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Ein halbes Jahrhundert fürs Handwerk
Seine Berufswahl hat er nie bereut

Manfred Deckert (73) aus Wehrden hat von der Handwerkskammer den Goldenen Meisterbrief erhalten. Hier steht er vor seinem Meisterstück, einem  Schrank aus Korallenpalisander.
Manfred Deckert (73) aus Wehrden hat von der Handwerkskammer den Goldenen Meisterbrief erhalten. Hier steht er vor seinem Meisterstück, einem Schrank aus Korallenpalisander. FOTO: BeckerBredel
Wehrden. Manfred Deckert aus Wehrden hat vor 50 Jahren seine Meisterprüfung gemacht. Seine Liebe zum Handwerk hält bis heute. Von Becker & Bredel

Das alte Meisterstück aus Korallenpalisander ziert die Galerie im Wehrdener Wohnhaus von Manfred Deckert. Der 73-jährige Bau- und Möbelschreinermeister fährt mit der flachen Hand über das Furnier, mit dem Finger über die Kanten. Alles ist glatt, die Maserung des tropischen Holzfurniers setzt sich um die Ecken nahtlos fort bei diesem handgefertigten Möbelstück höchster Qualität. Vor 50 Jahren hat der junge Handwerker Deckert in seinem Betrieb sein Meisterstück geschreinert. Das Meisterjubiläum wurde jetzt in der Handwerkskammer gefeiert, dort erhielt der Wehrdener den Goldenen Meisterbrief.


Gelernt hatte er seinen Beruf in Hülzweiler, gegen den Rat seiner Eltern. Die wollten ihren Sohn lieber im kaufmännischen Bereich sehen. „Das Handwerk war verpönt damals. Alle strebten nach etwas, wo man sich nicht dreckig macht“, erzählt Deckert, der seinen Entschluss nie bereut hat.

Selbstständig war er in seinem Berufsleben nie. Da scheute er die Investition, zumal seine Frau schon als Floristin selbstständig war und viele Jahre einen Blumenladen am Wehrdener Friedhof betrieb: „Wir wollten nicht zwei Selbstständige in einer Familie sein. Aber ich war ständig in leitender Funktion in Betrieben angestellt, von Arbeitslosigkeit war ich nie bedroht“, blickt Deckert zurück. Nach seiner Meisterprüfung 1968 sei er durchgehend in Anstellung gewesen, Firmenwechsel hätten stets auch Lohnerhöhungen bedeutet. Erst als er in Rente gegangen war, wechselte er auch auf die Seite der Selbstständigkeit: „Da half ich noch einige Zeit meiner Frau im Blumengeschäft“, sagt der Altmeister.



Heute sind beide in Rente und genießen ihre Zeit im Eigenheim in Wehrden, wo Deckert seinem Hobby nachgeht: der Traditionspflege im Bund Deutscher Fallschirmjäger. Der ehemalige Zeitsoldat kümmert sich um Kontakte ehemaliger Soldaten zur aktiven Einheit und um die grenzüberschreitenden militärischen Kontakte ins französische Grenzgebiet. „Wir pflegen da gute Freundschaften mit ehemaligen Soldaten, zum Beispiel in Forbach“, erzählt Deckert. Als langjähriger Vorsitzender des Schützenvereins Ludweiler hat er außerdem den Bau des dortigen Schützenhauses zusammen mit Vereinskollegen durchgesetzt.

Dann steht er auf und öffnet die Tür einer hölzernen Kommode. Außen reich verziert, zeigt die Innenseite der Türe die gleichen Muster: „Das ist Schreinerarbeit. Keine Spanplatte, auf die vorn etwas aufgeklebt ist. Hier wurde jedes Teil maßgenau zusammengesetzt. Das hält bis heute und macht das Handwerk aus. Das hab’ ich nicht selbst gebaut, aber ich sehe genau, was ein Kollege da mal geleistet hat.“