Finale der Interkulturellen Woche in Völklingen: „Willkommen im Nordbeet!“

Finale der Interkulturellen Woche in Völklingen : „Willkommen im Nordbeet!“

Ein Jahr Nachbarschaftsgarten an der Versöhnungskirche – zum Finale der Interkulturellen Woche gab’s ein Fest.

„Genießen Sie diese schöne neue Grünfläche, aber lassen Sie die Früchte der Arbeit die Gärtner bitte selbst ernten“, lesen die Besucher auf den Eingangsschildern. Die Gäste nehmen die Einladung gerne an und machen es sich gemütlich. Sie plaudern mit Bekannten, greifen zu den Büffet-Häppchen, erfreuen sich an der Sonne. Und natürlich wird die schmucke Anlage besichtigt. Eine Wiese markiert den Gemeinschaftsbereich, es gibt eine Kompostecke und drei Wasserzapfsäulen. „Willkommen im Nordbeet – der Interkulturelle Nachbarschaftsgarten stellt sich vor“, lautet am Freitag das Festmotto zum Abschluss der Interkulturellen Woche.

Der offizielle Teil der Veranstaltung geht in der Versöhnungskirche über die Bühne. Vertreter von Christentum und Islam werben für den interreligiösen Dialog. Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) und Dieter Schumann vom Diakonischen Werk an der Saar erläutern das Projekt, das Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Kulturen schafft. Der Garten habe sich rasend schnell entwickelt, betont Schumann. Vandalismus gebe es nicht. Im nächsten Jahr seien auch offene Angebote für Nichtnutzer geplant, etwa Lesungen oder ein kleines Nachbarschaftsfest.

Schumanns Kollegin Jeannette Jerschl steht den Hobbygärtnern jeden Mittwoch vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. „Es kommen kaum Fragen“, berichtet die Fachfrau. Die Nutzer seien gut vorbereitet und gäben sich untereinander Tipps. Bis Ende Oktober, erläutert Jerschl, seien die Beete abgeerntet. Nach der Gründüngung mit Gelbsenf ruht der Garten dann erst mal. Die Hobbygärtner bleiben aber auch in der kalten Jahreszeit in Kontakt, überlegen zum Beispiel gemeinsam, wie man günstig an Pflanzen kommt.

Seit dem Frühjahr wird kräftig in die Hände gespuckt. Familien und Einzelpersonen bewirtschaften zurzeit 13 Parzellen. Romy Zanfei begann nach eigenen Worten als „blutige Anfängerin“. Zwar hatte sie sich schon in Büchern informiert und auf dem Balkon erste Pflanzerfahrungen gesammelt. „Aber das ist nicht dasselbe“, betont sie. Bei der Arbeit am Beet lernte sie neue Leute kennen. Zu Beginn, erzählt sie, war die Erde sehr hart. Acht syrische Mitstreiter halfen und lockerten den Boden auf. Das Gärtnern, betont die Bürokauffrau, sei ein guter Ausgleich zum Job. Neben Bohnen, Salat, Kohlrabi, Sellerie und Zucchini setzt sie in ihrem Beet auch auf Brennnesseln. „Eines der gesündesten Kräuter“, erläutert die Halbitalienerin. Mit ihnen wird sie Tee kochen.

Das Gemüse, das Yaser Taalo erntete, hat ihm besser geschmeckt als die Waren aus dem Supermarkt. „Man muss die Pflanzen pflegen“, berichtet er. Nur wer regelmäßig gießt und Unkraut entfernt, ist erfolgreich. „Wir haben viel Spaß“, versichert der Kurde aus Syrien. Er hofft, dass noch einige deutsche Kollegen zur Gruppe stoßen. Die meisten Hobbygärtner haben Migrationshintergrund. Türkische und syrische Nutzer sind klar in der Überzahl. Um dem interkulturellen Charakter des Gartens stärker gerecht zu werden, hoffen auch die Verantwortlichen, dass noch einige deutsche Bewohner der Nördlichen Innenstadt mitmachen. Zwei Parzellen sind noch zu vergeben.

Romy Zanfei zieht im Nordbeet Gemüse, lässt es aber auch üppig blühen. Foto: BeckerBredel

Mit dem Gartenfest endete die Interkulturelle Woche in Völklingen. Über 20 Veranstaltungen standen seit Montag auf dem Programm. Die städtische Integrationsbeauftragte Gülsah Bora zieht eine positive Bilanz. Alle Veranstaltungen hätten stattgefunden und seien gut besucht gewesen – „ich bin sehr zufrieden“.

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