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Warum Verzeihen gut tut - auch in Firmen

Warum Verzeihen gut tut - auch in Firmen

Völklingen. Normalerweise beginnen Völklinger Wirtschaftsforen mit einem Ritual: Die mit-einladende Industrie- und Handelskammer (IHK) rügt mit schmunzelndem Unterton den zweiten Gastgeber, die Stadt Völklingen, weil der eine so hohe Gewerbesteuer erhebt

Völklingen. Normalerweise beginnen Völklinger Wirtschaftsforen mit einem Ritual: Die mit-einladende Industrie- und Handelskammer (IHK) rügt mit schmunzelndem Unterton den zweiten Gastgeber, die Stadt Völklingen, weil der eine so hohe Gewerbesteuer erhebt. Beim achten Forum aber geschah dies nicht, in der Kulturhalle Wehrden sah IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch gnädig über die hohe Steuer hinweg und würdigte stattdessen das Bemühen der Völklinger Unternehmer und vor allem des Wirtschaftskreises, besonders viele Ausbildungsplätze bereit zu stellen. Im Gegenzug verzieh Oberbürgermeister Klaus Lorig, dass Giersch aus Versehen die "lieben Saarbrücker" begrüßt hatte. Und der verschmitzte Giersch entgegnete, dass er sich absichtlich versprochen habe, um Lorig eine Gelegenheit zu geben, ihm zu verzeihen.Das Ganze geriet fast zur fernsehreifen Stegreif-Komödie und wurde zum prächtigen Einstieg in den Vortrag der Ordensschwester und Religionspädagogin Teresa Zukic, die ein gut einstündiges Plädoyer für das Vergeben und Verzeihen hielt, im Privaten wie in der Firma. Warum sollte man das tun? Weil man selber nur Vorteile habe: Man komme schneller in den Himmel, fühle sich freier und bleibe seelisch gesund, weil man Wut und Stress vermeide, sang die 45-Jährige ein Loblied auf die Liebe. Der Mensch sei auf der Welt, um zu lieben und geliebt zu werden. Jeder hungere nach Liebe und Anerkennung. Also sollte man sie ihm geben, um ihn zu gewinnen oder gar zu verzaubern.So einfach dies alles klingen mag, so leidenschaftlich und verführerisch trug es die Schwester in freier Rede vor. Hohe Stimme, bayerische Einfärbung, selbstironische Einschübe und kräftige Statur ließen ein wenig an die Schauspielerin Marianne Sägebrecht denken. Anders als man bei einem Medienprofi befürchten könnte, hatte dieser Appell für ein fehlerfreundliches Miteinander allerdings nichts Routiniertes und Geschäftiges, sondern wirkte frisch, verschmitzt und unaufdringlich. Lebensnah und aufrichtig. Fast 300 Zuhörer waren angetan, ergriffen, gar begeistert und konnten bei einem kleinen Empfang im Foyer schon einmal das Verzeihen üben, zum Beispiel, weil einem ein politischer Widersacher auf den Fuß getreten war oder eine Bedienung eine Getränkelieferung zu Boden brachte. Bei so viel frisch hervorgekitzelter Einfühlsamkeit war wohl auch nachzusehen, dass kein Offizieller ein gutes Wort für den Pianisten Harald Altpeter hatte, der einen gewinnenden Abend ein- und ausklingen ließ.

Zur PersonTeresa Zukic, 45, Tochter eines kroatischen Fußballers, war in der Jugend Leistungssportlerin. Mit 20, nach einer schweren Verletzung, griff sie zur Bibel, hatte ein Erweckungserlebnis, ließ sich taufen und preist seither öffentlich in Vorträgen, Büchern, Kursen, Gemälden und sogar Musicals ihre Liebe zu Gott. Sie studierte Religionspädagogik und gründete die Kleine Kommunität der Geschwister Jesu in Pegnitz. TV-Auftritte brachten ihr den Namen "Skateboard-Nonne" ein. wp