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Stahl aus Völklingen bleibt in Amerika unverzichtbar
„Wir wollen Marktführer bleiben“

Martin Baues, Technik-Vorstand der Saarstahl AG, im Völklinger Werk. 
Martin Baues, Technik-Vorstand der Saarstahl AG, im Völklinger Werk.  FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Saarstahl ist nicht nur das führende Unternehmen in Völklingen, sondern genießt weltweiten Ruf. Die Stahlkocher wollen nicht nur ihre Spitzenposition halten, sondern noch weiter ausbauen, sagt Technik-Vorstand Martin Baues. Von Frank Bredel

Wenn Martin Baues in seinem Wehrdener Elternhaus im Kinderzimmer schlief, hörte er die Säge im Stahlwerk. Heute ist die Hochofengruppe Teil des Unesco-Weltkulturerbes und der 58-Jährige Technik-Vorstand im noch aktiven Teil der früheren Völklinger Hütte, der Saarstahl AG. Und die ist alles andere als museal.


„Der schlafende blaue Riese neben der Autobahn ist eines der führenden Stahlwerke der Erde“, sagt Baues nicht ohne Stolz. Und nicht nur deshalb hat der Völklinger Wirtschaftskreis dem Unternehmen die Auszeichnung „Völklinger Leuchtturm“ verliehen.

„Die Stadt ist historisch gesehen aufs Engste mit der Hütte verwoben“, betont Martin Baues. „Wir sind nicht zu übersehen und das Großunternehmen der Stadt. In Vietnam und in China geht ein Raunen durch die Reihen, wenn wir bei einer Tagung sagen, dass wir von Saarstahl kommen. Das hat seinen Grund, denn unsere Qualität ist weltberühmt“, sagt Baues. Niemand könne so hochwertige Stähle produzieren.



Das Völklinger Know-How sei einzigartig und führe zu einer weltweiten Verbreitung der Produkte. „Selbst in den Autos, die in China oder Japan gebaut werden, ist Stahl aus Völklingen. Und Donald Trump hat unseren Stahl mit 25 Prozent Strafzoll belegt, den wir auf die Preise aufschlagen und den die Amerikaner jetzt bezahlen.“ Überall dort, wo Stahl höchste Belastungen aushalten müssen, sei die Ware aus Völklingen die Nummer Eins: im Inneren von Motoren, bei Reifendraht oder bei Federstahl für die Automobilindustrie.

„In den letzten fünf Jahren haben wir allein in Völklingen, ohne die Schmiede, 350 Millionen Euro investiert. 4000 Mitarbeiter, darunter 270 Auszubildende, arbeiten bei uns. Jedes Jahr vergeben wir regionale Aufträge rund um unser Werk für 120 Millionen Euro“, sagt Technik-Vorstand Baues und betont, dass Saarstahl der größte Investor der Stadt sei. Dazu gehöre die Investition von 100 Millionen Euro in eine neue Stranggussanlage.

Der 58-Jährige, der in Völklingen wohnt, bekennt sich zum Standort. „Wir werden immer hier sein. Wir wollen zwar weiterhin internationalisieren, aber ein Stahlwerk dieser Qualität können Sie nicht einfach woanders neu bauen. Eine Produktionsverlagerung ist kein Thema. Wir stehen dennoch auf der Schwelle einer kleinen Revolution. Die Digitalisierung wird auch bei uns Prozesse verändern.“

Dabei ist Martin Baues jedoch überzeugt, dass Saarstahl innovativ noch lange nicht am Ende ist: „Wir werden uns qualitativ noch weiter verbessern. Künstliche Intelligenz hält Einzug. Industrie 4.0 ist für uns kein Fremdwort“, so der Elektroingenieur, dessen Urgroßvater Gießereimeister bei Röchling war. Weltweit Marktführer zu bleiben, sei das Ziel.

Mit dem Völklinger Leuchtturm vergibt der Wirtschaftskreis seit dem Jahr 2015 eine Auszeichnung an Unternehmer und Unternehmen, die sich besonders um die Stadt verdient gemacht haben. Wir erläutern in der Serie, warum sie den Preis erhielten, und fragen nach, wie sich ihre Unternehmen und Projekte entwickelt haben.