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„Wie viel Infrastruktur braucht eine Stadt?“

Völklingen. Die Stadt Völklingen hat überall „Baustellen“ – Bereiche, die dringend Verbesserungen für Wohnen und Gewerbe brauchen. Das gilt nicht nur für die Innenstadt, sondern ebenso für die Stadtteile. Was kann die Stadt hier tun, was nicht? Wie kann Städtebauförderung dabei helfen? Wir haben mit den Fachleuten für Städtebauförderung im saarländischen Innenministerium über Fürstenhausen und Luisenthal gesprochen. Doris Döpke

Anfang März hat Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) in Fürstenhausen den Bagger losgelassen. Er war im Wort, hatte den Fußballern des Stadtteils versprochen, dass die Sanierung ihres Sportplatzes im März beginnt, und vollzog den symbolischen ersten Spatenstich - zunächst allerdings nur für Vorarbeiten, denn der Bebauungsplan für Fürstenhausens neue Ortsmitte steht noch gar nicht.

Klaus Müller-Zick, Leiter des Referats "Stadtentwicklung, Städtebauförderung " im saarländischen Innenministerium, und Referentin Gerlinde Hepp kennen Völklingens Vorhaben für Fürstenhausen ebenso gut wie die städtischen Planer. Denn für die neue Ortsmitte erhält Völklingen Geld aus dem Förderprogramm "Stadtumbau West" - und dafür ist Hepp im Ministerium zuständig. Ehe eine Förder-Entscheidung fällt, werden die kommunalen Projekte genauestens geprüft. Auch hier: "Wir haben lange mit der Stadt diskutiert", sagt Hepp. Und es habe daraufhin auch Änderungen gegeben. Zum Beispiel bei der Platzierung des Multifunktionsfeldes: so, dass es nun dem ganzen Stadtteil diene und nicht mehr vorwiegend dem Sportverein.

Überhaupt, der Sportplatz. Es wäre ja - auch angesichts der demografischen Entwicklung - sinnvoll gewesen, dass die beiden benachbarten Vereine in Fenne und Fürstenhausen sich Sport-Einrichtungen teilen, sagt Hepp. "Aber das ging wohl politisch nicht", fügt sie mit einem Seufzer hinzu. Vereins-Wünsche seien die eine Sache, kommunale Investitionen eine andere: "Wie viel Infrastruktur braucht eine Stadt?" Aber diese Frage, ergänzt Klaus Müller-Zick, "stellen wir überall. Grundsätzlich." Förderung solle schließlich nachhaltigen Effekt haben. In seiner Anmerkung, dass die Stadt für ihre Fürstenhausen-Pläne "ja noch nicht viele Nutzungen" habe, klingt leiser Zweifel an.

Zur Vorsicht raten Hepp und Müller-Zick den Kommunen allgemein und der Stadt Völklingen im besonderen, was die Zahl der Städtebau-Vorhaben angeht: Eine Kommune, betonen die beiden unisono, müsse sich entscheiden, Wichtigstes zuerst abarbeiten. Betreibe eine Kommune zu viele Vorhaben parallel, drohe die Gefahr, dass sie sich verzettele. Schließlich müsse sie das Bauen ja organisieren. Und nicht zuletzt mitfinanzieren - ein Drittel der Kosten hat sie stets selbst zu tragen. Die beiden Fachleute schauen daher etwas reserviert auf die Völklinger Initiative, in Luisenthal ein Sanierungsgebiet auszuweisen (wir haben berichtet). Dass es auch in diesem Stadtteil - ebenso wie Fürstenhausen vom Bergbau geprägt und teilweise gebeutelt - große städtebauliche Defizite gebe, sei natürlich nicht von der Hand zu weisen, sagt Müller-Zick. Gerade hier sei aber wichtig, dass die Stadt beim Investieren klare Schwerpunkte setze.


Zum Thema:

Auf einen BlickVölklingens Stadtrat hat am Donnerstagabend einen Antrag der Grünen-Fraktion abgelehnt, die Bauarbeiten am Fürstenhausener Sportplatz sofort einzustellen. Die Grünen hatten ihren Antrag damit begründet, dass die Stadt sich solch ein Projekt angesichts ihrer Haushaltslage nicht mehr leisten könne. Fünf Stadtverordnete votierten für den Baustopp, 37 dagegen, einer enthielt sich der Stimme. dd