Wahl-Krimi: Völklinger Bürgermeisterwahl vor großem Publikum

Wahl-Krimi : Völklinger Bürgermeisterwahl vor großem Publikum

Lebhaftes Interesse aus der Völklinger Bürgerschaft und auch von den Nachbarn begleitete die Wahl im Stadtrat.

Zum Schneiden dick ist die Luft: Im großen Saal des Neuen Rathauses drängen sich am Donnerstagabend so viele Menschen wie sonst nie. Die Zuhörer-Reihen sind komplett besetzt, dicht an dicht, für etliche Besucher bleiben nur Stehplätze. Der Stadtrat ist vollzählig, niemand fehlt. Denn an diesem Abend gilt es: Der Rat wählt den neuen Bürgermeister. Für Wolfgang Bintz (CDU), den Amtsinhaber, endet die Amtszeit am 31. Mai.

Sechs Kandidaten, SPD, CDU, vier Unabhängige: Da sind zwei Wahlgänge zu erwarten. Wie werden die kleinen Fraktionen in der Stichwahl abstimmen? Berti Annel (FDP/ Freie Wähler) sagt verschmitzt: „Geheim.“ Dieter Müller (AfD) sagt gleich gar nichts. Paul Ganster (Linke) antwortet ein wenig verrätselt, er werde den qualifiziertesten Bewerber wählen. Und:  „Bunte“  Führungsspitzen hätten einen gewissen Charme.

Aber erstmal stehen alle sechs Kandidaten auf dem Wahlzettel. Oberbürgermeister Klaus Lorig  (CDU) als Sitzungsleiter setzt auf Wahl-Routine, „Sie sind ja alle erfahrene Stadtratsmitglieder“. Er ruft die Wahlhelfer aus dem Kreis des Rats nach vorne, fordert sie auf, sich „von der Leere der Wahlurne“ zu überzeugen. Pflichtschuldig gucken die sechs Stadtverordneten ins Gefäß. Und dann werden die Ratsmitglieder namentlich zur Stimmabgabe aufgerufen. Zwei Wahlkabinen, es geht rasch, nach 17 Minuten wird ausgezählt. 45 gültige Stimmen. 17 für Erik Roskothen (SPD) – exakt so viele, wie die SPD-Fraktion Mitglieder zählt. 19 für Christof Sellen (CDU) – zu den 16 CDU-Leuten im Rat haben sich noch drei weitere Wähler gesellt. Sechs für Stefan Wagner (parteilos) – er hatte auf die Linken-Fraktion (fünf Mitglieder) gesetzt. Drei für Stephan Tautz (parteilos). Null Stimmen für die Parteilosen Bärbel Reez und Stefan Peter.

Zweiter Wahlgang, Roskothen gegen Sellen. Um 17.35 Uhr ist’s fertig. Wieder 45 gültige Stimmen. „Für Herrn Roskothen: 20 Stimmen“, sagt Lorig – und die Christdemokraten reißen jubelnd die Arme hoch, noch ehe Lorig „für Herrn Sellen: 25 Stimmen“ verkünden kann. Überraschendes Ergebnis? Jedenfalls unterläuft Lorig erstmal ein Versprecher, er erklärt Roskothen für gewählt; seine sofortige Korrektur, mit  breitem Lächeln nachgereicht, geht beinahe unter im allgemeinen Gelächter und Getöse.

Steinerne Mienen bei den So­zialdemokraten. Er sei enttäuscht, sagt Verlierer Roskothen ohne Umschweife. Es habe zwar keine Abmachung gegeben mit der LInken, wohl aber „Gespräche“ – „von wegen ‚linke Mehrheit’ “, sagt er bitter. Hat Sellen, der strahlende Sieger, von ebenso strahlenden Parteifreunden umringt, das Ergebnis erwartet? Nein, das nicht, „aber erhofft“; auch er habe „viele Gespräche“ geführt.

Im Publikum ist Großrosseln stark vertreten, unter anderem mit Ortsvorsteher Jörg Steuer und Bürgermeister Jörg Dreistadt (beide SPD). „Völklingen ist unser Nachbar, da muss man doch wissen, wer Bürgermeister wird!“, sagt Dreistadt lachend. Er setze auf Zusammenarbeit, unabhängig von der politischen Couleur. Steuer formuliert’s ähnlich. Und fügt nachdenklich die Frage an, ob seine Völklinger Parteifreunde wohl gut beraten waren, nach der künftigen Oberbürgermeisterin Christiane Blatt noch einen zweiten Kandidaten aus dem Warndt auf den Schild zu heben.

Christiane Blatt selbst hätte zwar lieber ein anderes Wahlergebnis gesehen, „selbstverständlich“. Aber mit der Wahl Christof Sellens habe sie kein Problem, sagt sie,  das sei ebenso selbstverständlich: „Das ist eine Wahl, das ist Demokratie.“  Es werde nun um gute Zusammenarbeit gehen und um sonst nichts, „für Völklingen“.

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