Völklinger Sicherheitsbeirat fordet Sitzplatz für jedes Kind im Schulbus

Chaos im Schulbus : Beirat will Sitzplatz für jedes Kind im Bus

Völklingen: Vorsitzender fordert auch Gurtpflicht und hat an den Bundesverkehrsminister Scheuer geschrieben

12.45 Uhr an der Grundschule Röchlinghöhe: Eine große Schülertraube steht nach Unterrichtsende vor dem Bus, nacheinander steigen die Kinder ein, die Lehrer beobachten das. Doch 20 bis 30 Jungen und Mädchen der 3. und 4. Klassen finden in dem Gelenkbus, der sie in die Völklinger Innenstadt in die Bergstraße bringt, keinen Platz. Sie müssen stehen, die meisten dort, wo das bewegliche „Gelenk“ des Busses ist. Als der Fahrer während der Fahrt plötzlich bremsen muss, kommen einige Kinder ins Straucheln. Doch an diesem Tag geht es ohne Streit ab.

Das ist oft anders, weiß Werner Michaltzik, Vorsitzender des Völklinger Sicherheitsbeirats. Er sorgt sich um die Sicherheit der Kinder in den Bussen. Ihn stört, dass die Sitze keine Sicherheitsgurte haben und die Kinder, die stehen müssen, die Halteschlaufen nicht erreichen können, weil die sehr hoch hängen. Michaltzik: „Das ist widersinnig. Wir schützen die Erwachsenen im Bus besser als die Grundschüler.“ Damit meint er, dass in Reisebussen eine Anschnallpflicht gilt und niemand während der Fahrt stehen darf. Für Schülertransporte gebe es nur eine unverbindliche Empfehlung des Bundesverkehrsministeriums. Der Gesetzgeber erlaube es, Schüler auch in Linienbussen zu transportieren. Michaltzik will die Vorgaben für Reisebusse auch für den Schulbus durchsetzen und hat an den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und an die Familien- und Bildungsministerien in Berlin geschrieben. Briefe hat er auch an die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger, Bildungsminister Ulrich Commerçon und den Bundestagsabgeordneten Christian Petry (alle SPD) geschickt.

Michaltzik fordert, die Gurt- und Sitzplatzpflicht für die Schüler gesetzlich vorzuschreiben. Dann seien die Busbetriebe verpflichtet, entsprechend ausgestattete Busse einzusetzen. Das sei deutlich teurer, weiß auch Michaltzik. Aber die Sicherheit der Kinder hat für ihn Vorrang. In Völklingen fahren die Verkehrsbetriebe die Schüler – morgens sind es zwei Busse und mittags ein Gelenkbus, sagt Michaltzik. Thorsten Gundacker-Dollak, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe, erklärt, nur auf der Strecke zwischen diesen beiden Grundschulen gebe es Probleme. Er bestätigt, dass Kinder die Busfahrer schon beleidigt und bespuckt haben. Die Schülerbeförderung in Linienbussen sei gesetzlich so möglich. Würde das im Sinne des Sicherheitsbeirats geändert, würden die Kosten und damit die Preise steigen. Das ginge zu Lasten der Stadt Völklingen. „Wir müssten Fahrzeuge kaufen und Fahrer einstellen.“ Gundacker-Dollak gibt auch zu bedenken, dass die Fahrtzeit sich verlängern würde, wenn sich die Kinder an- und abschnallen müssen. „Und wer ist dafür verantwortlich, dass sie angeschnallt sind und bleiben?“

Michaltzik ist trotzdem von seiner Initiative überzeugt: „Der Sicherheitsbeirat Völklingen wartet auf eine Antwort aus Berlin. Noch lieber wäre ihm eine schnelle Gesetzesänderung im Sinne der Grundschulkinder.“

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