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Völklinger kritsieren geplante Verlegung des Weltkulturerbe-Eingangs

Straßenumfrage in Völklingen : „Für Touristen ist Völklingen nicht attraktiv“

SZ-Umfrage: Wo der Eingang des Weltkulturerbes ist, ist nicht entscheidend. In der Stadt sei einfach zu wenig los.

Touristen sollen nicht nur ins Weltkulturerbe Völklinger Hütte kommen, sondern anschließend auch noch in die Innenstadt. So umriss Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) im SZ-Gespräch ihr Ziel, die Stadt müsse stärker von der Anziehungskraft des Weltkulturerbes profitieren. Die Entscheidung des Weltkulturerbe-Aufsichtsrates, den Eingang vom innenstadtnahen Völklinger Platz zum Wasserhochbehälter zu verlagern, gefällt Blatt nicht besonders. „Weltkulturerbe und Stadt müssen näher zusammenrücken“, hatte Blatt ihren Standpunkt unterstrichen.

Ähnlich sehen es auch einige Völklinger. „Das würde die Innenstadt noch unattraktiver machen“, kritisiert etwa Dagmar Müller aus dem Stadtteil Ludweiler die Entscheidung, den Eingang des Weltkulturerbes im Wasserhochbehälter einzurichten. Die Innenstadt von Völklingen sei doch bereits „so gut wie tot“. Die aus Püttlingen stammende Heike Bernardi hält auch am Völklinger Platz als Eingang zum Weltkulturerbe fest. „Unter dem Aspekt, dass man die Touristen in die Innenstadt lotsen will, ist der alte Eingang natürlich der bessere“, erklärt Bernardi.

In Zukunft soll der historische Hütten-Wasserturm als Eingang für die Besucher des Weltkulturerbes dienen. Foto: Tom Peterson

Oberbürgermeisterin Blatt hatte im SZ-Gespräch auch bemängelt, dass es an der Völklinger Hütte noch nicht einmal ein Hinweisschild auf die Innenstadt gebe. Im neuen Eingangsbereich müsse die Stadt  daher unbedingt vertreten sein. Auch nach der Ansicht des Völklinger Ehepaars Roselene und Klaus Starke müsste es mehr Hinweise auf das Stadtzentrum geben. „Alles fährt durch Völklingen durch, aber keiner hält mehr an“, moniert Klaus Starke.

Um die Innenstadt zu beleben, hofft Blatt zudem auf die Ansiedlung von Gastronomiebetrieben. Hier habe die Stadt noch Nachholbedarf. Roselene Starke pflichtet der Oberbürgermeisterin bei. In der Innenstadt mangele es an einem passenden Angebot, „gerade für die jungen und die alten Leute“, erklärt sie und verrät, dass sie selber auch mehrere Jahre in Völklingen als Wirtin tätig gewesen war. Kurz vor ihrer Pensionierung habe sie dann aber woanders hingehen müssen. „Hier war ja nichts mehr“, erklärt Starke mit Bedauern.

„Den Eingang zu verlegen, verursacht doch nur wieder unnötige Kosten.“ Waltraud Jakobi aus Völklingen. Foto: Heiko Lehmann

„Ich würde den Eingang zum Weltkulturerbe dorthin machen, wo früher die Baracken der Zwangsarbeiter waren. Dazu noch eine große Skulptur, die an das Leid der Menschen von damals erinnert. Eisen für eine solche Skulptur haben wir ja genug“, sagt Adolf Becker aus Völklingen. Er ist ohnehin dafür, dass in der Stadt viel mehr saarländische Kultur ausgestellt werden sollte. „Was interessiert mich das Gold der Inkas. Wir hatten und haben im Saarland tolle Kulturen, darum sollte man sich mal kümmern. Wo der Eingang hinkommt, ist doch letztlich egal. Wer in eine Ausstellung gehen möchte, der geht hin, egal wo der Eingang ist“, sagt Becker weiter.

„Es gibt in Völklingen kaum Gastronomie.“ Steffi Benzmüller aus Völklingen. Foto: Heiko Lehmann

Waltraud Jakobi ist in Saarbrücken geboren, lebte 30 Jahre in Bremen und wohnt nun in Völklingen. „Den Eingang zu verlegen,  verursacht doch nur wieder unnötige Kosten. Ich war schon öfters mit Menschen aus vielen Teilen von Deutschland im Weltkulturerbe. Der Eingang ist nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt, und es ist gut so. Wir haben doch hier ganz andere Probleme“, sagt Waltraud Jakobi und fügt hinzu. „Völklingen ist einfach nicht schön, daran müsste etwas geändert werden. Ich bin schon oft samstagsmittags von Fremden auf der Straße angesprochen worden, wo man denn in Völklingen essen gehen könne. Ich habe die Leute meistens in andere Orte oder Städte geschickt. Für die Touristen ist Völklingen überhaupt nicht geeignet“, meint Jakobi.

„Es muss doch möglich sein, dass Völklingen schöner wird, als es jetzt ist.“ Ludwig Kaufmann aus Völklingen. Foto: Heiko Lehmann

Steffi Benzmüller führt seit sieben Jahren ein Blumengeschäft in Völklingens Innenstadt. „Es gibt in Völklingen andere Probleme als der Eingang zum Weltkulturerbe. Es gibt kaum Gastronomie. Samstags kann man höchstens ein Eis essen gehen, das war’s. Daran müsste etwas geändert werden. Es gibt zwar Stadtführungen in Völklingen. Aber meiner Meinung nach könnte man auch die Besucher des Weltkulturerbes in die Stadt führen, wenn sie denn attraktiv wäre“, erklärt Benzmüller. Ludwig Kaufmann, ebenfalls aus Völklingen, geht noch einen Schritt weiter. „Mir ist völlig egal, wohin der Eingang des Weltkulturerbes hinkommt. Die meisten Themen interessieren mich ohnehin nicht. Für die Menschen in der Stadt müsste etwas gemacht werden. Wie wäre es denn mal mit einem Park oder anderen Dingen, die die Attraktivität steigern. Es muss doch möglich sein, dass Völklingen schöner wird, als es jetzt ist“, sagt Kaufmann.

„Ich würde den Eingang zum Weltkulturerbe dorthin machen, wo früher die Baracken der Zwangsarbeiter waren.“ Adolf Becker aus Völklingen. Foto: Heiko Lehmann Foto: Heiko Lehmann

Die SZ-Umfrage ergab außerdem: Viele Gewerbetreibende sind der Meinung, dass viel zu wenig für den Tourismus getan wird und dass ein Verlegen des Eingangs überhaupt nichts bringt. Sie haben derzeit ohnehin andere Probleme. Sollte der große Kreisverkehr am Eingang zur Völklinger Innenstadt erneuert werden, befürchten sie jetzt schon erhebliche Umsatz-Einbußen.