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Grubenwasser
Völklinger Stadtrat lehnt Gruben-Flutung ab

Welche Zukunft hat die Grube Luisenthal (hier einer der beiden Fördertürme)? Auch danach fragt das Völklinger Grubenwasser-Papier.
Welche Zukunft hat die Grube Luisenthal (hier einer der beiden Fördertürme)? Auch danach fragt das Völklinger Grubenwasser-Papier. FOTO: RAG Montan Immobilien
Völklingen. Im Ton gelassen, in der Sache energisch: In ihrer Stellungnahme zur von der RAG geplanten Gruben-Flutung fordert die Stadt Völklingen strengste Überwachung aller Bergbau-Folgen. Und sagt Nein zum Grubenwasser-Anstieg. Von Doris Döpke

Überraschung: Wo es im Vorfeld noch nach Streit ausgesehen hatte, herrschte am Donnerstagnachmittag absolute Einigkeit. Einstimmig verabschiedete der Völklinger Stadtrat eine Resolution zum Thema Grubenwasseranstieg. Und alle Redner, egal ob aus den Ratsfraktionen oder aus der Stadtverwaltung, bedankten sich bei den übrigen Akteuren für gute, konstruktive Zusammenarbeit. Fünf Seiten umfasst das nun beschlossene Papier, das jetzt – fristgerecht vor dem 15. Januar – ans Oberbergamt geht. Im Hauptausschuss des Rates war es vorbereitet worden, Änderungen gab es bis zuletzt, die Schlussfassung hatten die Stadtverordneten erst in der Sitzung auf dem Tisch.


Die RAG hat, wie berichtet, beantragt, in den Wasserprovinzen Reden und Duhamel die Pumpen so lange abzuschalten, bis das Grubenwasser auf einer Höhe von 320 Metern unter Meeresspiegel-Niveau – kurz -320 m NN  – angekommen ist. Fürs Völklinger Stadtgebiet hätte das keine direkten Auswirkungen, denn die unter der Stadt verlaufenden Grubenbaue  zum einstigen Bergwerk Luisenthal gehörig, würden trocken bleiben, sie würden erst bei deutlich höherem Wasserstand geflutet. Doch Stadtverwaltung und Rat setzen auf Vorsorge. Völklingen fordert ein gründliches, strenges Monitoring, also eine Überwachung, der gesamten Nach-Bergbau-Situation. Die Stadt besteht außerdem darauf, dass die Flutung – so sie denn genehmigt wird – jederzeit wieder gestoppt werden kann, falls bei der Überwachung  negativen Konsequenzen zutage treten. Heißt: Nach dem Willen der Stadt darf die RAG nirgends die Pumpen abbauen, sondern muss überall die Wasserhaltungs-Systeme in Funktionsbereitschaft halten.

Ganz konkret wollen Verwaltung und Räte geregelt wissen, wie es künftig um die Wasserhaltung in Luisenthal bestellt sein soll. Denn „dies hat direkten Einfluss auf die zukünftige Nutzung der Tagesanlage Luisenthal“. Zur Erinnerung: Die Grube Luisenthal zählt nach einem vom Land in Auftrag gegebenen Gutachten zu den vier „Premium-Standorten“ des Saar-Bergbaus, die neu belebt werden und zugleich weiter an den Bergbau erinnern sollen. Für Luisenthal gibt es dazu zwar ein Konzept, aber mit dessen Verwirklichung geht es nicht voran.



Der untertägige Hochdruckdamm, der die Luisenthaler Strecken und Strebe vom – bereits gefluteten – Bergwerk Warndt trennt, steht durch den Druckunterschied unter großer Last. Auch hier fordert Völklingen Überwachung. Und: „Es sind Maßnahmen zu formulieren für den Fall, dass der bestimmungsgemäße Betrieb dieses Bauwerks nicht mehr gewährleistet ist.“

Grubengas ist in Luisenthal ein großes Thema, die Steag fördert es dort. Dem Gutachten zufolge, das der Hydrogeologe Jürgen Wagner erstellt hat, kann Grubenwasseranstieg stärkere Ausgasungen zur Folge haben; Wagner hat daher einen „detaillierten Untersuchungs- und Überwachungsplan sowie einen schubladenfertigen Maßnahmen- und Alarmplan“ angeregt. Diese Empfehlung macht sich Völklingen als Forderung zu eigen.

Und schließlich verlangt die Stadt, dass die RAG für alle Kosten im Zusammenhang mit Grubenwasser aufkommt, vom Monitoring bis hin zur Regulierung von Schäden, wie sie etwa durch flutungsbedingte Hebungen der Oberfläche eintreten können. Wobei während der Flutungsphase ein lokales Schadensbüro „mit qualifizierter Besetzung“ her müsse. Denn Regulierungen mit Schadenssachbearbeitern im fernen Ruhrgebiet seien für die Betroffenen unzumutbar mühsam.

Den „Besorgnisgrundsatz“ des Landes, „nach dem eine Genehmigung erst dann erfolgen kann, wenn Gefahren für Menschen und Umwelt zuverlässig ausgeschlossen sein werden“, begrüßen Völklingens Rat und Verwaltung. Und zweifeln letztlich am „zuverlässigen“ Risiko-Ausschluss, wie zuvor auch schon ihre Kollegen in Neunkirchen, Saarbrücken und im Regionalverband, auf deren Argumentation sie sich stützen: „Auf der Grundlage des derzeitigen Sachstandes“ beantragt Völklingen, dem RAG-Vorhaben die  Genehmigung zu versagen.