Weihnachtslieder geben unserem Kolumnisten Rätsel auf

Kolumne : Der Erwin und die Heidi und das Dschingderattabum

Zwischen „Oh Tannebaum“ und „Oh, du fröhliche“ gibt das traditionelle weihnachtliche Liedgut einiges an Rätseln auf. Und die sind schon seit Jahrzehnten ungelöst.

Es ist ja nun mal so, dass es hierzulande an schmettertauglichem Liedgut arg mangelt. Trällern sie in Italien, England, Frankreich zu jedem Anlass mindestens zwei, drei Hymnen, die hektoliterweise Freuden- oder Trauertränen plätschern lassen, pfeifen wir höchstens mal den „Westerwald“ durch die Schneidezähne. So weit, so schlimm. Aber alles, was musikalisch übers Jahr gesehen verdaddelt wird, kann an Weihnachten nachgeholt werden. Da wird jede Kleinigkeit besungen, die auch nur annähernd was mit Heiligabend zu tun hat. Zum Teil mit verheerenden Folgen. So ist mir beispielsweise auch nach Jahrzehnten noch immer rätselhaft, was es mit jener Zeile auf sich haben könnte: „Aber heidschi bumbeidschi bum bum.“ Gemessen an der Trauer, die die dazugehörige Melodie versprüht, muss hier was ganz Schlimmes passiert sein. Das arme Heidschi Bumbeidschi irrt sicher spärlich bekleidet durch den tiefen Schnee, in seiner Verzweiflung und Trauer einzig noch Halt findend im Klang seines reinen Herzens: Bum, bum.

Armes Heidschi, wenn ich doch nur wüsste, wie ich dir helfen kann. Vielleicht würde dich ja ein Geschenk erheitern. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Muh? Oder noch besser: einer Mäh; das sollte dich etwas fröhlicher stimmen. Oder doch lieber eine Täterätätä? Eine Tute oder eine Rute vielleicht? Nein? Eine Hop, hop, hop, eine Dideldadeldum oder eine Wau, wau, wau? Wie? Alles nix für dich? Dann ziehe ich noch ein Ass aus dem Ärmel und packe in buntes Glanzpapier eine niegelnagelneue Ratadschingderattabum. Ja, genau: Das hört sich ziemlich plemplem an, wird aber unterm Christbaum geträllert  wie „Das rote Pferd“ auf der Ballermann-Party.

Hinzu kommen diverse phonetische Patzer, die zumindest mir lange Zeit zu schaffen machten. Wie etwa die Frage nach jenem Hol. Hol, der Knabe im lockigen Haar. Wacht der jetzt mit dem hochheiligen Paar, oder schläft der in himmlischer Ruh? Und wo kommt der Kerl überhaupt her?

Was soll’s: Noch ein paar Tage darf geheidschibumbumt werden, dann steht ja schon wieder die Fastnacht vor der Tür. Und wenn Erwin der Heidi von hinten an die Schultern fasst, weiß man wenigstens, was gemeint ist. Oder?