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Völklingen will seine Mitte zurückkaufen

Völklingen. Ende 2014 hatte Völklingens Stadtrat Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) beauftragt, über den Kauf der einst für City-Center gedachten Flächen zu verhandeln. Jetzt präsentierte Lorig Ergebnisse. Doris Döpke

Jetzt ist es offenbar amtlich. Der in Luxemburg ansässige Finanzinvestor Patron Dieter II, in Deutschland vertreten durch die Main Asset GmbH, will auf seinen Grundstücken in Völklingens Innenstadt nicht bauen - weder ein City-Center noch sonst etwas.

Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) berichtete bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz, die Stadt habe sich mit Main Asset geeinigt. Zurückkaufen will sie die Grundstücke , die sie einst für das Center-Projekt an den Investor weitergereicht hatte. Neu erwerben will sie die Flächen, die Patron Dieter II Privatleuten abgekauft hatte.
Ziel: Ruinen abreißen



Ziel der Stadt ist, eine "Ruinenlandschaft" (Lorig) zu vermeiden: Die verfallenden Bauten sollen abgerissen, die Flächen frei geräumt werden. Am Markt, sagt Lorig, seien freie Flächen oft besser unterzubringen als bebaute.

Drei Gebäude sind von der Vereinbarung vorerst ausgenommen: Die Häuser Nummer 5 bis 9 in der Rathausstraße wolle der Investor behalten, um sie selber "neu an den Markt zu bringen", sagt Lorig. Wenn er das bis Ende 2017 nicht schaffe, verpflichte sich die Stadt, auch diese Grundstücke zu kaufen.

"Verpflichten" ist dabei unter Vorbehalt zu sehen: Das Verhandlungsergebnis entfaltet erst bindende Kraft, wenn der Stadtrat zustimmt. Am 19. März will Lorig das Thema auf die Sitzungs-Tagesordnung des neuen Ratsausschusses für Innenstadtentwicklung setzen. Am 26. März soll der Rat in großer Runde diskutieren und auch gleich entscheiden.

Was das Ganze kostet? Die Rückabwicklung des Kaufvertrags, mit der die Ruinen des Kaufhofs und des Parkhauses sowie das Haus Karl-Janssen-Straße 6 zur Stadt zurückkehren, ist 1,089 Millionen Euro teuer, das war vertraglich festgeschrieben. Für die übrigen Grundstücke , berichtet Lorig, werde der "Bodenwert" fällig, den eine Gutachterkommission festgestellt hat: insgesamt 224 390 Euro für 2581 Quadratmeter. "Substanzwert" hat nach Gutachter-Ansicht nur noch das Haus Karl-Janssen-Straße 8; man kann es fit machen für eine neue Nutzung, während die übrigen Bauten Abriss-Fälle sind. Auf 186 810 Euro für das Haus habe man sich geeinigt - damit ist das Komplettpaket 1,5 Millionen Euro schwer. Nebenkosten des Grundstückshandels übernehme Patron Dieter.

Die Kaufsumme könne die Stadt über Sonderkredite finanzieren, die die Kommunalaufsicht bereits bewilligt habe, sagt Lorig. Für den Abriss brauche man weitere zwei Millionen Euro . Dafür könne Völklingen mit Städtebau-Geld rechnen. Das habe die Landesregierung bereits signalisiert, mit ihr habe man parallel zu den Kauf-Verhandlungen gesprochen.
Neue Nutzung noch völlig offen

Für das Drittel der Kosten, das die Stadt selbst tragen müsse, suche man "andere Möglichkeiten der Finanzierung", sagt Lorig: "Wir hoffen auf eine Bedarfszuweisung." Die Rats-Zustimmung vorausgesetzt, könne der Abriss rasch beginnen, die Stadt sei schon dabei, Angebote von Abrissfirmen einzuholen.

Und nach dem Abriss? "Wir haben uns nicht auf eine Nutzung konzentriert, sondern auf den Erwerb", sagt Lorig, denn diesen Auftrag habe er im Dezember vom Stadtrat erhalten. Wünschenswert findet er nach wie vor Handel, es gebe auch zwei Interessenten aus diesem Bereich - jedoch noch ungewiss. Sicher sei, dass der Regionalverband keine Ämter nach Völklingen verlagern werde. Die Berufsschul-Frage sei derzeit offen. Und über eine Verlegung des Neuen Rathauses - die war im vorigen Jahr im Gespräch - "denken wir derzeit nicht nach".