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Völklinger Hütte
Gedenken an 12 000 Zwangsarbeiter

Morgen, am Freitag, 9. November, von 10 bis 18 Uhr ist die Installation von Christian Boltanski, mit der die Völklinger Hütte an ihre Zwangsarbeiter erinnert, bei freiem Eintritt zu besichtigen.
Morgen, am Freitag, 9. November, von 10 bis 18 Uhr ist die Installation von Christian Boltanski, mit der die Völklinger Hütte an ihre Zwangsarbeiter erinnert, bei freiem Eintritt zu besichtigen. FOTO: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel / Hans-Georg Merkel
Völklingen. Männer, Frauen und Kinder aus 20 Ländern schufteten in der Völklinger Hütte, 261 starben, darunter 60 Kinder. red

In den letzten Jahren hat das Weltkulturerbe Völklinger Hütte den Forschungsstand zu den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern der Völklinger Hütte erweitert und präsentiert. Der französische Weltkünstler Christian Boltanski hat im Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen Erinnerungsort für die Menschen geschaffen, die in der Völklinger Hütte Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein emotionales Kunstwerk, das die Erinnerung an diese Menschen wachhält und erlebbar werden lässt.


Christian Boltanskis Installation „Die Zwangsarbeiter – Erinnerungsort in der Völklinger Hütte“ führt in die dunkelste Zeit der Völklinger Hütte und der Industriekultur. Im Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bietet das Weltkulturerbe am Freitag, 9. November, von 10 bis 18 Uhr, freien Eintritt in die Installation von Christian Boltanski.

Auch alle anderen Bereiche des Weltkulturerbes sind am 9. Novembervon 10 bis 18 Uhr kostenfrei zu besichtigen. Um 11, 13 und 15 Uhr bietet das Weltkulturerbe kostenfreie Führungen zu der Installation „Die Zwangsarbeiter“ an. Wer an einem anderen Tag ausschließlich den Erinnerungsort „Die Zwangsarbeiter“ besuchen möchte, wird gebeten, dies an der Kasse zu signalisieren.



12393 Männer, Frauen und Kinder aus 20 Ländern waren während des Zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiter in der Völklinger Hütte registriert. 261 von ihnen verloren ihr Leben, darunter 60 Kinder und Kleinkinder.

Die Installation „Die Zwangsarbeiter – Erinnerungsort in der Völklinger Hütte“ von Christian Boltanski in der Sinteranlage eröffnet einen neuen und sehr emotionalen Zugang zum Thema Zwangsarbeit. Die Menschen stehen mitten in den eng gestellten Wänden des Archivs der Erinnerungen, das aus unzähligen aufeinander gestapelten Archivkästen besteht. Die Archivkästen tragen Nummern, schwarze Hosen und Jacken formieren sich zu einem Kleiderberg. Die geflüsterten Namen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die aus allen Ecken der Installation erklingen, lösen einen Schauer aus. Schlagartig versetzt die Installation in eine andere Welt.

Auch der Gedanke an die tägliche Arbeit der Hüttenarbeiter hat Christian Boltanski inspiriert. Diesen Menschen und ihren Emotionen hat er die große temporäre Installation „Erinnerungen | Souvenirs | Memories“ in der Erzhalle gewidmet.

Christian Boltanski ist einer der international renommiertesten Künstler. Seine Werke wurden dreimal auf der documenta in Kassel gezeigt. 2011 wurde der gesamte französische Pavillon der 54. Internationalen Kunstbiennale von Venedig mit einer Rauminstallation von Christian Boltanski gestaltet. Christian Boltanskis Arbeiten sind in den wichtigsten Kunstsammlungen der Welt – wie dem Museum of Modern Art in New York, der Tate in London oder dem Centre Georges Pompidou in Paris – zu sehen.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist das erste Industriedenkmal aus der Blütezeit der Industrialisierung, das in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen wurde. Es ist das einzige Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung, das vollständig erhalten ist. Nach der Stilllegung der Roheisenproduktion im Jahr 1986 wurde die Völklinger Hütte 1994 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Die Anfänge der Völklinger Hütte reichen bis zum Jahr 1873 zurück. Der erste Hochofen wurde 1883 angeblasen. Das Weltkulturerbe zeigt herausragende Ausstellungen und ist Ort für außergewöhnliche Konzerte und Festivals.