Völklinger bauen jetzt alleine

Völklingen. Der Streit zwischen der bisherigen Partnerfirma International Fish Farming Technology GmbH (IFFT) und der Meeresfischzucht Völklingen GmbH (MFV) ist eskaliert

Völklingen. Der Streit zwischen der bisherigen Partnerfirma International Fish Farming Technology GmbH (IFFT) und der Meeresfischzucht Völklingen GmbH (MFV) ist eskaliert. Nachdem die IFFT den Werkvertrag als Generalunternehmer für den Bau der Meeresfischzuchtanlage in Fürstenhausen gekündigt hatte, haben die Völklinger nun in den zuständigen Aufsichtsräten die Kündigung des kompletten Kooperationsvertrages beschlossen. Dem war eine längere Auseinandersetzung um Zahlungen und Stillstand auf der Baustelle vorangegangen. Oberbürgermeister Klaus Lorig, Aufsichtsratsvorsitzender der MFV, und Geschäftsführer Jochen Dahm erklärten gestern Nachmittag bei einer Pressekonferenz, die MFV werde nun die Anlage selbst fertigstellen und die Subunternehmer-Verträge von der IFFT übernehmen. Weitere wesentliche Verträge unter anderem mit der Anlagen-Fachfirma Sander würden direkt mit den Unternehmen abgeschlossen. Die Projektleitung vor Ort solle weiter in den Händen von Hansjörg Müller (Kennedy Center AG) bleiben. Dahm ("ich bin immer noch Optimist") meinte, die Anlage könne im März 2011 fertig sein. "Leichte Überschreitung"Mit dem Ausscheiden von IFFT habe man "ein Problem weniger". Dabei, so Dahm und Lorig, sei eine "leichte Überschreitung" des bisherigen Kostenrahmens von 15 Millionen Euro denkbar, verursacht durch den zwischenzeitlichen Stillstand. Zur Kündigung des Kooperationsvertrages erklärte Dahm ansonsten, die IFFT könne aus dem Projekt "nicht nur die Rosinen picken". Dahm und Lorig deuteten bei der gestrigen Pressekonferenz an, dass sie einen Rechtsstreit mit gegenseitigen Schadenersatzforderungen nicht ausschließen. Dabei könne es aus Völklinger Sicht um einen Anspruch von über einer Million Euro gehen. Der Weiterbau sei aber durch einen eventuellen Rechtsstreit nicht behindert, da die IFFT selbst den Werkvertrag gekündigt habe und daher auch keinen Baustopp mehr verfügen könne. Firmen-Geschäftsführer Friedrich Esser sagte gestern, man prüfe nun das weitere Vorgehen. Im Kündigungsschreiben des Firmen-Anwaltes von 27. Oktober, in dem ein Baustopp für die Anlage erklärt wurde, heißt es unter anderem, die Unzuverlässigkeit in der Bereitstellung der finanziellen Mittel habe sich nicht durch eine Projektvereinbarung beseitigen lassen. So sei festzustellen, dass sowohl die Geschäfts- als auch die Vertrauensgrundlage für die weiteren Planungs- und bautechnischen Arbeiten an der Anlage weggefallen sei. Klage über ZahlungsmoralDahm widersprach entschieden dem Vorwurf, Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen zu sein. Er sehe die Kündigung des Werkvertrages in dem Zusammenhang, dass der IFFT Fristen zur Erfüllung bestimmter Aufgaben gesetzt worden seien.Erik Kuhn, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, meinte, seitens des Unternehmens Stadtwerke habe man offenbar "die IFFT einfach machen lassen". Er sehe das ganze Projekt nach wie vor als überteuert an. Kuhn fordert nun von Lorig Aufklärung in der nächsten öffentlichen Stadtratssitzung.

HintergrundDie Stadtwerke Völklingen sind über ihre Tochter Gewerbeansiedlungsgesellschaft Völklingen (GAV) zu rund 90 Prozent an der Meeresfischzucht Völklingen GmbH (MFV) beteiligt. Den restlichen Anteil hält bisher die International Fish Farming Technology GmbH (IFFT) mit Sitz in Bergisch Gladbach, die auch als Generalunternehmer für den Bau der Anlage tätig war. Nach einer Projektvereinbarung vom 11. August dieses Jahres hatten die Partner bei einer Pressekonferenz mit Klaus Lorig, Jochen Dahm und IFFT-Geschäftsführer Friedrich Esser bereits ihre bisherigen Konflikte für beendet erklärt (die SZ berichtete). er