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Was wird aus der Grube Velsen?
Was wird aus den schönen Plänen für Velsen? 

Das Erlebnisbergwerk ist ein Besuchermagnet, gerade auch für Familien – Kindern macht es großen Spaß, die Grubentechnik zu entdecken, zum Beispiel hier bei der Hexennacht 2017.
Das Erlebnisbergwerk ist ein Besuchermagnet, gerade auch für Familien – Kindern macht es großen Spaß, die Grubentechnik zu entdecken, zum Beispiel hier bei der Hexennacht 2017. FOTO: BeckerBredel
Velsen. 2014/15 ist ein reizvolles Konzept für die alte Grube Velsen entstanden. Dann wurde es still. Zurzeit aber, so ist zu hören, werde im Hintergrund weiter gearbeitet. Von Doris Döpke

Mit viel Schwung und Engagement kümmert sich der Verein Erlebnisbergwerk Velsen seit 2012 um den einstigen Lehrstollen neben der alten Grube an der deutsch-französischen Grenze.  Die technisch versierten ehemaligen Bergleute halten die Gruben-Maschinen instand, so dass sie sie Gästen im Betrieb vorführen können. Eine Extra-Attraktion für die Besucher, die zahlreich nach Velsen pilgern. Die Ehrenamtler finanzieren ihr Projekt weitgehend selbst. Eine Erfolgsgeschichte.


Aber ohne Planungs- und Zukunftssicherheit. Zwar hatte das Land 2013 Velsen zu einem der vier saarländischen „Premium“-Bergbaustandorte erklärt, die erhalten und entwickelt werden sollen. Passiert ist freilich nichts. Und bei den Vereins-Leuten, die in Velsen aktiv sind – dazu gehören auch die Berg- und Hüttenleute aus Dorf im Warndt, die  liebevoll die denkmalgeschützte Dampffördermaschine pflegen –, kommt so langsam Enttäuschung auf. Und Ungeduld.

Denn man war schon mal weiter. Zumindest sah es Ende 2014/Anfang 2015 danach aus. Damals hatte der Regionalverband alle in Velsen Aktiven und Interessierten – Land, RAG, die Kommunen Saarbrücken, Völklingen, Großrosseln und Vereine – zusammengerufen zu Ideenwerkstätten. Daraus entstand ein  reizvolles Konzept für den Gesamt-Standort, Zeitplan und Aufgabenverteilung inklusive. Ein Lenkungskreis sollte die Sache vom März 2015 an weitertreiben. Nur wurde der nie gegründet.

Zwei Standort-Szenarien standen zur Wahl. Die „kleine“ Varian­te setzte darauf, mit relativ wenig Geld vorhandene Nutzungen des Denkmal-Ensembles – plus Erlebnisbergwerk, das keinen Denkmalschutz genießt – zu erhalten und zu sichern. Für Kaffeeküche, Dampfmaschine, Lehrstollen, Zechengebäude sollte eine dauerhafte Eigentümer- und Träger-Struktur her. Die „große“ Variante sollte Bergbau-Erbe, Kultur, Tourismus und Gewerbe vernetzen, überregional – Velsen als Ort der Begegnung zwischen Weltkulturerbe Völklinger Hütte und Bergbaumuseum in Petite-Rosselle, mit grenzüberschreitendem Charakter, für junge Leute, Kulturmacher, Handwerker. Für dieses ehrgeizige „Premium“-Konzept war eine Trennung der Zufahrten angedacht,  Müllverbrennungsanlage hier, Bergbaudenkmal dort; das war natürlich teurer.

Gemeinsamkeit beider Varianten war, dass man mit der Kaffeeküche anfangen wollte. Für deren Sanierung und Modernisierung hatte ein Architekt damals Kosten von rund 950 000 Euro errechnet. Die RAG, nach wie vor Eigentümerin, winkte zwar ab, erklärte sich aber bereit, für null Euro zu verkaufen und ersparte Abrisskosten in den Zukunftstopf zu zahlen. Nur: In welchen?



Vielleicht, so war jüngst zu hören, könne der Zweckverband Regionalentwicklung Warndt in Velsen eine zentrale Rolle übernehmen. In der Tat setzt dessen Vorsitzender, der Großrosseler Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD), sich energisch für Velsen ein, insbesondere für die Kaffeeküche.

Aber noch sei nichts spruchreif, sagt er auf Nachfrage. Allerdings: „Zurzeit ist da sehr viel Bewegung drin“, er führe ständig Gespräche über Velsen.  „Und es läuft gut“: Er spüre allerorten großes Interesse, aus dem Standort insgesamt etwas Gutes zu machen, bei der RAG zum Beispiel, auch  bei der RAG-Stiftung. Und auch beim Land; seit regierungsintern die Zuständigkeit für Industriekultur gewechselt habe vom Wirtschafts- ins Kulturministerium, sei das Thema deutlich weiter nach vorne gerückt, sagt Dreistadt.

So ähnlich lautet die Auskunft aus dem Kulturministerium. Man sei am Thema dran, erklärt Sprecherin Marija Herceg, arbeite gerade an einem Konzept für den Gesamt-Standort Velsen und an Leitlinien für die „Premium“-Bergbaustandorte insgesamt. Das wolle Minister Ulrich Commerçon (SPD) dem Ministerrat vorlegen, möglichst noch vor der Sommerpause. Erst wenn die Landesregierung dann einen Beschluss gefasst habe, wolle man damit an die Öffentlichkeit gehen.

Dreistadt formuliert den Zeitplan etwas vorsichtiger:  „nach den Sommerferien“. Man müsse zunächst „bewerten können“, wie teuer Sanierung und Ausbau in Velsen werden, was der Folgebetrieb koste und woher schließlich das Geld dafür komme; denn der Zweckverband Regionalentwicklung Warndt, betont er, dürfe keine Verluste machen. Wenn all das klarer sei, wolle er auch das Gespräch mit den Vereinen suchen. Jetzt sei es dafür noch zu früh.

Die Ehrenamtler in Velsen müssen sich also noch weiter gedulden. Zumindest noch für ein paar Monate.

Für die Arbeitspause oder für die Rast während der Fahrradtour bestens geeignet: die urige Velsener Kaffeeküche.
Für die Arbeitspause oder für die Rast während der Fahrradtour bestens geeignet: die urige Velsener Kaffeeküche. FOTO: Rolf Ruppenthal / rup