Volles Haus beim Hüttenjazz in Völklingen

Hüttenjazz : Volles Haus beim Hüttenjazz in Völklingen

Die Veranstaltung lockt auch bei ihrer 20. Auflage zahlreiche Besucher ins Weltkulturerbe.

„Full house, besser geht‘s nicht“, freute sich Hendrik Kersten, Projektleiter im Team des Weltkulturerbes, bei seinen Begrüßungsworten: Tatsächlich war der Zimmerplatz der ehemaligen Völklinger Hütte am vergangenen Freitag dermaßen mit musikhungrigen Frühabendbesuchern gefüllt, dass selbst die fleißigen Damen vom Getränkeausschank des Bistro B40 kaum noch mit dem Bedienen nachkamen.  Auch in seiner 20. Jubiläumsausgabe zieht der eintrittsfreie „Völklinger Hüttenjazz“ jede Menge Publikum, zumal bei angenehm sonnigem Wetter und ganz besonders, wenn im Rahmen dieses „Best of“-Jahrgangs wieder ein Spitzenkönner vom Format eines Thilo Wagner zu Gast ist.  Häufig schon wurde der Wahl-Stuttgarter als „schwäbischer Oscar Peterson“ gerühmt – ein verdienter Titel, wie der Pianist hier mit jedem Ton unterstrich.

Wagner ist ein eingefleischter Traditionalist, so standen mit seinem Thilo Wagner Trio hinlänglich bekannte Blue-note-Klassiker wie „Secret love“, „Skylark“ oder „But not for me“ auf dem Programm.  Aber das Entscheidende war das Wie, nämlich wie Wagner sie interpretierte: So entspannt und charmant wie seine Ansagen zwischen den Titeln, so swingte es auch unter seinen klassisch geschulten Händen aus dem Klavier. Einem platzsparenden und transportablen E-Piano freilich, so dass man nur davon träumen konnte, wie es erst bei einem veritablen Konzertflügel hätte klingen können. Doch auch so bestachen die ultrazart perlenden Spitzen, die sanften Triller und die fein artikulierten Läufe.

Schlicht vorbildlich war Wagners Dramaturgie der Soli: Wie er sparsam startete und es schließlich schaffte, immer wieder noch ein Brikett draufzulegen – ohne je auch nur einen Bruchteil jener balletthaften Eleganz einzubüßen, die seinen Stil auszeichnet. Der Mittfünfziger, Jahrgang 1965, hatte schlichtweg auf dem Klavier Spannendes zu erzählen, und er wurde kompetent begleitet: so vom Kontrabassisten Jean-Philippe Wadle aus Pirmasens, einem schnurgerade marschierenden Swinger, der gleichfalls mit sehr melodischen Alleingängen auftrumpfte. Und am Schlagzeug konnten die Zuhörer keinen Geringeren begrüßen als den wohlbekannten Saarbrücker Oliver Strauch, seines Zeichens Programmchef des Hüttenjazz. Als Gastgeber und Musiker war er diesmal quasi in doppelter Mission unterwegs.  Nun, Strauchs einmal mehr gleichermaßen druckvolles wie feinnerviges Drumming mit den trockenen, klangmächtigen Breaks gab der gesamten Vorstellung den nötigen Kick; auch bei einem Latin-Abstecher war der trommelnde Hüttenjazz-Gestalter voll in seinem Element.

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