Waldbegehung schafft Durchblick

Der Wald wird sehr gern gemocht, aber oft nicht richtig verstanden. Die Leute können nicht überblicken, wem was gehört und wer was darf. Das führt zu Missverständnissen und Kummer. Dies war nun die Idee der CDU Fürstenhausen: Die Försterin soll uns bei einer Begehung mal aufklären.

Wem im Völklinger Stadtwald etwas nicht passt, der kann eine Beschwerde an den Oberbürgermeister schreiben. Nicht wenige Leute machen das - und setzen die Sachbearbeitungsmaschine in Gang. Früher oder später landet das Anliegen auf dem Tisch der Försterin. Es ginge auch einfach: Man schreibt oder spricht Verena Lamy direkt an, denn das meiste erweist sich als rasch zu klären. Und die Chefin des Waldes hätte mehr Zeit für ihre Kernaufgaben, etwa die Durchforstung, also die Entnahme von Bäumen, damit sich der Wald auf natürliche Weise verjüngen und werthaltiger entwickeln kann. Ein Viertel des Völklinger Waldes ist nach geltender Einschätzung in den letzten Jahrzehnten nicht genug durchforstet worden, diese Rückstände sind aufzuholen.

Bei einem öffentlichen Waldrundgang, den die Fürstenhausener CDU-Vorsitzende Gisela Rink am letzten Mittwoch arrangiert hatte und an dem ein gutes Dutzend Menschen teilnahm, widersprach Verena Lamy der Einschätzung, dass zuletzt viele schöne dicke Bäume um des Geldverdienens willen gefällt worden seien. Das Gegenteil sei richtig, alles in allem gesehen hole man eher kleine Bäume raus, um die großen noch dicker werden zu lassen. Auf den schnellen Euro werde verzichtet. Nicht korrekt ist nach Worten von Verena Lamy auch der Eindruck, auf den vom Borkenkäfer befallenen Fichtenbeständen geschehe nach der Fällung der Bäume "nichts". Erstens wüchsen sehr wohl diverse Baumarten nach (der Laie erkenne sie bloß nicht), zweitens beobachte man die Entwicklung genau und behalte sich vor, mögliche Lücken durch Aufforstung zu füllen. Günstiger für den Steuerzahler und naturnäher gehe es nicht.

Rumpelige Waldwege

Thema Nummer eins war der Zustand der (jetzt nach dem Winter oft verschlammten) Wege und die Suche nach möglichen Schädigern. Wanderer zeigten auf Reiter, Reiter zeigten auf - unbefugte - Fahrzeuge, und alle zeigten auf die Forstwirtschaft und deren angebliche Versäumnisse bei der Aufklärung von Vergehen.

Klare Aussagen der Försterin: Waldwege sind vor allem für die Bewirtschaftung angelegt, die Forstbehörde ist nicht für den "schönen" Zustand von Wanderwegen verantwortlich, die im Übrigen meist von Vereinen ausgewiesen wurden, oft ohne Rücksprache mit den Waldbesitzern. Auf den meisten Nebenwegen, Pfaden und Rückegassen haben Reiter und Biker nichts verloren.

In Einklang zu bringen sind überall Besitz-, Pacht- und Wegerechte, nicht nur der diversen Waldbesitzer (Staat, Kommune, Private), sondern auch von Jägern, Anliegern (Land- und Pferdewirte) und Betreibern von Leitungen, die durch den Forst führen. Folge: Wenn Dinge nicht geschehen, wenn also beispielsweise rund um eine Hütte nicht aufgeräumt wird, dann steht möglicherweise ein einzelnes Interesse aus gutem Grund im Weg. Kritischer Eindruck eines Teilnehmers der Begehung: Wenn Dinge nicht geschehen, dann kann sich jeder damit herausreden, ein anderer sei verantwortlich.

Ganz ohne Schreibkram

Immerhin konnte vor Ort, bei insgesamt entspannter Stimmung, die Lösung von ein bis zwei lokalen Konflikten anberaumt werden, ganz ohne Schreibkram. Und am Ende der gut zwei Stunden hatten die Teilnehmer nicht nur etwas für die Gesundheit getan, sondern auch etliches gelernt. Unter anderem auch, dass Gartenabfälle nicht in den Wald geworfen oder Gartenpflanzen in den Wald umgesiedelt werden dürfen. Dass Sperrungen bei Baumfällarbeiten auch nach Feierabend der Waldarbeiter einzuhalten sind. Und dass im Wald grundsätzlich kein Leinenzwang für Hunde besteht, anders also als in Ortschaften.

Während der Brut- und Setzzeit vom 1. März bis 30. Juni dürfen nach Paragraf 33 des Jagdgesetzes aber nur noch solche Hunde ohne Leine geführt werden, die zuverlässig im Bereich der Wege bleiben. "Zuverlässig" bedeutet, der Hund muss kontrollierbar sein, und der Hundebesitzer muss diese Kontrolle auch ausüben.