Warmmachen am Nachmittag

Mit zahlreichen Böllern, aber auch viel Leuchtfeuer aus Rakten begrüssten die Völklinger das neue Jahr. Dabei feierten viele bereits am Nachmittag in ihrer Lieblingskneipe, bevor es zu den Familien und dem Silvestermenu ging.

Lautstark verkünden die Glocken der Völklinger Kirchen den Anbruch des neuen Jahres. Ihr Klang vermischt sich mit dem unheimlich grellen Klang des Silvesterfeuerwerks. Es kracht, es pfeift, es heult. Es blitzt und funkelt in vielen Farben am Nachthimmel. Der natürliche Nebeldunst vermischt sich mit dem Pulverqualm. Die Völklinger sind jetzt längst auf den Straßen. Umarmen sich, stoßen an, wünschen sich ein frohes neues Jahr. Eines wird in diesen ersten Minuten des neuen Jahres klar: Die Feuerwerksanbieter überbieten sich, und so werden vor allem die einfach vom Boden aus abzufeuernden Batterien immer schriller und wilder.

Ein Blick zurück ins alte Jahr: Schon am frühen Silvestermittag suchen viele Völklinger noch einmal die Nähe zum größeren Bekanntenkreis. In Lokalen wie dem Geislauterner Schlossbrunnen oder im Rottmanns Eck in der Hofstattstraße sind zum Beispiel die vielen übers Jahr verstorbenen Promis ein Thema, wie Star-Wars-Prinzessin Leia, also deren Darstellerin Carrie Fischer, und Last-Christmas-Sänger George Micheal.

Solche Treffen in den Lokalen, die bereits zur Nachmittagskaffeezeit enden, haben sich in den vergangenen Jahren etabliert. Die Gastwirte können so ihren Jahreswechsel nach eigenem Gusto gestalten, die Gäste sind beizeiten zurück in den Familien , um dort traditionell zu feiern. So halten es auch Helga Fehrenz und Dieter Baldauf als Gastgeber der Hüttenschänke. Freunde der Wirtsleute haben es ermöglicht, dass es zum Jahresausklang noch einmal Live-Musik im Traditionslokal gibt: Rock und Country gibt die Unplugged-Band MEP dort zum besten, punktet mit stimmungsvollen Titeln, unter anderem von Johnny Cash und Udo Lindenbergs "Ich mach mein Ding."

Eine Stunde Feuerwerk

Weit vor der Dunkelheit löst sich die Gesellschaft gut gelaunt auf. Mancherorts geht es später erst richtig los. Etwa in Ulli Urbans Donnerquelle. Sie wird mit ihren Gästen weit in den Neujahrstag feiern. Die Musik dazu kommt vom CD-Spieler - etwa der beliebte Mitsing-Titel von der Einen, "Die immer lacht."

Beliebt sind auch Silvesterbälle, zu denen man sich anmelden musste. Wie im Parkhotel Albrecht, wo der smarte Bouser Sänger Giovanni Burgio mit seinen DaVincis spielt oder im Alten Bahnhof. Egal wo sie feiern: Gegen Mitternacht zieht es die Völklinger dann auf die zuvor fast ausgestorben wirkenden Straßen. Die sind jetzt für gut eine halbe Stunde quicklebendig. Das Feuerwerk wird sogar knapp eine Stunde in Gang gehalten.

Was da alles verballert wurde, offenbart das erste Tageslicht des neuen Jahres. Dann ist nur noch all der Böllerdreck übrig, den fleißige Stadtmitarbeiter in den kommenden Tagen beseitigen müssen.

Einstimmung am Nachmittag in der Hüttenschänke. Fotos: lang.

Wer unterwegs ist, ist gut dran, wenn einer der Begleiter zu Gunsten seiner Fahrtüchtigkeit auf Alkohol verzichtet. Denn wer auf die Heimfahrt in einem Taxi oder Mitewagen hofft, muss viel Geduld aufbieten. Noch Stunden nach dem Jahreswechsel sind die Zentralen über die üblichen Nummern kaum zu erreichen. Und selbst wer anscheinend Glück hat, und die Disponentinnen ans Telefon bekommt, ist noch lange nicht am Ziel. Wartezeiten von mindestens zwei Stunden auf Wagen samt Chauffeuer sind zu diesem Zeitpunkt üblich.

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