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Von Jacques' Bistro in den Massagesessel

Von Jacques' Bistro in den Massagesessel

Detlev Schönauer, heute Kabarettist, zählt sich zu den Physikern, "die mit Dummschwätze ihr Geld verdienen". 270 Zuschauer amüsierten sich in Jacques' Bistro im Völklinger SHG-Kongresszentrum.

Völklingen. Ein Bistrotisch, ein E-Piano und ein Mann mit Baskenmütze. So leibt und lebt Detlev Schönauer als Jacques aus Fronkreich. Im eleganten Völklinger SHG-Kongresszentrum hat er sein mobiles Bühnen-Bistro aufgeschlagen.Mit Olala-bon-soir-mesdames-messieurs kommt der Kabarettist durch die Seitentür gestürmt. Nonstop steckt er im Programm und sorgt für gute Stimmung. "Geist ist geil" ist die Devise. In seinem neuem Programm greift Schönauer munter in die eigene Lebenskiste. Erzählt, dass er brav Abi gemacht und studiert hat und meint, er sei ja schließlich nicht der einzige diplomierte Physiker, der mit Dummschwätze sein Geld verdiene. Das Schicksal - es hieß Gudrun - habe ihn ins Saarland verschlagen. Vor 30 Jahren wäre er zum Kabarett gekommen und Tschernobyl und Cattenom hätten ihn dann vor 25 Jahren den radioaktiven Jacques erfinden lassen. Anfangs Animateur, hätte dieser Jacques bald auf Wirt umgeschult. Jedenfalls lebe er seitdem mit dieser abgespaltenen Persönlichkeit zusammen und feiere in diesem Jahr seine silberne Bühnen-Psychose. Die Bühnenfigur parliert Deutsch mit französischem Akzent. Aber sie ist nur Rahmen. Schönauer ist Sprachvirtuose. In Windeseile kitzelt er diverse Dialekte hervor. Saarländisch, Hochwälder Platt, Bayrisch und Sächsisch.

Nichts ist vor ihm sicher, weder das Weltkulturerbe - Schrott mit bunten Lämpchen dran und schon zahlen die Leute Eintritt - noch die hiesigen Kultlebensmittel. Per Dreisatz errechnet er die Salmonellen im Lioner. Pro Person.

Überhaupt die Mathematik. Dass da so viel Kabarett-Potenzial drin steckt. Wer hätte das gedacht. Also: Wie viele Nürburgringe braucht man, bis Rheinland-Pfalz pleite ist? Oder: "Wie viel Spiele würden die Schalker mit null Spielern gewinnen?" Naturellement macht Monsieur Jacques das im jeweiligen lokalen Sprechstil. 270 Zuschauer sind da. Ständig gibt es Szenenapplaus. Auch das Kongresszentrum der SHG-Kliniken als Spielstätte kommt sehr gut an. In der weiträumigen schwungvollen Architektur fühlen sich die Besucher sichtlich wohl. Das Foyer ist einladend gestaltet, und in der Pause kann man im Flur darüber sogar auf einem schicken Massagesessel Platz nehmen und für zwei Euro entspannen. hof

Am Freitag, 23. November, 20 Uhr, gibt Aziza Mustafa-Zadeh im SHG-Kongresszentrum ein Konzert. Die Sängerin, Pianistin und Komponistin aus Aserbaidschan bietet Scatgesang, Opernarien, Jazz und Klassik. Karten zu 23 Euro gibt es im Vorverkauf unter Tel. (06898) 12 24 21.

Foto: Veranstalter