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Wie gefährlich ist die Hauptstraße in Lauterbach?
Lauterbacher klagen immer wieder über Raser

  Im März 2017 rammte ein 29-Jähriger mit seinem Fahrzeug in der Hauptstraße in Lauterbach fünf geparkte Autos .
Im März 2017 rammte ein 29-Jähriger mit seinem Fahrzeug in der Hauptstraße in Lauterbach fünf geparkte Autos . FOTO: BeckerBredel / bub/fb
Völklingen. In der Lauterbacher Hauptstraße gab es mehrere spektakuläre Unfälle. Für die Polizei ist sie dennoch kein Unfallschwerpunkt. Der Ortsrat sieht das anders und hält die vorgesehene Tempo-30-Zone für unzureichend.  Von Bernhard Geber

Kilometerweit zieht sich die Hauptstraße auf fast schnurgerader Strecke durch den Völklinger Stadtteil Lauterbach in Richtung nahes Frankreich. Eine Teststrecke für Raser sei sie, klagt der Ortsrat in einer einstimmigen Stellungnahme zum Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt. Erik Roskothen, stellvertretender Ortsvorsteher und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, sieht durch den jüngsten spektakulären Unfall bestätigt, dass es höchste Zeit sei, wirksame Maßnahmen zu ergreifen.


Am späten Dienstagabend letzter Woche waren zwei Männer mit einem zuvor in Frankreich gestohlenen Pkw durch den Ort gebraust. Das Fahrzeug geriet außer Kontrolle und prallte nacheinander gegen zwei parkende Autos. Das erste von ihnen wurde rund 20 Meter nach vorne katapultiert, kollidierte mit zwei Grundstücksmauern, überschlug sich und landete im Vorgarten eines Anwohners auf dem Dach. Das Verursacher-Auto kam erst nach dem Aufprall auf ein weiteres geparktes Auto zum Stehen. Die Insassen flüchteten zu Fuß über die Grenze.

Im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt ist vorgesehen, auf einem Abschnitt der Hauptstraße die Autofahrer mit Tempo-30-Schildern zu bremsen. „Reine Augenwischerei“, meint dazu Roskothen im Einklang mit dem Ortsrat. Dieser hat regelmäßige Tempokontrollen, stationäre Blitzersäulen und eine optische Verengung der Fahrbahn angemahnt. Damit Autofahrer „sich dort zunächst wenigstens an Tempo 50 halten“ (Roskothen).



In Lauterbach ist noch ein Unfall im März 2017 in Erinnerung. Unter Alkohol- und Drogeneinfluss war ein 29-Jähriger durch den Ort gerast. Er rammte fünf geparkte Autos, verursachte sechsmal Totalschaden, Schäden an einem Haus und ließ ein Trümmerfeld zurück. Vier Menschen wurden schwer verletzt.

Wie gefährlich ist es auf der Hauptstraße in Lauterbach wirklich? Stefan Schneider, Pressesprecher der Polizeiinspektion Völklingen, hat sich die von der Polizei aufgenommenen Unfälle im Zeitraum ab 1. Januar 2018 bis jetzt angeschaut: „Es gab insgesamt 28 Unfälle, davon elf mit Fahrerflucht. Hier handelte es sich um Dinge wie Parkrempler, abgefahrene Spiegel und sonstige Sachschäden.“ Drei verletzte Personen wurden registriert. Eine Fußgängerin sei gegen ein Auto gelaufen, ein Radfahrer gestürzt. Eine weitere Person sei verletzt worden, als ein Bus scharf abbremste. Der Unfall vom vergangenen Dienstagabend sei in jüngerer Zeit der einzige gewesen, der auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sei, so Schneider. Aus Sicht der Polizeistatistik sei die Hauptstraße in Lauterbach demgemäß kein Unfallschwerpunkt – also anders, als es die Bürger im dem 2500-Einwohner-Stadtteil wahrnehmen. Ansonsten verwies Schneider darauf, dass für innerörtliche Geschwindigkeitskontrollen wie auf dieser Straße die Ortspolizeibehörde im Völklinger Rathaus zuständig sei.

Dem stimmte Stadt-Pressesprecher Uwe Grieger so nicht zu. Grieger sagte, ergänzend zur Ortspolizeibehörde sei ebenso der Verkehrsdienst Ost der Polizei zuständig. Bei den vom kommunalen Ordnungsdienst festgestellten Verstößen seien sehr oft Fahrer aus Frankreich im Spiel, bei denen die städtischen Mitarbeiter keinen Zugriff hätten. Hinzu komme, dass manche mit gestohlenen Fahrzeugen oder gefälschten Kennzeichen unterwegs seien. Als jüngstes Beispiel nannte Grieger ein Fahrzeug aus Frankreich, das mit rund 100 Stundenkilometern in Lauterbach gemessen worden sei. „Und der Fahrer war dann einfach weg“, berichtete Grieger. In solchen Fällen könnten die Betreffenden nur von Polizeibeamten vor Ort gestoppt werden. Der städtische Ordnungsdienst sei nicht befugt und nicht in der Lage, solche Fahrer anzuhalten.