Was macht das Unternehmen Röchling heute?

Was macht Röchling heute? : Vom Stahl- zum Kunststoff-Riesen

Röchling: Der Name war einst fest mit unserer Region verbunden. Doch 1978 verschwand das Stahlunternehmen aus dem Saarland. Heute hat es neue Standorte in der halben Welt – für Kunststoffe.

. Auf den ersten Blick hat der Name Röchling für das Saarland heute vor allem historische Bedeutung. Das alte Stahlwerk, das noch 1965 mehr als 17 000 Menschen beschäftigte, wurde 1986 stillgelegt, dann, vor 25 Jahren, zum Weltkulturerbe erklärt. Tatsächlich hatte sich die Röchling-Gruppe, deren Vorläufer die 1822 in Saarbrücken und Völklingen gegründete Kohlehandlung von Friedrich Ludwig Röchling war, in den 1970er-Jahren aus der Stahlindustrie und dem Saarland zurückgezogen, 1978 verkaufte man die Völklinger Hütte an Arbed (heute Saarstahl).

Was wurde aus dem Unternehmen? Denn verschwunden ist es keineswegs. Wir sprachen mit Ina Breitsprecher, Leiterin Kommunikation der Röchling SE & Co. KG in Mannheim. Dort hat das Unternehmen seinen Hauptsitz.

Röchling einst: Stahlabstich in der Völklinger Hütte in den 1950er Jahren, als sich noch niemand vorstellen konnte, dass sich das Unternehmen von der Saar zurückziehen würde. Foto: darchinger

Geld verdient Röchling schon lange nicht mehr mit Stahl, sondern mit technischen Kunststoffen, und zwar in drei Unternehmensbereichen: Röchling Industrial liefert Kunststoffe für technische Anwendungen in den unterschiedlichsten Investitionsgüter-Industrien. Röchling Medical fertigt Kunststoff-Komponenten für den medizinischen Bereich. Und Röchling Automotive arbeitet für die Automobilindustrie, etwa durch die Produktion bestimmter Kunststoff-Komponenten, die auch zur CO2- Reduktion bei Fahrzeugen beitragen sollen.

Zusammen haben die drei Unternehmensbereiche 2018 einen Jahresumsatz von 2,14 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dass der Konzern heute dennoch eher in Fachkreisen als in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, liegt wohl daran, dass die Produkte der Tochterunternehmen nicht im Supermarkt um die Ecke liegen, sondern für die Industrie gedacht sind. Kaufen Sie aber im Supermarkt Olivenöl, dann ist es gut möglich, dass das in Tanks aus Röchling’schem Kunststoff zwischengelagert wurde. Oder wenn Ihnen im Auto Luft aus der Klimaanlage Kühlung verschafft, kann der Verteiler der Luft ein Röchling-Produkt sein. Ebenso wie das Fläschchen, in dem Kontaktlinsenträger ihre Pflege-Flüssigkeit aufbewahren. Auch Freizeit-Kapitäne, die auf ihre Bootswand klopfen, könnten dabei Röchling-Kunststoff berühren.

Die Spezialisierung auf Kunststoffe beziehungsweise die Umstrukturierung des Konzerns, die Ende der 1970er-Jahre begonnen hatte, war 2006 abgeschlossen. Zuvor war das Unternehmen ein Mischkonzern, der, so eine Recherche des Handelsblattes, noch zu Beginn des Jahrtausends über 300 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften hatte, mit mehr als 41 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 6,1 Milliarden Euro. Im Zuge der Umstrukturierung trennte man sich von mehreren Geschäftsfeldern, etwa von den 42 Prozent, die man am Elektronik- und Rüstungskonzern Rheinmetall gehalten hatte, oder auch vom Telekommunikationsunternehmen DeTeWe.

Eine Produktionsstätte von Röchling Industrial in Suzhou, China. Foto: Röchling, Mannheim

Kunststoffe waren dabei für Röchling kein Neuland, denn schon in Völklinger Zeiten war man in diesen Markt eingestiegen. 1920 hatte die Familie Röchling die Berliner Holzveredelung GmbH erworben, die den Kunststoff-Vorläufer Lignostone aus verdichteten Holzbestandteilen produzierte – noch heute ein Röchling-Produkt.

Im Saarland hat das Unternehmen keinen Standort mehr. Nur auf der Röchling-Homepage begegnet man noch einem Bild der alten Völklinger Hochöfen. Allerdings gibt es neben dem Röchling-Konzern auch noch die mit ihm verbundene Röchling Stiftung. Die engagiert sich in erster Linie im Umweltschutz. Sie unterstützte aber auch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte beim Kauf einer Installation des französischen Künstlers Christian Boltanski zum Thema Zwangsarbeit und verschließt sich somit auch nicht einem dunklen Kapitel in der Röchling-Vergangenheit.

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