Wachsamer Nachbar ersetzt Hund

Völklingen. Zufällig war Karl Heinz Remark (66) gerade zu Besuch, als das Telefon bei einer Bekannten auf dem Völklinger Heidstock klingelte. 6000 Euro wollte sich da ein bis dato unbekannter Enkel bei der Frau ausleihen, weil er gerade in Verlegenheit geraten sei. Und einige Zeit später kam dann der nächste Anruf mit der Frage, ob sie denn schon auf der Bank gewesen sei

Völklingen. Zufällig war Karl Heinz Remark (66) gerade zu Besuch, als das Telefon bei einer Bekannten auf dem Völklinger Heidstock klingelte. 6000 Euro wollte sich da ein bis dato unbekannter Enkel bei der Frau ausleihen, weil er gerade in Verlegenheit geraten sei. Und einige Zeit später kam dann der nächste Anruf mit der Frage, ob sie denn schon auf der Bank gewesen sei. Wenn dann der Bote, der für den Enkel die Summe abholen wollte, wirklich gekommen wäre, hätte dann auf ihn allerdings anstatt des Geldes die Polizei gewartet. Denn Remark ist Senioren-Sicherheitsberater, einer von mittlerweile zwölf Ehrenamtlichen in Völklingen. Für Remark verbindet sich das ideal mit seinem Amt als Ortsvorsitzender des VdK und seinem Engagement im Stadtrat. Ein landesweites NetzwerkEr und seine Kolleginnen stützen sich auf ein Netzwerk, zu dem die beiden Völklinger Polizei-Kontaktbeamten Joachim Fery (52) und Stefan Martin (54), das Diakonische Werk und vor allem auch das Landesinstitut für präventives Handeln gehören. Kriminalhauptkommissar Hermann Lehberger (56) ist dort speziell für Seniorensicherheit zuständig und hat gestern seinen Kollegen Rudi Theobald zum gemeinsamen Gespräch in der SZ-Redaktion in Völklingen mitgebracht.Warum man sich speziell der Sicherheit von Senioren annimmt? So sehen es die Experten in der Redaktion: Senioren sind, weil in ihnen noch traditionelle Werte wie Hilfsbereitschaft und Vertrauen tief verwurzelt sind, ein bevorzugtes Ziel von Betrügern - siehe eingangs den Enkeltrick. Sie werden auch kaum einer schwangeren Frau an der Tür ein Glas Wasser verweigern. Während dann die Komplizin unbemerkt in die Wohnung schlüpft. Und Handtaschenräuber glauben, bei älteren Frauen leichtes Spiel zu haben. Doch Lehberger warnt umgekehrt auch vor Panikmache. Laut Polizeistatistik werden nämlich ältere Leute insgesamt wesentlich seltener Opfer von Straftaten als Jüngere - was sowohl mit ihrem ruhigeren Lebensstil als auch mit ihrer größeren Lebenserfahrung zusammenhängt.Gesundes Misstrauen ist ein wichtiges Mittel gegen Trickbetrüger und -einbrecher. Einfache technische Vorkehrungen wie eine Kette oder ein Sperrriegel an der Tür sorgen dafür, dass man in Ruhe nachsehen kann, bevor aufdringliche Menschen bereits ihren Fuß in der Tür haben. Zeitschaltuhren ermöglichen, dass man seine Wohnung auch bei Abwesenheit wirklichkeitsnah beleuchten kann. Türschlösser sollten sowieso so angebracht sein, dass sie kein Profi im Handumdrehen knacken kann. Und es gibt eine echte Alternative zum Hund: "Vorsicht, wachsamer Nachbar" warnt ein mit Schrauben anbringbares Schild, das die Polizeibeamten mitgebracht haben.Beratung auch im HausSeniorensicherheitsberater sind sozusagen das Bindeglied zwischen älterer Generation und Polizei. Sie halten Vorträge bei Vereinen und sonstigen Einrichtungen, zeigen Filme, beraten auch im eigenen Haus, wobei sie gegebenenfalls an Spezialisten weitervermitteln.

Auf einen BlickDie ehrenamtlichen Sicherheitsberater sind ans Diakonische Werk in Völklingen angebunden. Dort finden auch monatliche Treffen zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung statt. Kontakt vermittelt Giusy Grillo, unter Telefon (06898) 914 760. Man findet auch nützliche Seiten im Internet wie www.polizei-beratung.de, www.lph.saarland.de und www.pfiffige-senioren.de. er

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort