Wenn die Streuwagen warm laufen

Die 156 Straßenkilometer der Stadt Völklingen wollen bei Eis und Schnee möglichst sofort geräumt werden. Geht aber nicht mit nur fünf Autos. Deshalb muss ein guter Plan her. Und ein Wetterbericht, der was taugt.

Wetterberichte findet man heute zu Dutzenden im Internet. Viele Leute schwören etwa auf regionale Vorhersagen für die Landwirtschaft. Anders als Privatleute ist eine Stadt wie Völklingen aber an Dienstleister gebunden, die von der Versicherungswirtschaft anerkannt sind. Weil sie im Zweifelsfall für Handeln oder Nichthandeln haftet, ist sie auf verlässliche und plausible Vorhersagen angewiesen, gerade jetzt im Winter, wo die Räum- und Streudienste zu besetzen sind.

Völklingen bekommt seine Wetterdaten von der "MeteoGroup" Deutschland in Berlin, und zwar jeden Tag um 11.30 Uhr, wie Fachdienstleiter Uwe Heckmann vom Baubetriebshof sagt. Er ist verantwortlich für die Einteilung der Winterdienstfahrzeuge und kann für die Planung auf Aussagen über Temperaturen von Luft und Straße, auf Brücken , auf Straßen- und Brückenzustände zurückgreifen. Wenn der Vorhersager also für die letzte Nacht (zu diesem Samstag) Regen nach vorherigem Frost angesagt hatte, dann konnte Heckmann seine Autos und Leute schon mal quasi warm laufen lassen beziehungsweise Bereitschaften anordnen.

Auch aktuelle Wetterbeobachtungen von Feuerwehr und Polizei (vor allem am Wochenende) fließen bei der Aufstellung von Völklinger Streuplänen ein. In der Regel sei es so, sagt Heckmann, dass die Realität weniger gravierend sei als die Vorhersage. Maximal hat Heckmann im Winterdienst vier Lastwagen und einen - fast überall hinkommenden - Unimog, acht Fahrer und zehn Handstreuer zur Verfügung.

Das 156 Kilometer lange Straßennetz kann verständlicherweise nicht auf einmal abgearbeitet werden. Bei Schnee und Eis wird deshalb nach einer Prioritätenliste gestreut: Hauptstraßen, Brücken , Gefällstrecken, belebte Plätze, Wege zum Krankenhaus und zu Altenheimen haben Vorrang. Wie Fachbereichsvorstand Ulf Hoffmann sagt, gebe es immer wieder Beschwerden, dass da und dort "nicht" oder "zu spät" geräumt worden sei. Mit diesen subjektiv verständlichen Vorwürfen müsse man aber leben.

Um alle städtischen Straßen nach einem normalen Schneefall frei zu bekommen, benötige man vier Stunden. Schneie es aber anhaltend oder immer wieder, so würden die kritischen Stellen mehrfach angefahren, ohne dass ein Streuwagen auch nur einmal auf einem Flachstück arbeite, so Hoffmann zu den Sachzwängen. Wie er erläutert, sei die Stadt nur verpflichtet, zwischen 6 und 22 Uhr Winterdienst zu leisten. Es sei aber einfacher, kontinuierlich 24 Stunden zu räumen und zu streuen, allein schon um nicht im morgendlichen Berufsverkehr stecken zu bleiben. "Wir tun mehr, als wir müssten", sagt Heckmann - und gewährt einen Blick auf die schriftlichen Protokolle, die in den Autos geführt werden: Minutiös wird hier aus haftungsrechtlichen Erwägungen aufgelistet, welcher Wagen und Streuer wo genau arbeitete.

Eindruck des Beobachters: Wenn die Bürokratie nicht wäre, könnte Völklingen noch schneller schnee- und eisfrei sein.