| 20:16 Uhr

Vom Kindergarten bis zum muslimischen Gräberfeld
Völklinger Stadtrat übt sich in Harmonie

Kanalbau in Fürstenhausen vor ein paar Jahren – auch damals hatten die Arbeiten höchste Dringlichkeit.
Kanalbau in Fürstenhausen vor ein paar Jahren – auch damals hatten die Arbeiten höchste Dringlichkeit. FOTO: Angelika Fertsch
Völklingen. Gute Vorzeichen für die künftige rot-schwarze Verwaltungsspitze: Noch-Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) hat am Donnerstagabend sein Programm im Stadtrat mit einstimmigen Beschlüssen durchbekommen. Von Bernhard Geber

Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) kam am Donnerstagabend mit einem Paket von 17 Tagesordnungspunkten in den Stadtrat. Und in einem modischen dunkelblauen Jackett mit offen verarbeiteten Nähten. Ein Faden hing bereits lose herab. Hilfsbereite wollten ihn herausziehen. Aber Lorig verbat sich das. Denn: „Sonst stehe ich am Schluss noch ohne Jacke da!“


Lorigs Beschlussvorschläge erwiesen sich jedenfalls als haltbar. Und gingen im politisch bunt gemischten Stadtrat sogar einstimmig durch. Dies reichte von von der Einrichtung eines muslimischen Gräberfeldes auf dem Völklinger Waldfriedhof (rund 60 Grabstellen, aber mit Sargpflicht) bis hin zur Erweiterung des Montessori-Kinderhauses auf der Röchlinghöhe (bisher zwei, dann vier Gruppen, mehr als zwei Millionen Euro). In Sachen Einrichtung eines Kolumbariums in der evangelischen Auferstehungskirche (Beschluss vertagt) äußerte Fraktionschef Stefan Rabel für die CDU allerdings noch Informationsbedarf.

Die Baustoffhandlung Niederer ist ihrer Erweiterung am Stammsitz in Luisenthal ein gutes Stück näher. Der Stadtrat sagte geschlossen Ja zum Bebaungsplanentwurf. Und Aldi hat nun grundsätzlich grünes Licht für die Erweiterung seiner Filiale Am Betzen (Nähe Ford Bunk, statt bisher rund 950 dann knapp  1300 Quadratmeter). Wolfried Willeke, Werner Michaltzik (beide SPD) und Paul Ganster, derzeit nach eigenen Angaben fraktionsloser Linker, regten allerdings an, noch an der Verkehrsführung zu feilen. Die Zufahrt an der Karolinger Straße sei bereits derzeit kritisch,  und in Richtung Saar-Leinpfad solle eine Fuß- und Radweg-Verbindung geschaffen werden.

Rund zehn Millionen Euro haben sich auf dem Konto für Kanalbau und -sanierung angehäuft, und die will die Stadt endlich ausgeben. Tiefbau gilt als nicht sehr populär, aber der Rat bewilligte Lorig einstimmig die zwei vom ihm gewünschten zusätzlichen Ingenieursstellen.

Die Busse der Völklinger Verkehrsbetriebe (VVB) fahren bereits seit Anfang 2017 nach einem Spar-Plan. Der Rat gab nun Oberbürgermeister Lorig (und auch Nachfolgerin Christiane Blatt) Rückendeckung für das Vorhaben, zumindest diese Versorgung  aufrechtzuerhalten. Das Ausmaß ist nun offiziell im Nahverkehrsplan der Stadt festgehalten. Wolfried Willeke erläuterte die Bedeutung: „Hier werden Standards festgeschrieben, die ein möglicher Konkurrent der VVB beim Bieten berücksichtigen muss.“ „Ein gewisser Schutz vor den Privaten, die alle bereits in den Startlöchern stehen“, fügte Paul Ganster hinzu.



An diesem Abend wurden einige Wünsche Wirklichkeit. Und auch die Luisenthaler Feuerwehr bekam das Ihre. Sie kann sich auf ein neues Auto (325 000 Euro) freuen. Aber die Deutsche Telekom bekam an diesem Abend nicht das Gewollte. Der Rat wies auf Vorschlag Lorigs das Ansinnen zurück, die Telefonzellen an drei so genannten Pflicht-Standorten (Kühlweinstraße 2, Cloosstraße/Hindenburgplatz und vor der Schule Bergstraße) abzubauen.

  Übrigens: Auch das Jackett des Oberbürgermeisters hielt.