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Völklingens Rathausspitze im Gespräch
Bürgerfreundlichkeit hat Vorfahrt

Bleibt stehen und wird Etage um Etage saniert: Der Hochhausturm des Neuen Rathauses.
Bleibt stehen und wird Etage um Etage saniert: Der Hochhausturm des Neuen Rathauses. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Seit Juni steht im Völklinger Rathaus ein neues Team an der Spitze, Christiane Blatt (SPD) als Oberbürgermeisterin, Christof Sellen (CDU) als Bürgermeister. Wir sprachen mit ihnen über Innenstadt-Entwicklung und Bürgerbüro, Verkehrsplanung und Schul-Zukunft.

Christof Sellen, Völklingens Bürgermeister, ist vorm Gespräch im Rathaus noch schnell ins Erdgeschoss geflitzt, zum Bürgerbüro. Dort hat er eine Wartemarke gezogen, die er mit sichtlichem Vergnügen herumreicht. Ein Q-Code steht drauf – mit der passenden Handy-App gelesen, zeigt er einem die Zeit an, zu der man drankommt.


Das Bürgerbüro gehört zu den Bereichen, in denen Christdemokrat Sellen und Christiane Blatt (SPD), die neue Oberbürgermeisterin, bereits Verbesserungen erreicht haben. Die erst gut zehn Tage alte Aufruf-Anlage kann noch mehr als nur Q-Code-Tickets ausspucken. Mit ihrer Hilfe, berichtet Blatt, könne man sich auch von zu Hause aus per Internet informieren, wie lange man wohl noch warten muss.

Geplant sei eine komplett neue Webseite, die gestatte, bestimmte Formalitäten auch online abzuwickeln; aber das dauere noch, sagt Blatt. Bürgerfreundlicher soll es so werden, das Bürgerbüro.



Ja, sagt Blatt auf Nachfrage, es gehöre zu Sellens Dezernenten-Geschäftsbereich; „aber ich habe es zur Chefsache gemacht“. Was Sellen offensichtlich nicht stört – das neue Rathaus-Führungsduo wirkt einig. Und der Bürgermeister lässt immer wieder der Chefin den Vortritt.

Hat der Perspektivenwechsel von „draußen“ nach „drinnen“ Blatt und Sellen Überraschungen, neue Einsichten beschert? Sie habe sich ja schon vor dem Amtsantritt einarbeiten können, sagt Blatt. So „gab es wenige Dinge, die mich dann überrascht haben“. Zum Beispiel das Gewicht, das „Themen innerhalb des Hauses“ zukomme. In einzelnen Bereichen der Verwaltung, konkretisiert sie auf Nachfrage, sei die Arbeitslast sehr groß. Hätte die Stadt mehr Geld, „wären wir gern bereit, noch den einen oder anderen Mitarbeiter einzustellen“. Nur mit zufriedenen Mitarbeitern, fügt sie an, „können wir was erreichen“.

Sellen nickt. Und sagt dann, lachend: „Überraschungen? Mein ganzes Leben hat sich verändert!“ Was die Prioritäten betrifft, schaue er erstmal auf Dinge, die ihm auch als Bürger aufgefallen seien. Bürgerbüro. Parkverstöße – bei einer Runde, die er mit dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) gedreht habe, sei die Parkkralle aus dem Rathauskeller geholt und eingesetzt worden. An einem Auto, dem der KOD bereits x „Knöllchen“ verpasst hatte, unbezahlt. Zwei Stunden später, berichtet Sellen schmunzelnd, sei dann ein Herr im Rathaus erschienen und habe die Stadtkasse um einen dreistelligen Betrag reicher gemacht. Sauberkeit im Stadtbild: Vor den City Open Airs habe die Innenstadt frisch gestrichene Blumenkübel, Baumscheiben-Pflege und einen großen „Hausputz“ erhalten. „Unsere Leute“, sagt er, seien hochmotiviert. Da ist es an Blatt, zu nicken. „Unsere Stadt ist nicht schmutzig“, erklärt sie, jeden Morgen seien Putzfahrzeuge unterwegs. Aber: „Die Bürger entscheiden, wie lange die Sauberkeit vorhält.“

Und die großen Themen? Ganz oben auf der Agenda stehe die Innenstadt, sagt Blatt. Mit der Firma Röther gebe es sehr gute Gespräche; die suche derzeit einen Bauunternehmer für ihren Modepark-Neubau, wolle im Frühjahr loslegen. Ob beim Start auch ihr Vorgänger Klaus Lorig (CDU) einen Spaten kriegt? „Wenn er das möchte, bekommt er einen“, sagt sie lächelnd.

Bereits geklärt sei die Zukunft des Neuen Rathauses: Sanierung im laufenden Betrieb, Etage um Etage, „eine Entscheidung der Vernunft“. Nicht nur das, ergänzt Sellen: „Das Rathaus ist toll, ein Wahrzeichen. Den Turm abzureißen, wäre nicht vermittelbar.“

Heiß umstritten ist seit längerem der Verkehrsentwicklungsplan, dessen Macher fast durchgehend Tempo 30 im Stadtgebiet vorschlagen. Dazu halten Blatt und Sellen Distanz: Das sei nur sinnvoll, wenn es auch kontrolliert werde, sagt Blatt. Zudem, wirft Sellen ein, müsse man auch an den öffentlichen Nahverkehr denken, Bus-Fahrzeiten würden dadurch länger. Blatt votiert dafür, beim Verkehrsplan den Ortsräten – „genauer: den Leuten vor Ort“ – das letzte Wort zu geben. Radwege, Radstreifen? Die Antworten sind zurückhaltend. Man diskutiere das Thema mit dem ADFC, sagt Blatt, ohne konkret zu werden.

Umso handfester sind ihre Vorstellungen, wie es mit den Grundschulen weitergehen kann. Auf jeden Fall ohne die ehemalige Mühlgewannschule: Die anzupassen an heutige Notwendigkeiten, koste rund 5,8 Millionen Euro. Man müsse dort alles modernisieren, angefangen vom Vergrößern der zu kleinen Räume. Anbauen oder Aufstocken an der Berg- und der Haydnschule, die stark gestiegene Schülerzahlen verzeichnen, sei die bessere Lösung. „Gemeinsam mit den Schulen“ will Blatt drangehen. Kurzfristig.

Eignet sich ohne millionenschweren Umbau nicht für Grundschul-Zwecke: die Mühlgewannschule.
Eignet sich ohne millionenschweren Umbau nicht für Grundschul-Zwecke: die Mühlgewannschule. FOTO: BeckerBredel
Gesprächsrunde im Büro der Völklinger Oberbürgermeisterin Christiane Blatt – von links, im Uhrzeigersinn: Bernhard Geber (SZ), Lars Hüsslein, Blatts persönlicher Referent, Christof Sellen, Christiane Blatt, Pressesprecher Uwe Grieger, Doris Döpke und Ulrike Paulmann (beide SZ). Im Hintergrund ein Bild von Eberhard Gnahs.
Gesprächsrunde im Büro der Völklinger Oberbürgermeisterin Christiane Blatt – von links, im Uhrzeigersinn: Bernhard Geber (SZ), Lars Hüsslein, Blatts persönlicher Referent, Christof Sellen, Christiane Blatt, Pressesprecher Uwe Grieger, Doris Döpke und Ulrike Paulmann (beide SZ). Im Hintergrund ein Bild von Eberhard Gnahs. FOTO: BeckerBredel