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Jury des Bundes entscheidet
Stadt Völklingen kämpft um Zuschuss-Millionen für das Bad

Ein Gutachten warnte breits im Jahr 2005, das Völklinger Hallenbad in der Karl-Janssen-Straße sei stark sanierungsbedürftig.
Ein Gutachten warnte breits im Jahr 2005, das Völklinger Hallenbad in der Karl-Janssen-Straße sei stark sanierungsbedürftig. FOTO: Becker & Bredel
Völklingen. Die Stadt Völklingen will vom Bund rund acht Millionen Euro Zuschuss für ihr Hallenbad. Dabei steht sie allerdings in harter Konkurrenz mit anderen Projekten. Von Bernhard Geber

Bereits im Jahr 2005 schlug der Bundesverband Öffentliche Bäder Alarm. Experten des Verbandes kamen in einem 155-seitigen Gutachten zum Schluss, das Völklinger Hallenbad sei unattraktiv und im jetzigen Zustand nicht mehr zu halten. Sie schlugen den Abriss des Hallenbades und den Neubau eines Kombibades im Köllerbachtal vor. Diese Einrichtung, die Frei- und Hallenbad vereinigt hätte, sollte nach damaligem Stand um die zwölf Millionen Euro kosten.


Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) griff diesen Vorschlag auf. Doch das Projekt blieb – wie andere ehrgeizige Pläne – in der Schublade liegen. Auch wenn Lorig gegen Ende der Freibadsadsaison 2012 erneut dramatisch warnte, die Technik im Hallenbad könne „jeden Tag zusammenbrechen“. Da wurde stattdessen immer wieder repariert. So wurden 2012 rund 100 000 Euro für neue Leitungsrohre im Keller fällig.

Noch immer ziehen Schwimmer in beiden Völklinger Bädern ihre Bahnen. Und das 2005 für unheilbar krank erklärte Hallenbad wurde erst gerade wieder Ende September eröffnet. Aber die Warnungen gehen auch unter Lorigs Nachfolgern weiter. Die Bauabteilung im Rathaus hat Mitte August in einer schriftlichen Vorlage für den Stadtrat festgestellt: „Der Eingangsbereich, die sanitären Anlagen, der Umkleidebereich sind über 51 Jahre in Betrieb. Die Saunaanlage musste geschlossen werden. Das Flachdach sowie die Fassade haben das Ende ihrer technischen Lebenszeit erreicht.“ Dem folgt eine Liste von Einzelmaßnahmen, die addiert einen Betrag von über 20 Millionen Euro ergeben.



Doch aktuell geht es um ein Paket im Umfang von 8,37 Millionen Euro, das der Stadtrat nun mit einstimmigem Beschluss zur Förderung durch ein Bundesprogramm angemeldet hat. In diesem Programm mit dem Titel „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ stehen – verteilt über den Zeitraum von 2019 bis 2022 – insgesamt 100 Millionen Euro für Gesamtdeutschland zur Verfügung.

Vor dem Stadtratsbeschluss fragte Ratsmitglied Gerold Fischer (Grüne), was denn nun aus der Idee mit dem Kombibad geworden sei. Ein solches Bad werde nach heutigen Stand rund 17,8 Millionen Euro kosten, antwortete Rathaus-Baufachmann Stephan Michely. Die Zuschüsse aus dem Programm würden nach dem so genannten Königssteiner Schlüssel, also proportional,auf die Bundesländer verteilt. Das Völklinger Bad stehe im Saarland in Konkurrenz mit Projekten wie dem Ellenfeldstadion in Neunkirchen und dem Freibad in Friedrichsthal, und wenn Vöklingen ein Kombibad anmelde, laufe man das Risiko, „dass wir am Ende gar nichts haben“. Die CDU habe schon frühzeitig auf dieses Bundesprogramm hingewiesen, betonte Fraktionschef Stefan Rabel. SPD-Sprecher Wolfried Willeke meinte, die Chancen seien hier weit größer, als wenn man abwarte, bis der saarländische Innenminister ein Bäderkonzept vorweisen können. „Wir wollen nicht versäumen, unseren Anteil anzumelden“, bekräftigte Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD).

Über die Auswahl der Projekte entscheidet eine Jury des Bundes. Wenn es zum Zuschlag für Völklingen käme, müsste die Stadt zehn Prozent der Kosten, sprich 837 000 Euro, selbst tragen. Inzwischen macht sich übrigens auch Großrosseln Hoffnung, aus dem Bundesprogramm einen Zuschuss für eine neue Versammlungsstätte in Karlsbrunn (Kosten rund 800 000 Euro) zu erhalten.