Hoffnung auf Wiederbelebung: Völklinger Kurdenfamilie kauft früheres Kino

Hoffnung auf Wiederbelebung : Völklinger Kurdenfamilie kauft früheres Kino

Ladenlokale und Wohnungen im alten „Residenz“ sind denkbar. Auch Kino-Wiederöffnung bleibt für Eigentümer eine Option.

  Der Theaterverein Thalia soll nach Absicht von Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) im Jahr 2018 vom Alten Bahnhof in die Turnhalle Luisenthal umziehen (wir bericheteten). „Warum geht er nicht ins Residenz-Kino?“, fragten anschließend SZ-Leser. Da hatte eine Vereinsdelegation vor Jahren schon einmal sondiert, war aber damals vertraglich über die Stadt an den Alten Bahnhof gebunden. Der vierte Kinosaal im Obergeschoss mit eigenem Zugang zur Hofstattstraße hin hätte gut zu Thalia gepasst, erinnert sich Inge Theis (87).

Sie und ihr Ehemann Günther Theis, mittlerweile 90, hatten sich immer wieder    bemüht, das Gebäude mit Leben zu füllen. „Mit 90 Jahren kann man nicht mehr Kino machen“, sagen Inge und Günther Theis. Sie haben nun das Gebäude verkauft – an eine kurdische Großfamilie, die 1996 ins Saarland kam und seit einigen Jahren in der Hüttenstadt heimisch ist.

Offizieller neuer Eigentümer ist Salih Balta, Kraftfahrzeugtechniker mit Meisterbrief und Leiter einer Werkstatt in Völklingen, unterstützt von seinem Vater Nasreddin Balta, der im Obst- und Gemüsehandel tätig ist. „Beim Verkauf ging alles reibungslos“, berichtet Inge Theis. Auch die Mieter im Vorderhaus des Kinogebäudes sind geblieben: im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ein Nachhilfe-Institut, im zweiten Obergeschoss ein Rechtsanwalt und ganz oben eine Kieferorthopädie-Praxis. Das Vorderhaus („komplett und gut vermietet“) hat der Familie Theis dabei geholfen, die Last des riesigen Leerstandes dahinter zu tragen. Die Familie Balta will nun  wieder Leben ins gesamte Gebäude bringen. Aber wie?

„Wir kennen uns mit Kino nicht aus“,  sagt Nasreddin Balta. „Schade, dass so ein Riesengebäude in Völklingen leer steht. Wir haben einige Ideen, aber noch nichts Festes.“ Eine Idee wird schon mit Hilfe von Architekten überprüft: Im Erdgeschoss und im früheren Kino-Foyer könnten zum Beispiel ein Einkaufsmarkt und/oder eine Gaststätte entstehen. In den oberen Etagen könnten Wohnungen gebaut werden. Dazu müssten aber Fenster in die (bisher weitgehend geschlossenen) Fronten gebrochen werden. Und das gestalte sich von der Genehmigung her noch „etwas schwierig“, berichtet Balta. Zu beachten sei auch, dass das Gebäude in einem städtischen Sanierungsgebiet liege. Aber aus Sicht der Familie müsse allein schon deshalb etwas geschehen, weil die Nebenkosten und Steuern für rund 1000 Quadratmeter Kinofläche drückten.

Ein erster kleiner Anlauf zur Vermarktung ist schon zu sehen. Am früheren Kinoeingang zur Karl-Janssen-Straße hin befindet sich ein Aushang, auf dem es heißt: „Ladenlokal zu vermieten. 160 Quadratmeter plus 100 Quadratmeter.“ Darunter steht die Handynummer, unter der Nasreddin Balta zu erreichen ist. Wie Inge Theis berichtet, wäre der Bereich im Erdgeschoss mit dem früheren Kinofoyer auch für eine Gastsstätte geeignet. Da gebe es neben einem Vorkühlraum auch eine Zapfanlage, „die in den Keller führt“, und die Toiletten seien renoviert worden.

Günther Theis zu Glanzzeiten des Residenz-Kinos. Foto: uli barbian
Der neue Eigentümer Salih Balta zusammen mit seinem Vater Nasreddin. Sie suchen nun nach einer neuen Nutzung. Foto: BeckerBredel

Ob nun der Theaterverein Thalia als Mitnutzer des Kinogebäudes in Frage käme? „Wir sind offen. Wenn jemand Interesse hat, warum nicht?“, sagt Nasreddin Balta. „Allerdings muss es das Gewerbeamt auch genehmigen.“ Und es könne sogar wieder ein Kino werden, meint auch Sohn Salih Balta. Da müsste sich allerdings erst ein fachkundiger und seriöser Betreiber finden.

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