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Vergessenes im Hotel
Wenn der Deko-Buddha plötzlich Beine kriegt

Vergessenes kistenweise: Veronika Steiner, Hausdame des Leonardo-Hotels in Völklingen, vor dem Regal in einem Kellerraum, in dem die Fundsachen mehrerer Jahre aufbewahrt werden. Hier zeigt sie einige Dinge, die in den jüngsten  Monaten liegengeblieben sind.
Vergessenes kistenweise: Veronika Steiner, Hausdame des Leonardo-Hotels in Völklingen, vor dem Regal in einem Kellerraum, in dem die Fundsachen mehrerer Jahre aufbewahrt werden. Hier zeigt sie einige Dinge, die in den jüngsten Monaten liegengeblieben sind. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Während die einen persönliche Utensilien versehentlich in Hotelzimmern liegen lassen, packen andere Gäste zuweilen ins Gepäck, was ihnen nicht gehört: Wir haben in Völklinger Hotels nachgefragt, wie es mit vergessenen oder auch geklauten Sachen aussieht. Von Ulrike Paulmann

Dass sich jemand kein Bein ausreißt, um an seine Zahnbürste zu kommen, ist verständlich. Wenn aber einer im Hotel den Laptop vergisst und es dabei belässt, dann ist das doch besonders. „Da hat sich nie jemand gemeldet“, sagt Silke Huber. Die 42-Jährige ist Managerin des Leonardo-Hotels Völklingen. Sowas wundert sie. Ebenso, wie wenn der Besitzer eines im Hotel gefundenen Eherings diesen nicht mal vermisst hat.


„Es gibt nichts, was nicht vergessen wurde“, so die Erfahrung von Hausdame Veronika Steiner, 36. Bei 89 Zimmern kommt viel zusammen. Die Frauen berichten von Zahnbürsten, Geldbeuteln, Adaptern, Büchern, Kleidungsstücken, Schlüsseln, Pässen und mehr; auch sind mal „Dinge, über die man eigentlich gar nicht spricht“ unter den Fundstücken. Die Hausdame schätzt: „Etwa jeder fünfte Gast vergisst etwas.“ Häufig unterm Bett, im Kleiderschrank, im Safe oder im Badezimmer.

Die Hotel-Chefin berichtet, dass etwa 70 Prozent der gefundenen Dinge wieder zu ihren Besitzern zurück gehen. Zum Beispiel holte  ein älteres Ehepaar eine verlorene Zahn-Prothese schnell wieder ab. So machen es manche. Andere lassen sich die Sachen auch zuschicken oder nehmen sie beim nächsten Mal wieder mit. „Die meisten bemerken innerhalb von zwei Wochen, dass etwas fehlt“, berichtet Hausdame Steiner. Deswegen werden die Fundsachen erst im Backoffice gelagert. Später wandern sie dann in Kisten in den Keller. Und belegen da, nach Monaten geordnet, etwa ein Drittel des Kellerraums. Für eine gewisse Zeit. Danach, so Huber, stelle man sie einem sozialen Projekt zur Verfügung.



Während die einen etwas vergessen, nehmen die anderen verbotenerweise zu viel mit. Huber: „Bademäntel sind ein Riesenthema, auch Handtücher.“ Die Managerin spricht von drei bis fünf Prozent „Schwund“. Verwunderung und Zweifel machen sich bei der erfahrenen Hotelfrau breit, wenn, wie schon geschehen, auch Dinge wie ein Fernseher, ein großer Deko-Buddha oder Hanteln Beine bekommen. Geahndet wurde das freilich nicht: „Da wäre der Aufwand zu groß, man möchte auch niemandem zu nahe treten.“ Wer klaut? „Geschäftsreisende machen das nicht, das sind eher junge Leute, aus einer Laune heraus.“

Das Parkhotel Völklingen hat erst seit Anfang Juni seine 13 Zimmer geöffnet, zu erzählen hat Betriebsleiter Mario Seitz, 54, aber schon einiges. Er weiß aus seiner 35-jährigen Hotelerfahrung: „Es wird allerhand vergessen.“ Von Wäsche über Büromaterial bis zu ganz anderem. Im Parkhotel sei kürzlich ein „sehr persönlicher Gegenstand“ liegen gelassen worden, deutlicher will er hier nicht werden. Der sei bisher nicht zurückgefordert worden. Geklaut worden sei hier noch nichts. Grundsätzlich aber seien Bademäntel, „am besten mit Logo“ und flauschige Handtücher sehr beliebt. Und, so erinnert sich Seitz weiter: „Es wurden auch schon Gäste mit einem Röhrenfernseher unterm Arm gesichtet.“

Der eine oder andere Hotelgast vergisst auch etwas bei seinem Aufenthalt im Hotel Warndtperle in Ludweiler, allerdings ist das eher selten. „Mal ein Schlafanzug, mal eine Zahnbürste“, berichtet Chef Jörg Peters, 42. Das Haus hat 20 Zimmer. „Wenn gewünscht, schicken wir es nach, sowas kommt vielleicht zwei Mal im Jahr vor.“ Und wie sieht es mit Diebstahl aus? Peters: „Da haben wir überhaupt keine Probleme, toi toi toi.“ Seine 87-jährige Oma Irmgard Gläs berichtet aus der weiter zurückliegenden Vergangenheit: „Selten“ sei da mal ein Handtuch oder ein Bügel geklaut worden – „ein Kavaliersdelikt“.

Duschzeug, Zahnbürsten, „nix Großes“, das sind die Fundsachen, von denen Inge Galliano, Geschäftsführerin des Hotels Heidstock (zehn Zimmer) erzählt. Und, „wie in fast jedem Hotel“ werde auch da mal was unerlaubt mitgenommen, sagt die 50-Jährige: „Einmal war’s sogar die ganz normale Hotel-Bettwäschegarnitur eines Zimmers, das hat mich erstaunt.“

Diebstahl ist im Hotel Ristorante Kurtz kein großes Thema, sagt Christian Kuhn. Aber auch hier komme manchmal etwas weg, sagt der 39-jährige Angestellte, Ehemann der Chefin: „Oft Handtücher, einmal eine Nachttischlampe.“ Kuhn gibt zu, sich anfangs darüber geärgert zu haben, „mittlerweile sehe ich es gelassener“.

„Schon häufig“ komme es vor, dass jemand Shampoo, Zahnbürste, Kleidungsstücke und mehr in einem der zehn Zimmer des Hauses vergesse. Zurück haben wollen das nur wenige: „Die Rückmeldung liegt bei etwa zehn Prozent.“ Eine Anekdote hat er auch. Gäste aus dem Ausland kamen, um hier mit einer großen Summe ein Auto zu kaufen: „Das Geld hatten sie unterm Lattenrost versteckt und vergessen, es wurde beim Saubermachen gefunden.“ Wenig später seien die völlig aufgelösten Leute wieder aufgetaucht – erst als es ans Bezahlen des Fahrzeugs ging, war ihnen eingefallen, dass und vor allem wo sie die Scheine liegen gelassen hatten.