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Völklinger Licht-Konzept
Stadtgestaltung mit Licht: Neuer Anlauf

Architektur-Akzente: Im Rahmen des Völklinger Masterplans Licht wird seit dem Frühjahr 2005 das Neue Rathaus nachts mit weißen und grünen Strahlern beleuchtet.
Architektur-Akzente: Im Rahmen des Völklinger Masterplans Licht wird seit dem Frühjahr 2005 das Neue Rathaus nachts mit weißen und grünen Strahlern beleuchtet. FOTO: BECKER&BREDEL / Becker & Bredel
Völklingen. Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet? Mit ihrem Masterplan Licht war die Stadt Völklingen 2003 allen anderen Kommunen an der Saar weit voraus – bis das Papier in der Schublade verschwand. Doch jetzt soll das Konzept neu belebt werden. Von Doris Döpke

An Studien und Konzepten herrscht in Völklingen kein Mangel. In der SZ-Redaktion füllen sie ein ganzes Regal – wobei die Sammlung bei weitem nicht vollständig ist. Die meisten dieser Papiere sind umfangreich. Der Masterplan Grün aus dem Jahr 2010 zum Beispiel nimmt einen kompletten Ordner in Anspruch.


Völklingens Masterplan Licht verliert sich fast in der Konzepte-Menge, die über die Jahre zusammengekommen ist. Ein schmales 16-Seiten-Papierchen, eine Liste mit Kosten-Kalkulationen inklusive, hatte der Stadtrat im November 2003 verabschiedet. Vorgelegt vom Saarbrücker Lichtgestaltungs-Büro „Projekt Licht“, zu dem sich die Fachleute Andreas Thiel und Peter Schütz erst ein knappes Jahr zuvor zusammengeschlossen hatten.

Kurz und praxisnah hatte das Duo Völklingens Licht analysiert und Verbesserungs-Ideen präsentiert. Ausgangspunkt: Licht in einer Stadt muss einerseits bestimmte Funktionen erfüllen, muss für Verkehrssicherheit sorgen und Signale geben. Andererseits könne man es „planvoll als gestalterisches Mittel“ einsetzen, „um das Erscheinungsbild von Gebäuden, einer Stadtzone oder einer gesamten City aufzuwerten und um Stimmungen zu erzeugen, die das öffentliche Leben positiv beeinflussen“. Das passte gut in den Stadtumbau-Schwung jener Jahre, Motto „Völklingen macht sich auf die Socken“. Der Stadtrat stimmte begeistert zu.



Die Analyse knüpfte an Alltagserfahrungen an. Wie bedeutsam Licht ist fürs Atmosphärische, weiß jeder aus dem eigenen Zuhause. Niemand wird im Wohnzimmer kaltweiß leuchtende Neonröhren an die Decke schrauben. Denn die machen den Raum zwar hell, aber  ungemütlich. Und das  Bild an der Wand oder die geerbte Vitrine aus edlem Nussbaumholz wird man gezielt mit einem Punktstrahler in Szene setzen, nicht mit einer Leuchte, die ihr Licht diffus nach allen Seiten streut.

Thiel und Schütz überzeugten die Stadtverordneten damit, dass sie rasch vom Allgemeinen zum Konkreten kamen. Welche Lichtfarbe lässt sich wo in Völklingen sinnvoll verwenden, welcher Leuchtentyp? Welche Abstrahl-Charakteristik hat welchen Effekt? Welche Produkte gibt es auf dem Markt, die die jeweiligen Anforderungen erfüllen? Und, nicht zuletzt: Was kostet es, Neues zu installieren, und wie teuer wird es später, diese Beleuchtung zu pflegen?

Der Masterplan dröselte die Licht-Themen der Stadt von außen nach innen auf. Von den Stadteingängen und Brücken über Fußgängerzone und Plätze, Passagen und Wege bis hin zu einzelnen markanten Gebäuden. „Langfristige Umsetzung“ wurde beschlossen – fürs Ganze. Damit übernahm  Völklingen eine Vorreiterrolle. Stadtgestaltung mit Licht, das war brandneu, keine andere Kommune weit und breit hatte sich vergleichbare Ziele gesetzt.

Verwirklicht wurden ein paar Akzente für markante Bauten und Unterführungs-Eingänge, ein frisch umgestalteter Platz bekam neues Licht. Doch grundsätzliche Änderungen in den finsteren Ecken der Innenstadt – zum Beispiel solche, die die Gesichter-Erkennung verbessern und damit das subjektive Sicherheitsgefühl der Passanten steigern – blieben aus. Kein Geld, hieß es aus dem Rathaus, als die SZ nachfragte. Und: Erstmal müsse geklärt werden, wie es weitergehe mit dem Areal des ehemaligen Kaufhofs und wie künftig die Innenstadt-Straßenführung aussehen werde. Anderswo ging unterdessen die Entwicklung weiter. Das lothringische Metz entwickelte ein Lichtkonzept und setzt es Zug um Zug in die Tat um. Saarbrücken lässt ein Konzept erarbeiten. Völklingen fiel zurück.

Das wollen Oberbürgermeisterin Christiane  Blatt (SPD) und Bürgermeister Christof Sellen (CDU) ändern. Nach einer Rats-Debatte um  die – besonders finstere – Unterführung zwischen Altem Bahnhof und Weltkulturerbe (wir berichteten) haben  sich die beiden, die beim Start des Licht-Plans noch nicht in kommunalpolitischer Verantwortung waren, mit dem Thema befasst. Die Rathausspitze beabsichtige, den Masterplan wieder aufzugreifen, heißt es in der Antwort auf eine SZ-Anfrage: „Gerade mit dem Neubau eines Einkaufcenters in der Stadtmitte kann aus Sicht der Verwaltung ein  Lichtkonzept sinnvoll sein.“ Dabei seien allerdings Überarbeitungen des Plans nötig – etwa fürs Alte Rathaus, dessen Original-Beleuchtung teilweise auf dem Dach des inzwischen abgerissenen Kaufhof-Baus platziert war. Und es gebe „Abstimmungsbedarf auch mit  dem künftigen Investor“.  Der zuständige Verwaltungs-Fachbereich habe nun den Auftrag, den Masterplan Licht neu aufzunehmen.

Fassade und Turm des Alten Rathauses so ausleuchten, dass ihre Details sichtbar werden – das war die Aufgabe bei einem der ersten Lichtprojekte, realisiert im November 2004.
Fassade und Turm des Alten Rathauses so ausleuchten, dass ihre Details sichtbar werden – das war die Aufgabe bei einem der ersten Lichtprojekte, realisiert im November 2004. FOTO: Uli Barbian / uli barbian
Weithin sichtbares Licht für Wehrden: Ende 2009 wurden die Scheinwerfer eingeschaltet, die die markante Fassade der katholischen Kirche St. Josef in Szene setzen.
Weithin sichtbares Licht für Wehrden: Ende 2009 wurden die Scheinwerfer eingeschaltet, die die markante Fassade der katholischen Kirche St. Josef in Szene setzen. FOTO: BeckerBredel
Wenig effizient: Die Kugelleuchten, die in der Völklinger Innenstadt dominieren, lassen ihr Umfeld im Dunklen.
Wenig effizient: Die Kugelleuchten, die in der Völklinger Innenstadt dominieren, lassen ihr Umfeld im Dunklen. FOTO: BeckerBredel