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Wie Oliver STrauch den Völklinger Hütten Jazz international macht

Interview : „Hier treten die Stars von morgen auf“

Wie der Saarbrücker Jazz-Professor den Völklinger Hütten-Jazz international macht.

Herr Strauch, als Sie 2011 den Hütten-Jazz übernahmen, hatten sie gesagt, sie möchten ihn internationalisieren. Ist das geglückt?

Oliver Strauch: Ja, das ist geglückt. Es ist geglückt, weil die Netzwerke der europäischen Jazz-Szene in der Großregion viel enger sind und viel besser genutzt werden können. Viele Amerikaner, die in Paris sind oder in Luxemburg, können hier quasi vor der Haustür spielen. Und dann sollte man die Gelegenheit nutzen – zumal wir ja auch gerade kein Jazz-Festival hier haben –, um interessante Band-Kombinationen zu zeigen, die man wirklich nur in Völklingen sieht.

Der Hütten-Jazz hat also ein Alleinstellungsmerkmal.

Oliver Strauch: Ja, das würde ich schon sagen.

Heißt das auch, dass mehr Besucher kommen?

Oliver Strauch: Es hat unheimlich angezogen. Das liegt zum einen daran, dass es immer noch umsonst und draußen ist. Und wir versuchen, weniger im Unterhaltungssektor zu machen, also weniger Dixieland, weniger Latin-Bands, weniger Frühschoppen-Formate. Natürlich stellte sich die Frage, ob man mit Festival-Acts die Leute nicht vergrault. Es hat sich aber das Umgekehrte gezeigt. Die Leute kommen, lernen Neues kennen und gerade für die Völklinger ist der Hütten-Jazz ganz wichtig. Es ist wichtig, dass die Menschen diese eineinhalb Stunden in ihrer Stadt verbringen können. Einer Stadt, die ja auch vor einigen Problemen steht.

Können Sie denn das Publikum einordnen? Können Sie sagen, woher es kommt?

Oliver Strauch: Über die Jahre kommen immer mehr Saarbrücker. Es ist ja schon komisch. Für uns Saarbrücker ist ja alles, was etwas weiter vom St. Johanner Markt weg ist, eine riesige Entfernung.

Was schön ist, von den künstlerischen Hochschulen kommen immer mehr Junge. Durch den Jazz-Studiengang oder auch durch die Kunsthochschule kennen die Jungen deutschen Jazz und hören den dann auch beim Hütten-Jazz. Leute, die aus Lothringen oder Luxemburg kommen, nutzen den Industriestandort und verbinden ein Konzert mit einem Besuch des Weltkulturerbes.

Der Hütten-Jazz, ein Festival für junge Menschen?

Oliver Strauch: Es sind die Stars von morgen, die da auftreten. Es sollen die dort spielen, die nicht auf allen Festivalbühnen Deutschlands zu finden sind. Es sollen die spielen, von denen ich den Eindruck habe, sie könnten den ganz schwierigen Sprung in die Professionalität schaffen.

Das sind alles Bands, die ich schon einmal live gesehen habe. Da lege ich großen Wert drauf. Das sind keine Youtube-Links, DVDs oder CDs, die ins Haus fliegen, sondern ich muss die Band auf einer Bühne mal gesehen haben, damit ich einen Eindruck habe, was für eine Ausstrahlung die haben. Ich glaube, das Publikum spürt es auch, dass mit Sorgfalt ausgewählt wird. Ich nehme keine Bewerbungen an, ich schaue mich um.

Dann sind Sie ja als Professor für die jungen Leute ein doppelter, vielleicht sogar dreifacher Glücksfall.

Oliver Strauch: Ich hoffe das.

Ich meine, weil Sie eben auch dieses kleine Festival haben und sie dorthin einladen können. Geht das so?

Oliver Strauch: Ja. Und ich kann auch fragen: Was hört ihr gerade? Oder ich kann fragen, warum seid ihr nach Frankfurt zu dieser oder jener Band gefahren? Das sind natürlich auch mal Bands, die das Budget übersteigen. Ich muss natürlich schon kucken, dass diese Bands hungrig sind und auf eine Festivalbühne wollen.

Jetzt haben Sie eben ja schon sozusagen einen Ausflugstipp gegeben: Hört euch die Musik an und schaut euch das Weltkulturerbe an. Wie groß ist denn die Rolle, die das Weltkulturerbe, die der Industriekomplex als Hintergrund oder auch als Bühne für den Hütten-Jazz spielt?

Oliver Strauch: Beeindruckend ist es vor allem für die Bands, die – ich sage es mal despektierlich – denken, jetzt kommen wir in die Provinz. Den Strauch kennen wir, und das wird schon irgendwie alles klappen. Wenn die dann da hinkommen, sind sie meistens so beeindruckt von der Umgebung. Die macht ja etwas mit einem Musiker. Und die sehen dann dieses Kathedralenhafte, die Industrialisierung und spüren diese Nähe zur Entwicklung des Jazz, spüren Zusammenhänge. Ich habe noch niemanden gesehen, den das unbeeindruckt gelassen hat.

Für Sie persönlich ist ja auch Europa ein großes Thema. Spielt das in Ihrer Planung des Hütten-Jazz eine Rolle?

 Oliver Strauch im Gespräch mit Ilka Desgranges.
Oliver Strauch im Gespräch mit Ilka Desgranges. Foto: Iris Maria Maurer

Oliver Strauch: Die europäischen Vernetzungen im Jazz sind da, den Austausch muss man nicht erfinden. Es gibt ein Regelwerk, wie Ausländersteuern, die sind sehr unangenehm, darauf könnte man verzichten. Aber die Bands sind bilingual besetzt, wir haben eine Band, da spielen jüdische und islamische Musiker zusammen. Wenn man beispielsweise eine deutsche Band einlädt aus Köln oder aus Berlin, kann es sein, dass sie ein Drittel Migrantenanteil hat. Das ist super, was da passiert, denn es ist Normalität. Der Hütten-Jazz war ursprünglich sehr stark mit saarländischen Bands besetzt. Jetzt ist er international, aber es ist immer noch mindestens eine saarländische Band dabei.