Wasserstoff-Großprojekt in Völklingen mit dem HydroHub Fenne

Kostenpflichtiger Inhalt: Zukunfts-Technologie wird an der Saar getestet : Der (Wasser-)Stoff, aus dem die Träume sind

Durch eine 50-Millionen-Investition im Kraftwerk Fenne soll dort als Pilot- projekt Wasserstoff erzeugt werden – was umweltpolitisch nur mit „Öko-Strom“ Sinn macht.

Man nehme eine ordentliche Menge Wasser – chemisch H2O –, spalte es in die beiden Elemente, aus denen sich Wasser zusammensetzt, dann verkaufe man den Wasserstoff und den Sauerstoff und dazu noch die (Fern-)Wärme, die bei diesem Prozess anfällt; darüber hinaus nutze man den Wasserstoff auch als Energiespeicher, den man bei Bedarf als Gas nutzen und in Strom umwandeln kann. Hört sich als Geschäftsmodell einfach an. Ist es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn man Wasserstoff im industriellen Maßstab erzeugen will. So ist der Bau des „HydoHub-Fenne“, der genau das leisten soll, durchaus ein gewisses Risiko für Kraftwerks-Betreiber Steag und dessen Partner.

Alles in allem handelt es sich um ein 50-Millionen-Euro-Projekt, das auch nur dann realisiert wird, wenn es Bundeszuschüsse gibt. Die Chancen stehen nicht schlecht: Schon jetzt ist das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium als „förderfähig“ bewertet und hat auch die Unterstützung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Der Hintergrund der Förderung ist darin zu sehen, dass Wasserstoff ein Bestandteil der Energiewende sein kann, etwa als Antriebsmittel für Brennstoffzellen-Fahrzeuge, zudem bei der CO2-freien Stahlerzeugung oder als Bestandteil von Heizgas.

Die Anlage wird auf einer Brache zwischen den beiden Kesselhäusern des Kraftwerks Fenne gebaut, wo einst der Kraftwerksblock „Fenne 3“ stand. Bei einem Pressetermin haben Projektleiter Philipp Brammen (Steag Essen),  Kraftwerksleiter Dr Christian Neu und Steag-Pressesprecher Florian Adamek Details erklärt. Wobei man vorausschicken muss: Da hier alle Beteiligten Neuland betreten, ist auch noch nicht gesichert, ob und in welchem Umfang jedes Detail realisiert wird.

Das Kraftwerk in Völklingen-Fenne wurde ganz bewusst als Standort gewählt: Abgesehen davon, dass es immer wieder modernisiert wurde, gibt es im Umfeld für das Projekt nutzbare Rohrleitungssysteme und auch nutzbare Anlagenteile. Etwa die mit Grubengas betriebene Gasmotoren-Anlage. Wobei es hier eine Unwägbarkeit gibt: Sollte die RAG das Grundwasser in den stillgelegten Gruben zu hoch ansteigen lassen, fließt kein Gas mehr.

Das Kraftwerk ist seit 2016 auch einer von sechs Standorten des Groß-Batteriesystems der Steag, eines der größten in Europa. Es dient allerdings nicht der allgemeinen Stromversorgung sondern dazu, punktuell mit der gespeicherten Energie Stromschwankungen auszugleichen und dadurch das Stromnetz zu stabilisieren. Für das Kraftwerk Fenne selbst könnte der HydroHub immens wichtig werden. Denn will es langfristig überleben, dann muss das Management neue Geschäftsfelder erschließen. Denn im Zuge der Energiewende und des Umweltschutzes wird die Kohleverstromung immer weiter zurückgefahren und 2038 komplett eingestellt. Schon jetzt, so Betriebsleiter Neu, sei es kaum noch möglich, mit der Kohleverstromung die Betriebskosten wieder rein zu holen. So solle das neue Projekt „von der Steinkohle weg in die Zukunft leiten“.

Herzstück der Anlage wird der „Silyzer 300“, ein Elektrolyseur von Projektpartner Siemens, in dem das Wasser mittels Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Laut Siemens wird so aus zehn Liter Wasser ein Kilo Wasserstoff gewonnen. Die Endprodukte – Sauerstoff, Wasserstoff und Wärme – sollen zunächst an die Stahlindustrie, an Wasserstoff-Tankstellen und als Fernwärme vermarktet werden. So werde zum Beispiel, nach Einschätzung von Projektleiter Brammen, der Bedarf an Wasserstoff als Energieträger – in diesem Fall also als „Benzin-Ersatz“ – zunächst für Lkw im Schwerlastverkehr zunehmen, ebenso für den ÖPNV – also für Busse mit Brennstoffzellen. Auch könne Wasserstoff dem Erdgasnetz beigemischt werden, technisch machbar seien wohl bis zu 20 Prozent, was aber noch nicht erlaubt ist.

Blick auf ein Teil des Kraftwerks Fenne in Völklingen-Fenne. Foto: BeckerBredel
Kernstück des HydroHub Fenne wird ein „Silyzer 300“, ein Elektrolyseur von Siemens. Bei der Elektrolyse von Wasser wird Wasser unter Zugabe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Foto: Siemens

Allerdings befindet sich ein grüner Aspekt der Wasserstoff-Technologie noch in einer gewissen Grauzone. Denn um durch Elektrolyse Wasserstoff zu erzeugen, braucht man zunächst eines: viel Energie. Und was würde es zum Beispiel nützen, einen CO2-freien Wasserstoff-Lkw zu fahren, wenn zur Erzeugung dieses Wasserstoffes irgendwo anders fossiler Brennstoff wie Kohle verfeuert und dabei eine ganze Menge CO2 in die Luft geblasen wird? Das System macht also nur dann Sinn, wenn man zur Wasserstoff-Produktion emissionsfrei erzeugten Strom, etwa aus Solar- oder Windkraft nutzen kann. So lassen sich zum Beispiel, wenn gerade viel Wind weht und Windkraftanlagen „zu viel“ Strom liefern, diese Überschüsse in Wasserstoff umwandeln. Solche Überschüsse sind aber keineswegs ausreichend und auch nicht kontinuierlich vorhanden. Im Fall von Fenne will man daher nur „grün zertifizierten“ Strom nutzen, also von einer Bezugsquelle, die Ökostrom anbietet. Was letztlich dazu führt, dass die neue Anlage zwar direkt neben einem Kohlekraftwerk steht, dessen Strom aber nicht nutzen darf, da dadurch das ganze System ad absurdum geführt würde.

Mehr von Saarbrücker Zeitung