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Meinungen zum Bürgerbüro
Wenig Spaß beim Wartenummern-Lotto

Wie lange dauert’s noch, bis meine Nummer drankommt? Das Spannendste beim stundenlangen Warten vor dem Völklinger Bürgerbüro war am Mittwochnachmittag diese Anzeigetafel.
Wie lange dauert’s noch, bis meine Nummer drankommt? Das Spannendste beim stundenlangen Warten vor dem Völklinger Bürgerbüro war am Mittwochnachmittag diese Anzeigetafel. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Hoffen und Harren: Was Besucher am Mittwochnachmittag auf dem Weg ins Völklinger Bürgerbüro bewegt. Von Bernhard Geber

Mittwochnachmittag um 15 Uhr im Völklinger Bürgerbüro. Wir mischen uns unter die Wartenden drin und draußen vor der Tür.  Sie haben ihre Nummer gezogen. Stundenlang kann nun es dauern, bis sie an die Reihe kommen. Wer so etwas dabei hat, spielt auf seinem Handy. Und der, dem’s mit seinen kleinen Kindern all zu viel wird, geht auch mal an die frische Luft. Zwischendurch wird kräftig spekuliert, wann man nun wohl an die Reihe kommen wird. Nichts ist da spannender als die Tafel, die anzeigt, welche Nummer gerade aufgerufen wird.


Wir haben Wartende gefragt, was sie an diesem Nachmittag zum Bürgerbüro bewegt. Sascha Roth (Nummer 782, aktuell ist Nummer 752 aufgerufen) ist gekommen, um ein Auto anzumelden. „Heute ist echt extrem viel los. Ich hoffe, dass ich noch vor 18 Uhr drankomme“, meint Roth. Er hat schon seine Erfahrungen mit dem Bürgerbüro gemacht. „Unter der Woche geht es am schnellsten, und die Bedienung war auch freundlich.“

„Morgens arbeite ich, und deshalb bin ich am Mittwochnachmittag gekommen“, sagt Irene Krockenberger (Nr. 774). Sie zieht von Ludweiler in die Innenstadt und möchte deshalb sich und ihre Familie ummelden. „Heute dauert es länger als sonst“, stellt sie fest. Sie war schon einmal zum Anmelden eines Wohnsitzes da und war damals jedenfalls mit der Bedienung „sehr zufrieden“.



Leon Weingärtner („Nummer 767, gegen 14 Uhr gezogen“) kam bisher immer mit seiner Mutter. Nun will der mittlerweile 19-Jährige einen neuen Personalausweis beantragen. „Mittwochs sind die Wartezeiten ganz besonders“, nimmt Weingärtner nun wahr.

Angelina Frauenfeld sieht nur mittwochs eine Chance, „denn sonst bin ich immer bis drei Uhr in der Schule“. Heute ging es bei ihr ziemlich flott und ohne Nummer, denn sie wollte nur ihren Personalausweis am Schalter abholen. Den hatte sie vor rund dreieinhalb Wochen beantragt: „Damals, auch mittwochs, musste ich anderthalb Stunden warten.“ War die Bedienung freundlich? „Es ging noch“, sagt die junge Frau augenzwinkernd.

Irena Catania („Nummer 786, zur Zeit Nummer 764“) ist in männlicher Begleitung gekommen: „Wir wollen die Autozulassung auf sie umschreiben.“ „Mittwochnachmittags ist es noch schlimmer als morgens“, meinen die beiden. „Es gibt zu wenig Personal für zu viele Leute. So weit man sehen kann, sind nur drei Schalter besetzt.“

Michael Schostok („ich habe Schule“) hat keine Alternative zum Nachmittag. Er hat es gerade geschafft, sich nach seinem Umzug umzumelden. „Ich hatte die 764 und über 30 Nummern abgewartet“, berichtet Schostok. „Zwischendurch habe ich auf dem Handy gespielt und war auch mal frische Luft schnappen.“ Aber er ist dann freundlich bedient worden, obwohl „es ein kleines technisches Problem gab. Ich hatte den Magnetstreifen an meinen Ausweis geschrottet.“

Eine Mutter, die gerade ihren  Nachwuchs mit der Erkundung des Rathaus-Foyers beschäftigt, möchte sich und ihre Kinder nicht fotografieren lassen. Anlass des Besuches am Nachmittag: Sie will  Kinderausweise beantragen, „und deswegen die Kinder aus der Schule rausholen, das möchte ich  nicht“. Sie war bereits mit den Kindern auf dem nahen Spielplatz. Eine Ecke im Bürgerbüro, wo zumindest Bücher zum Lesen und Vorlesen liegen, fände die Mutter „ganz gut“. „Noch fünf Nummern vor mir, dann haben wir es geschafft“, zieht sie Zwischenbilanz. „Bis wir dran sind, sind dann etwa anderthalb Stunden vergangen“, rechnet sie sich aus.

Kurz vor Toresschluss im Bürgerbüro treffen wir dann auch Besucher, die mit an andere denken. „Ich habe gleich noch eine Nummer mitgezogen und dann weitergereicht“, sagt uns ein jüngerer Mann, der selbst nach eigenen Angaben auch nicht früher kommen konnte. Und hat ansonsten einen  Rat parat: „Versuchen Sie es doch am Montag. Da ist auch nachmittags offen“, sagt er jemand, der zu spät gekommen ist.

Im Bürgerbüro taucht auch Carmelo Vitello, früherer Vorsitzender des Integrationsbeirates, auf. Der  Rentner ist gekommen, um eine Zeitung für seine italienischen Landsleute im Broschürenständer auszulegen. „Ich hoffe, dass die neue Besetzung im Rathaus erreicht, dass es schneller geht“, sagt der überzeugte Sozialdemokrat. Aber Christdemokrat Klaus Lorig hat nun – kurz vor Ende seiner Amtszeit – jedenfalls schon mal damit angefangen.

Sascha 
Roth.
Sascha Roth. FOTO: BeckerBredel
Irene 
Krockenberger.
Irene Krockenberger. FOTO: BeckerBredel
Leon 
Weingärtner.
Leon Weingärtner. FOTO: BeckerBredel
Angelina 
Frauenfeld.
Angelina Frauenfeld. FOTO: BeckerBredel
Irena 
Catania.
Irena Catania. FOTO: BeckerBredel
Michael 
Schostok.
Michael Schostok. FOTO: BeckerBredel