer vor der Pfarrgarten-Bühne hatten sogar akrobatische Hebefiguren drauf. FOTO: BeckerBredel
Völklingen . Ungemütliches Wetter tat der Stimmung beim City-Open-Air im Pfarrgarten keinen Abbruch. Das Publikum tanzte zur Musik der Alligators. Von Andreas Lang

Sie rocken und rollen am liebsten rund um die Uhr: die Anhänger von Jive und Rock’n’Roll, wie ihn die Jugendlichen der westlichen Welt, von Amerika ausgehend, Mitte der 1950er Jahre liebten. So, wie es einer ihrer Idole in einem Song auf den Punkt gebracht hat, Bill Haley mit „Rock around the clock“. Und so lassen sie sich auch bei ungemütlichem Wetter nicht davon abhalten, ihrer Leidenschaft zu fröhnen. Die Jungs die Tolle mit einer Hand voll „Grease“, also Pomade, zurechtgemacht, die Damen im Pettycoat, der die wohl geformten Tanzbeine toll in Szene setzt.


Ungemütlich war es tatsächlich am Donnerstag zur jüngsten Auflage der City-Open-Airs, der sommerlichen Freiluftkonzerte im Völklinger Pfarrgarten. Ein stürmisches Tief hat die ersehnte Abkühlung gebracht – allerdings begleitet von einem Wolkenbruch am Mittag und ganztägigem Wind, der in steifen Brisen auch durch den Pfarrgarten pfiff. Die paar Tröpfchen, die kurz vor Konzertbeginn noch vom Himmel fielen, fielen kaum auf. Sicher war es ein Vorteil, dass die Alligators dran waren, mit Christoph Guldner am Mikrofon, manchmal auch an Tasten oder Saiten, Jürgen Kiefer an der Gitarre, Carlo Friedrich am Kontrabass und Christian Meißner am Schlagzeug. Mit der Musik, die vor mehr als 60 Jahren den Globus eroberte und noch immer ihre Fans hat. Und die bevölkerten auch den Pfarrgarten, wo die Stammbesucher wetterbedingt Lücken ließen.

„Why do fools fall in love“, so eröffneten die Alligatoren den Abend. Schon begleitet von vielen  „Dooo-Ahs“ und „Whap-Baps“ im Chor, und schon mit den  Rock’n’Roll-Tanzenden vor sich, die zum Teil sogar spektakuläre Überschläge zeigten. „Haltet euch fest, wir rocken auch auf Deutsch“, so Sänger Guldner wenig später, und schon sauste die Motorbiene musikalisch durch die Menge.



Schon nach einer halben Stunde Rock und Jive kündigte das Quartett eine erste Pause an. Üblicherweise steht die im Pfarrgarten erst etwa eine Stunde später an. Egal: Kurz soll sie sein. „Dann machen die bestimmt zwei Pausen“, spekulierten einige. Andere Zuschauer bangten: „Solange die jetzt nicht alle halbe Stunde eine machen.“ Das sollte sich dank eines langen Mittelblocks der Musik-Nostalgiker nicht bewahrheiten. Das mit der zweiten Pause schon.

Den Originalsound der Oldies schreiben sich die Alligators auf die Fahne. Was hauptsächlich Bassist Carlo übernimmt, der mit seinem „Slap-Kontrabass“ so vehement in die Saiten greift, dass die fast scheppernd nahezu das Schlagzeug ersetzen. Der Wind störte irgendwann auch nicht mehr, wurde sogar in die Moderation eingebunden. Guldner: „Breitet die Arme aus und lasst euch treiben – dann sind wir schon beim nächsten Lied.“ „Volare“ nämlich. Nicht in der Italo-Version, sondern in einer Rock’n’Roll-Interpretation. Und auch die Aufforderung, die Stadt zu rocken, durfte nicht fehlen: „Rock this town, rock it inside out.“ Wurde gemacht. Egal, wie wild das Wetter den Tag über Kapriolen getrieben  hat.

Die weiteren Konzerte (alle donnerstags 19.30 Uhr, Eintritt frei): 16. August: Compliment for Soul;  23. August: Cräm Fresch;  30. August: Elliot; 6. September (bereits 19 Uhr): „Rock hoch drei“ der Wirtegemeinschaft.