Vor dem nächsten Streich-Konzert?

Völklingen. Das Völklinger Kultur- und Veranstaltungsprogramm hat schon bei der Haushaltsberatung im Februar ein Streichkonzert erlebt. Wegen der Schuldenbremse entfielen der Zuschuss zum Hüttenjazz und zum Kneipenfestival, die Dienstagskonzerte auf dem Kolpingplatz und das Engagement der Stadt beim Autokino. Und eine weitere Beteiligung an den Musikfestspielen Saar ist zumindest fraglich

Völklingen. Das Völklinger Kultur- und Veranstaltungsprogramm hat schon bei der Haushaltsberatung im Februar ein Streichkonzert erlebt. Wegen der Schuldenbremse entfielen der Zuschuss zum Hüttenjazz und zum Kneipenfestival, die Dienstagskonzerte auf dem Kolpingplatz und das Engagement der Stadt beim Autokino. Und eine weitere Beteiligung an den Musikfestspielen Saar ist zumindest fraglich.Die Stadtverwaltung hat nun dem Stadtratsausschuss für Wirtschaft, Kultur und Sport ihren Tätigkeits- und Finanzbericht fürs erste Halbjahr vorgelegt. Dabei sind Objekte für eine weitere Sparrunde ins Visier gekommen (wir berichteten bereits kurz). Es geht unter anderem um den Mietvertrag für die Erzhalle. Die Stadt zahlt da über 100 000 Euro jährlich ans Weltkulturerbe, ohne derzeit das Objekt zu nutzen. Auch beim Gemeindehaus Fürstenhausen (jährliche Betriebskosten für die Stadt 50 000 Euro) und beim Alten Bahnhof (rund 30 000 Euro Belastung pro Jahr) erkundigten sich Stadtratsmitglieder bereits nach der Laufzeit der entsprechenden Verträge. Und es wurde auch gefragt, warum die Stadt neben der Gratis-Bereitstellung der Räume im Alten Bahnhof noch 10 000 Euro Zuschuss an den Theaterverein Titania zahlt.

Dies ist allerdings relativ wenig im Vergleich zu den 75 000 Euro, die die Malschule Kassiopeia jährlich erhält. Laut Bericht der Stadtverwaltung werden deren "Phantastische Begegnungen" von mehr als 1000 Kindern besucht. Ähnlich heißt es allerdings auch bei Titania: "Pro Jahr werden mehr als 50 Theaterveranstaltungen mit bis zu 1000 Besuchern durchgeführt." Fürs Heimat- und Glasmuseum in Ludweiler wird keine Besucherzahl aufgeführt. Die Stadt zahlt jedenfalls rund 40 000 Euro im Jahr an Betriebskosten und weitere 10 000 Euro Zuschuss für den laufenden Betrieb. Und da gibt's viele kleinere Dinge, die auch kosten: die Gitarrenreihe "Carbon & Stahl" (rund 4000 Euro), städtische Sonntagskonzerte (knapp 1300 Euro) oder das grenzüberschreitende Orgelfestival (5000 Euro). Insgesamt 10 000 Euro gibt es für Dorffeste, und beim Völklinger Oktoberfest in Ludweiler bläst die Stadt mit 6000 Euro mit.

Am besten kann man Stadtverordnete offenbar mit Besucherzahlen überzeugen. Ausgaben wie die fürs Saarfest (laut Plan 90 000 Euro), City-Open-Airs (28 000 Euro), Mondscheinmarkt (15 000 Euro), Weihnachtsmarkt ( rund 40 000 Euro) gingen glatt im Ausschuss durch. Und auch am Stimmungsfaktor Weihnachtsbeleuchtung (75 000 Euro) will offenbar niemand rütteln.

Bleibt abzuwarten, welche Positionen bei der nächste Haushaltsberatung ernsthaft auf den Prüfstand kommen. "Eine Reihe ist schnell eingestellt, aber sehr schwer wieder aufzubauen", warnte Bürgermeister Wolfgang Bintz in der Ausschusssitzung.

Von der Sportförderung bekamen die Stadtratsmitglieder derweil nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen. Der Bericht des Fachdienstes "Kultur, Sport, Archiv" erwähnt zum Beispiel 80 000 Euro, die für die Nutzung der Warndthalle in Ludweiler durch Völklinger Vereine jährlich an den Regionalverband Saarbrücken gehen. 25 000 Euro stehen im Etat des Fachdienstes als Energiekostenzuschuss für Sportvereine mit eigenen Anlagen zur Verfügung. Insgesamt 2608 Euro Honorar bekommen die neun Platzwarte, die sich um die Unterhaltung städtischer Fußballplätze kümmmern. Um die richtig dicken Brocken mit Investitionen in Millionenhöhe kümmert sich derweil der städtische Grundstücks- und Gebäudemangement-Betrieb (GGM), für den ein anderer Stadtrats-Ausschuss zuständig ist. Allein die Energiekosten, die die Stadt für die Fußballvereine übernimmt, sollen jährlich um die 100 000 Euro betragen.

Stichwort

Die Schuldenbremse verlangt von der Stadt Völklingen, bis 2021 ein strukturelles Defizit von zehn Millionen Euro abzubauen. Dabei wird der aktuelle Schuldenstand laut Prognose zu Jahresende auf an die 100 Millionen Euro steigen. Die Stadt ist gehalten, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen, aber die Kultur- und auch die Sportförderung zählen zu den freiwilligen Ausgaben. er