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Wo kritische Stellen lauuern
Vorsicht, Falle: Völklingens Verkehrs-Tücken

Die „Hammer“-Ecke: Blick aus der Hofstattstraße auf die neue Radweg-Führung in Richtung Karl-Janssen-Straße. Zuerst geht’s auf den Gehweg und dann mit einem Knick an der Pflanzinsel vorbei wieder zurück auf die Straße.
Die „Hammer“-Ecke: Blick aus der Hofstattstraße auf die neue Radweg-Führung in Richtung Karl-Janssen-Straße. Zuerst geht’s auf den Gehweg und dann mit einem Knick an der Pflanzinsel vorbei wieder zurück auf die Straße. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Fragwürdige Regelungen und ihre möglichen Folgen: Mit dem erfahrenen Fahrlehrer Peter Grün auf Rundkurs durch die Stadt.

Soll das wirklich ein Radweg sein? Noch immer tobt die Diskussion um die neue Radfahr-Markierung an der Ecke Hofstattstraße/Karl-Janssen-Straße beim ehemaligen Kino. „Uns fragt niemand. Wir müssen alles ausbaden, was die sich ausgedacht haben, und sollen das dann den Schülern erklären“, klagt da ein Fahrlehrer auf der SZ-Seite bei Facebook. Die Hüttenstadt gilt mit als das schwierigste Pflaster für Fahrprüfungen im Saarland. Wir haben nun beim Landesverband der Fahrlehrer nachgefragt.


Dieser hat seinen Sitz in der Bismarckstraße 20 in Völklingen. Wir treffen dort den Landesvorsitzenden Detlef Mühlast und Peter Grün, seit 1974 als Fahrlehrer unterwegs. Mühlast hat Grün als bestens Ortskundigen hinzu gebeten. „Der junge Kollege hat Recht. Diese Radfahrer-Markierung ist wirklich der Hammer“, sagen beide zum jüngsten Einfall der Verkehrsbehörde im Rathaus. Doch wir wollen wissen, ob es da noch mehr „auszubaden“ gibt. Und starten mit Grün in einem neutralen Fahrzeug zu einer einstündigen Rundfahrt. Bei dieser streifen wir rund zwei Dutzend Stellen, die, zurückhaltend ausgedrückt, bei Fahrlehrern als verbesserungswürdig gelten. Hier Schlaglichter von der Fahrt, jeweils versehen mit Grüns auch für die Mitfahrenden nachvollziehbarem Kommentar.

Einbahnstraßen in der Innenstadt verwandeln sich in Straßen mit Gegenverkehr, ohne dass dies rechtzeitig und deutlich angezeigt wird. Solche Situationen finden wir in der Püttlinger Straße, der Haydnstraße und der Lortzingstraße. „Da wird nicht darauf hingewiesen, dass nach der Kreuzung wieder mit Gegenverkehr zu rechnen ist“, kritisiert Grün.



„Ein ganz schlimmer Fehler“ kann laut Grün auf der Hohenzollernstraße in Höhe Stadtwerke passieren. Wenn man aus Richtung Kreisverkehr am Amtsgericht kommt, darf man seit einigen Jahren auf der rechten Spur nur noch nach rechts in die Stadionstraße einbiegen. Doch immer wieder sehe man Leute, die das zu spät bemerken. „Die fahren dann über die Sperrfläche weiter oder reißen ihr Auto schnell in die gerade Spur“, berichtet Grün. Da fehle auf jeden Fall ein Vor-Wegweiser.

Weiter geht es über die beiden (ebenfalls nicht gerade einfachen) Kreisverkehre auf der Karolinger Straße links ab in den Saarwiesenweg. Dort liegt auch der TÜV, wo die Prüflinge nach erfolgreicher Fahrt ihren Führerschein erhalten. Doch zuvor wartet noch die letzte Falle. „Rundweg chaotisch“ präsentieren sich für den Betrachter  die Parkverhältnisse vis à vis Mc Donald’s an der Einfahrt im Saarwiesenweg.

Weiter zum Kreisverkehr am Globus-Baumarkt: Von dort aus führt ein mit Tempolimit 60 versehener Einfädelungsstreifen („einfach zu langsam“) auf die Autobahn. In Fürstenhausen hat man es offenbar nicht so mit Einbahnstraßenschildern. An der Viktoriastraße steht zwar eins – aber auf der linken („falschen“) Seite. Auf der Straße Am Holzplatz endet ein Randstreifen, dessen Funktion nicht bezeichnet ist, „irgendwo im Niemandsland“. Und wer von der Autobahn aus die Abfahrt Völklingen-City nimmt, sollte das Schild „Achtung, Fußgänger“ sehr ernst nehmen. Sonst wird nämlich nirgendwo deutlich, dass diese (wie auch Radfahrer) in Höhe der  Auffahrt auf die Karolinger Brücke Vorrang haben.

Zurück zum Ausgangspunkt, besagtem „Hammer“ Höhe Kino an der Hofstattstraße: Dort weist nun zumindest ein Schild mit gelbem Blinklicht Autofahrer in der Karl-Janssen-Straße darauf hin, dass die „Verkehrsführung geändert“ ist.

In Völklingen ist ein neuer Verkehrsentwicklungsplan in Arbeit. Bisher sind da die Fahrlehrer nicht gefragt worden, sagen Mühlast und Grün. Wobei sich Grün an Zeiten besserer Kommunikation mit dem  Rathaus erinnert: „Wir haben schon mal gemeinsam 13 Stoppschilder auf einmal abgeschafft.“ Wobei anzumerken ist, dass oft auch eine Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Straßenbau nötig ist. Fahrlehrer sind dazu angehalten, Verkehrsregelungen zu vermitteln und nicht dazu, anzuleiten, sich über sie hinwegzusetzen. „Privat“ zeigt sich Grün aber gegenüber dem jetzigen Entwurf „sehr skeptisch“.

Fahrlehrer Peter Grün schult bereits seit Jahrzehnten Anfänger und kennt die Schwachstellen in Völklingen.
Fahrlehrer Peter Grün schult bereits seit Jahrzehnten Anfänger und kennt die Schwachstellen in Völklingen. FOTO: BeckerBredel
Fußgänger kreuzen hier die Autobahn-Abfahrt.
Fußgänger kreuzen hier die Autobahn-Abfahrt. FOTO: BeckerBredel
Fahrlehrerverbands-Vorsitzender Detlef Mühlast.
Fahrlehrerverbands-Vorsitzender Detlef Mühlast. FOTO: BeckerBredel