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Kolumne
Sind so viele Hände . . .

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Rote Knöpfe ziehen magisch an, sind Zeichen des Machens oder auch der Macht – selbst wenn sie gar nichts bewirken. Von Doris Döpke

Hand anlegen, wo etwas startet – das ist ein beliebter Job, auf allen politischen Ebenen, vom kleinen kommunalen Schauplatz bis zur großen internationalen Bühne. Wer bei solchen Ereignissen den Spaten schwingen, die Baggerschaufel führen oder schlicht auf den Knopf drücken darf, ist wichtig, irgendwie. Dem Selbstvertrauen tut’s allemal gut, wenn man da den eigenen Kopf und die eigene Hand ins Bild rücken kann.


So sammelte sich denn Völklinger Lokalprominenz auf dem Adolph-Kolping-Platz, als es am Donnerstag drum ging, die Weihnachtsbeleuchtung einzuschalten. Oberbürgermeisterin, Bürgermeister, Menschen aus Rathaus, Stadtrat, Ortsrat, Unternehmen – alle wichtig, keine Frage. Der wichtigste Mann aber hielt sich bescheiden im Hintergrund, fern vom feierlich aufgebauten roten Knopf. Herr Biegel von den Stadtwerken wusste nicht nur – wie alle anderen auch –, dass der rote Knopf weder Kabel- noch Senderverbindung zum weihnachtlichen Licht besitzt. Herr Biegel hatte auch per Handy den direkten Draht zur  Netzleitwarte. Dort saß sein Kollege am echten Einschaltknopf. Den er im passenden Moment drückte, genau auf Herrn Biegels Signal.

Allgemeines „Oh“ und „Ah!“, flugs drängten sich um den Rotknopf viele, viele Köpfe, in parteiübergreifender Einigkeit. Und für die vielen, vielen Hände, die symbolisch mitdrückten, war der Knopf ein gutes Stück zu klein.



Im Kraftwerk Fenne war’s kürzlich ähnlich: Prominente drückten zum Start einer brandneuen Anlage fotogen einen roten Knopf, irgendwo im Hintergrund sorgte jemand für den Echt-Start. Merke: Die Biegels sind es, die diese Welt in Schwung bringen. Auch wenn Knopfdrücker ganz vorne stehen.