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Kolumne
Von Städten, Schuhen und Königen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Hoher Besuch im Völklinger Weltkulturerbe, ein paar Stunden Glanz und Glamour – Anlass zu verstreuten Gedanken über Fußbekleidungen und städtisches Selbstbewusstsein. Von Doris Döpke

Könige waren dieser Tage zu Gast. Willem-Alexander, das Staatsoberhaupt der Niederlande, und seine Gattin Máxima haben das Saarland bereist. Und sie haben dabei nicht nur Universität und fürstlichen Barock zu sehen bekommen, sondern auch etwas durch und durch Unfürstliches, ein Monument der Arbeit: das Weltkulturerbe Völklinger Hütte.


Na also, geht doch, sagen nun etliche Völklinger: Unsere Stadt mag ja keine Postkartenschönheit sein und kein Ort und Hort hochgelehrter Diskurse, aber hier und nirgendwo anders steht die bedeutendste Touristen-Attraktion des Ländchens. Hier und nirgendwo anders arbeitet Saarstahl, der größte, wichtigste, innovativ­ste Produktionsbetrieb der Region. Wenn es um Bedeutung im Saarland geht, spielt die Hüttenstadt  vorne mit, zeigt der Königs-Besuch. Und so ist er Balsam fürs oft und oft angekratzte Völklinger Selbstbewusstsein.

Zumal er auch noch etwas mitbrachte, das der Stadt sonst ab­geht: Glamour. Die modebewusste, stets elegant gewandete Königin Máxima erschien ganz in Rot, vom glockig schwingenden  Hut über das raffinierte Spitzenkleid bis zu den Schuhen.



Letztere bescherten mir einen Extra-Lacher am Rande. Was sah ich am Freitag beim Blick auf die eigenen Füße? Rot. In Gestalt bequemer Sneaker freilich. Während Máxima edle High Heels mit waffenscheinpflichtigen Absätzen trug – und damit souverän sogar das unebene Terrain am Weltkulturerbe  bewältigte. Lässig lächelnd.  Chapeau!

Ob er bleiben wird, der königliche Glanz, in dem die Stadt ein paar Stunden strahlte? Eigentlich egal, ein wenig Sonne reicht schon. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: Königlich entspannt und heiter, das dürfen Völklinger beim Blick auf ihr grandioses Denkmal und auch auf ihre Stadt ruhig sein.