Warum nicht einfach eine Schranke?

Lauterbach · Am 16. April befasst sich der Lauterbacher Ortsrat unter anderem mit aufwendigen städtischen Plänen zur Verkehrsberuhigung in der Kreuzwaldstraße. Der Lauterbacher Martin Thieser versteht die Welt nicht mehr: Es gehe doch viel einfacher und kostengünstiger, meint er.

Ein "unhaltbarer Zustand" ist für Martin Thieser die Verkehrssituation in der Kreuzwaldstraße. Der Lauterbacher berichtet, er beobachte oft, dass sich Fahrer nicht an die 30 Stundenkilometer halten, die zählen, wenn man ins französische Nachbarörtchen Creutzwald fährt. Teilweise werde man in dem Wohngebiet sogar mit deutlich höherer Geschwindigkeit überholt.

Noch schlimmer sei es auf der verlängerten Kreuzwaldstraße, die quer durch den Wald zur Grenze führt; dort sind lediglich 20 Kilometer pro Stunde erlaubt. "Verkehrszeichen werden nur noch als Empfehlung empfunden statt als bindend", beschwert er sich.

Skurril sei auch, dass der Großteil der passierenden Autos die Grenz-Strecke gar nicht befahren dürfte. Denn diese etwa zwei Kilometer lange Straße ist nicht zugelassen für Fahrzeuge, die schwerer als 1,4 Tonnen sind. Eine Last, die von ganz normalen Personenwagen schnell überschritten werden kann. So wiegen etwa ein VW Golf oder ein Hyundai i30 bereits leer mehr als 1,2 Tonnen.

Verkehrsberuhigung in Form von Schwellen, von denen es in der Kreuzwaldstraße noch zwei Stück gibt, findet Thieser unbrauchbar. Zwei weitere Schwellen konnten dem starken Verkehr nicht standhalten, sie wurden jeweils wenige Jahre nach Installation wieder abmontiert. "Sie sind in ihrer Art und Beschaffenheit völlig ungeeignet, die Autofahrer zu einer Geschwindigkeitsreduzierung zu zwingen", sagt Martin Thieser. Wie man es besser mache, zeige ein Beispiel in der Rue de Creutzwald in Carling: angehobener Asphalt. Thieser fände es am besten, die verlängerte Kreuzwaldstraße dicht zu machen, zum Beispiel mit einer Schranke. Neben mehr Verkehrssicherheit in der Kreuzwald- und der Verbindungsstraße würde dies auch letztere schonen. Sie sei erst vor wenigen Jahren neu geteert worden, sehe aber bereits arg mitgenommen aus.

Ein schriftlicher Hinweis an den Lauterbacher Ortsrat blieb bislang ohne Antwort. Thieser hatte dabei den Wunsch der Räte kritisiert, die Zufahrt offen zu halten. Auch Überlegungen des Ortsrates, dass über die Verbindungsstraße viel Kaufkraft nach Lauterbach komme, verstehe er nicht, sagt Thieser: Das gelte doch höchstens für den Globus-Markt in Völklingen.

Auf einen Brief an die Verwaltung der Stadt Völklingen bekam Thieser immerhin Antwort. Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) hat Thieser darin mitgeteilt, dass noch in diesem Jahr Arbeiten für eine Verkehrsberuhigung an der Kreuzwaldstraße beginnen sollen. "Unfassbar, dass man dafür 350 000 Euro zum Fenster hinausschmeißt", sagt Thieser: "Mit einer Schranke hätte man sehr schnell und kostengünstig Ruhe."Wem gehört die verlängerte Kreuzwaldstraße überhaupt, wer ist zuständig für die schmale Asphalt-Strecke, die zwischen der Straße Am Weinbrunnen und der deutsch-französischen Grenze durch den Wald führt? "Es ist keine Landesstraße", sagt Klaus Kosok, Sprecher des Landesbetriebs für Straßenbau. Es sei auch keine Forststraße, sagt Joachim Stelzer vom Saarforst-Landesbetrieb: "Ich kann aus unseren Unterlagen zwar den Eigentümer nicht erkennen, ich kann aber eindeutig sagen: Wir sind es nicht nicht."

Die Stadt Völklingen hingegen ist sicher, dass die Straße landeseigen ist. Die von der Stadt geplanten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung "enden an deren Eigentumsgrenze (Ortsausgang hinter dem Einmündungsbereich der Straße Am Weinbrunnen)", teilt die Stadtpressestelle mit. Tempo-20-Limit und Gewichtsbeschränkung auf 1,4 Tonnen bestünden nach Kenntnis der Stadt schon seit über 20 Jahren. Sie seien sicherlich von der Stadt als zuständiger Straßenverkehrsbehörde verfügt worden. Genaue Begründungen dafür habe man damals nicht archiviert; Ziel "dürfte der Schutz der nur als Forstweg ausgebauten Straße vor Schäden durch übermäßigen Fahrverkehr, der Schutz des Waldes sowie der Spaziergänger und der Schutz der Anwohner der Kreuzwaldstraße vor zuviel Durchgangsverkehr gewesen sein". Die Straße sei wohl ursprünglich ein "nicht dem Gemeingebrauch dienender Forstweg" gewesen, "der ohne Widmung faktisch die Funktion einer Verbindungsstraße im kleinen Grenzverkehr bekommen hat".

Sperren könne die Stadt nicht. Das Land als Eigentümer habe ja kein Interesse, den Weg zu sperren, und "das hat die Stadt hinzunehmen".

Zum Thema:

Auf einen BlickVerkehrsberuhigung in der Lauterbacher Kreuzwaldstraße stellt sich die Völklinger Stadtverwaltung so vor: Vorhandene Inseln zwischen der Hirschbrunnenstraße und der Straße Am Weinbrunnen sollen mit bestehenden Bäumen vergrößert werden. Den Inseln gegenüber sollen Verkantungen angeordnet werden, um die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs zu drosseln. In einem zweiten Bauabschnitt soll die verlängerte Kreuzwaldstraße direkt hinter der Einmündung Am Weinbrunnen verschwenkt werden. Kosten dafür: rund 230 000 Euro. Ein dritter Bauabschnitt, weitere 120 000 Euro teuer, ist 2016 oder 2017 zwischen Hirschbrunnenstraße und Hauptstraße vorgesehen. bo

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