Völklinger Ludwig Heil ist Initiator des Mittelalter-Marktes an Burg Bucherbach

Ludwig Heil aus Völklingen : Der „Papa Schlumpf“ aus Völklingen

Er legt sich für seine Stadt, Fußball, Burgen und Co. ins Zeug: Ludwig Heil, Initiator des Köllerbacher Mittelaltermarktes.

Dieser Mann hat viele Namen. „Papa Schlumpf“ nennen ihn die Vereinskollegen. Aber auch auf „Nikolaus von Rittenhofen“ oder „Giacomo“ hört er. Und wer weiß, wie viele (Spitz-)Namen Ludwig Heil noch hat. Es kommt drauf an, was er macht. Und das ist so einiges.

Gerade ist der umtriebige 51-Jährige wieder als „Papa Schlumpf“ aktiv, der alles im Blick hat. Er ist Vorsitzender des Vereins „Die Tafelrunde“, der am Wochenende mit der Stadt Püttlingen das 15. Mittelalterliche Treiben auf Burg Bucherbach im Püttlinger Stadtteil Köllerbach (siehe Info) veranstaltet. Am Freitag dann kann man ihn als „Nikolaus von Rittenhofen“ (den Mann gab’s wirklich, die ritterliche Darstellung ist fiktiv) erleben, an den anderen Tagen als „Giacomo“, den Gaukler – diese Figur hat er sich ausgedacht.

„Ich möchte nicht im Mittelalter leben, denn ich lebe gern“, sagt Heil. Ein schelmisches Grinsen. Aber einen Zauberring fände er toll, um sich für fünf Minuten in verschiedene Zeiten zu beamen, der Neugierde wegen. Sein Held des Mittelalters ist übrigens Kaiser Friedrich II: „Der brachte es fertig, einen Kreuzzug zu führen, ohne jemanden umzubringen und wurde dafür von den eigenen Leuten angefeindet.“ Gern hätte er ihn persönlich erlebt.

Das mit dem Zauberring funktioniert bekanntlich nicht, auch wenn Heil als Gaukler nicht nur des Jonglierens, sondern auch des Zauberns mächtig ist. So hat er sich viel angelesen: „Mit ein, zwei Büchern über Burgen und Schlösser hat es angefangen, und es wurde viel mehr.“ Seine Familie scherze schon mal, „dass meine Bücher eine eigene Wohnung haben“. Außerdem erkundet er stetig die Umgebung. Burgen faszinieren Ludwig Heil von Kindesbeinen an, „denn hier kann man permanent etwas entdecken“. Sein Wissen behält er nicht für sich: Der Mann mit der markanten Langhaarfrisur bringt Interessierten bei Führungen die Geschichte der Burg Bucherbach, der Burg Dagstuhl und der Liebenburg (Namborn) näher. Er ist Mitglied der Deutschen Burgenvereinigung und der Wartburg-Gesellschaft.

Wer nun aber glaubt, Heil habe Geschichte studiert, irrt. Nein, er ist Psychologe, arbeitet für das Diakonische Werk an der Saar in Völklingen im Jugendmigrationsdienst im Quartier und wird, ganz neu, auch in der Seniorenberatung auf dem Saarbrücker Eschberg aktiv.

Im Völklinger Stadtteil Luisenthal wohnt er mit seiner Lebenspartnerin Nadja, der neunjährigen Tochter Konstanze, dem 18-jährigen Stiefsohn Timm und Hund Marifee. Hier wurde er groß, lebte (bis auf drei Monate) immer hier. „Ich vermisse die geliebte kleine Stadt der 80er“, sagt er. Um sofort zu betonen, dass Nachtrauern nicht gelte: „Ich versuche mit meiner Arbeit, was für die Leute zu machen.“ Das Tausch- und Verschenkregal in der nördlichen Innenstadt, Schulprojekte, Ferienprogramme und vieles mehr hat er schon realisiert, war auch Mitorganisator des erfolgreichen Stadtteilfestes im Norden vergangenes Jahr.

Und Ludwig Heil hat noch viel mehr Ideen, beispielsweise einen Straßentheatertag. Er arbeitet gerne hier: „Weil Völklingen meine Heimatstadt ist. Ich möchte was bewegen.“ Das Image solle besser werden. Das gute Zusammenleben der verschiedenen Kulturen hier sei ihm wichtig.

„Was für die Leute“ in der Hüttenstadt macht Heil, der sich unter anderem als bodenständig, konservativ und, ja!, schüchtern charakterisiert, nicht nur im Dienst, sondern auch in seiner Freizeit. Der Fußball ist seine „Jugendliebe“. Er gehört dem Aufsichtsrat des SV Röchling Völklingen an, ist Betreuer der A-Jugend, der B-Jugend und der zweiten Mannschaft. Die Ausrüstung bereitstellen, Trinkflaschen anrühren, mit dem Erste-Hilfe-Koffer parat sein und ein offenes Ohr für die Kicker haben, dafür schlägt er sich gern halbe Samstag und komplette Sonntage um die Ohren. Unterstützt von der geliebten Familie. Wie sieht er seinen „Job“ hier? Heil überlegt kurz. „,Kümmerer’ trifft es vielleicht ganz gut.“

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