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Sie bleiben noch auf der Baustelle sitzen
Wechselkröten wollen nicht umziehen

Schmuck und ausgesprochen selten ist die Wechselkröte. Bei diesem in Wadgassen gefundenen Tier handelt es sich um ein Weibchen, was man an der fast weißen Grundfarbe und den roten Warzen erkennen kann.
Schmuck und ausgesprochen selten ist die Wechselkröte. Bei diesem in Wadgassen gefundenen Tier handelt es sich um ein Weibchen, was man an der fast weißen Grundfarbe und den roten Warzen erkennen kann. FOTO: rup / ROLF RUPPENTHAL 01727172400
Völklingen. Als Ausgleich für Gewerbeansiedlungen hat die Stadt ein neues Biotop angelegt. Aber geschützte Tierarten wie die Wechselkröte sind dort bisher nicht eingezogen. Nun denkt man daran, die Tiere hinzutragen. Von Bernhard Geber

Die Stadt Völklingen erschließt derzeit neue Gewerbeflächen auf dem Gelände der ehemaligen Saarland-Raffinerie (SLR) bei Fenne und Fürstenhausen. Auf der Gewerbebrache hatten sich in der Zwischenzeit bereits geschützte Tierarten wie Wechselkröte, Heidelerche und Neuntöter (siehe „Info“) angesiedelt. Für sie wurde 2015 direkt nebenan eine über fünf Hektar große Ausgleichsfläche angelegt. Fachmann Björn Girkens vom Büro Agsta Umwelt mit Sitz in Völklingen hat am Dienstagabend im Umweltausschuss des Stadtrates eine buchstäblich durchwachsene Bilanz der Entwicklung gezogen.


Laut Girkens ist das Ausgleichsgebiet von der Konzeption her gut angelegt. Inzwischen wuchere das Gelände aber – unerwünschter­weise – immer weiter zu. Und die Wechselkröte sei dort nicht zu erblicken – wohl unter anderen auch wegen eines Zauns, an dem der seinerzeit für sie angelegte Wechsel-Korridor abrupt ende. Girkens hat sich bei Tag und Nacht umgesehen und dabei festgestellt: „Die Kröten sitzen nach wie vor auf dem SLR-Gelände in jeder halbwegs geeigneten Pfütze.“

Die typische Krötenwanderung zum Frühlingsanfang, unter anderem an der Landstraße Richtung Püttlingen zu beobachten, neigt sich langsam dem Ende zu. Vor dem Hintergrund stellte Ratsmitglied Ulrike Müller die Frage, ob jetzt noch Erste Hilfe für die SLR-Kröten möglich sei. Im Prinzip ja, meinte Girkens. Die Tiere seien zum Zeitpunkt der Beobachtung „noch kräftig am Rufen“ gewesen. Notfalls könne man ja auch den Laich mitsamt den Kröten aufsammeln und mit ins Zielgebiet bringen. „Einsammeln und hinbringen!“, meinte spontan Wolfram Doerr, der wie andere bekannte Naturschützer aufmerksam die Sitzung  verfolgte. Näheres soll nun kommende Woche bei einem Treffen der Völklinger Naturschutzbeauftragten erörtert werden.

Das Ausgleichsgebiet wurde auch für weitere Tierarten angelegt, so den Neuntöter. Dieser große, als robust geltende Vogel ist tatsächlich gesichtet worden. Anders steht es um die zierliche und äußerst scheue Heidelerche. Da kann Girkens die Existenz weder bestätigen noch ausschließen.

Die Heidelerche braucht freies, im Umfeld höchstens niedrig bewachsenes Gelände. Der Neuntöter benötigt ein offenes Jagdgebiet, möglichst umgeben von Hecken. Wechselkröten lieben nackten Roh-Boden und benötigen Tümpel, die zum Laichen zugänglich sind.



Da war sich der Umweltausschuss schnell mit Girkens einig: Die Ausgleichsfläche muss – und zwar auf Stadt-Kosten  – gepflegt, teilweise wieder freigeschnitten und gerodet werden. Naturschützer Klaus Udenhorst bemängelte, dass man damals, beim Anlegen des Gebietes, nicht daran gedacht habe, auch die Wurzeln unerwünschter Pflanzen aus dem Boden zu entfernen. Eine neue Rodung soll gründlicher geschehen.