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Am Donnerstag im Völklinger Ortsrat
Wie soll der Weg zur letzten Ruhe aussehen?

Urnenwände im Kirchenraum: Dieses Modell des Kolumbariums wurde im September 2016 beim Tag des offenen Denkmals in der Auferstehungskirche gezeigt.
Urnenwände im Kirchenraum: Dieses Modell des Kolumbariums wurde im September 2016 beim Tag des offenen Denkmals in der Auferstehungskirche gezeigt. FOTO: rup
Saarbrücken/Völklingen. Auch in Saarbrücken wurde bereits politisch über die Beisitzung bei Muslimen debattiert. Nun wünschen sie sich ein eigenes Gräberfeld in Völklingen. Von Bernhard Geber

Darf die evangelische Kirchengemeinde Völklingen-Warndt in ihrer Auferstehungskirche Wehrden/Geislautern ein Kolumbarium, sprich Wände für Urnen, einrichten? Und erhalten die Muslime in Völklingen ein ihrem Glauben entsprechendes Gräberfeld auf dem Waldfriedhof? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Völklinger Ortsrat am Donnerstag, 8. März, in öffentlicher Sitzung. Sie beginnt um 17 Uhr im Großen Saal des Neuen Rathauses.


Das Kolumbarium soll aus Sicht der Kirchengemeinde dazu beitragen, die einst von Schließung bedrohte Auferstehungskirche auf Dauer zu retten. Die Gebühren sollen dabei deutlich günstiger als auf städtischen Friedhöfen sein (siehe Hintergrund). Im Ortsrat geht es nun darum, das notwendige Einvernehmen der Stadt herzustellen. Die Verwaltung empfiehlt in ihrer Sitzungsvorlage für den Ortsrat, dies zu tun, auch wenn sie Bedenken äußert. Da heißt es unter anderem, dass die Stadt selbst Einzelkammer- und Doppelkammerstelen in ausreichendem Umfang anbiete. Beisetzungen im Kolumbarium würden gleichzeitig zu Mindereinnahmen bei der Stadt führen.

Wirtschaftliche und finanzielle Überlegungen seien aber nicht dazu geeignet,  hier das Einvernehmen zu versagen, schreibt Rathaus-Jurist Stefan Forster. Dies sei auch mit dem privilegierten Status von Religionsgemeinschaften, die als Körperschaft des öffentlichen Rechtes anerkannt seien, kaum vereinbar. Der Grundsicherungsauftrag der Stadt für Bestattungen werde durch das Projekt nicht maßgeblich tangiert. Mit der Einrichtung der Bestattungsstätte in der bestehenden Kirche  seien auch keine negativen  Auswirkungen auf die Umgebung zu erwarten, meint  Stadtplaner Ludwin Scherer.

Bürger muslimischen Glaubens überführen ihre Toten derzeit häufig noch mit hohen Kosten zur Bestattung in die frühere Heimat. Nun wünscht der Integrationsbeirat der Stadt Völklingen ein Gräberfeld auf dem Waldfriedhof, auf dem Muslime gemäß ihres Glaubens bestattet werden können. „Die Musliminnen und Muslime würden sich ein Stückchen mehr in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen fühlen“, schreibt Kiymet Kirtas, die Vorsitzende des Integrationsbeirates.

Die Stadtverwaltung schlägt vor, diesem Anliegen nachzukommen – aber mit einer bedeutenden Einschränkung. Nach muslimischem Brauch werden Verstorbene nicht in einem Sarg, sondern nur in ein Leichentuch eingewickelt bestattet. Die Stadtverwaltung beharrt in ihrer Beschlussvorlage aber auf einem Sarg, obwohl das saarländische Bestattungsgesetz (§ 34, Absatz 1) Ausnahmen aus religiösen Gründen ermöglicht. Sie argumentiert damit, „dass Bestattungen von Angehörigen der muslimischen Glaubensüberzeugung in anderen Städten und Gemeinden zeigen, dass eine Bestattung im Sarg auch möglich ist“. Von daher werde eine Änderung der Friedhofssatzung für nicht erforderlich erachtet. Aber gerade der Sarg-Zwang, der andernorts herrscht, war für den Völklinger Integrationsbeirat Anlass, die Initiative zu ergreifen. „Das Saarbrücker muslimische Gräberfeld ist schon lange keine Alternative mehr, da es dort nicht gestattet ist, die Leichen ohne Sarg zu bestatten“, betont Kirtas. Die Investition in Völklingen werde sich über die Bestattungsgebühren sehr rasch  auszahlen. Die Stadtverwaltung hat ein Feld mit rund 60 möglichen Grabstätten im Auge.



Kiymet Kirtas, Vorsitzende des
Integrationsbeirates. l
Kiymet Kirtas, Vorsitzende des Integrationsbeirates. l FOTO: Presseagentur Becker&Bredel / Becker & Bredel