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Völklingen rechnet mit weiterem Zustrom

Völklingen rechnet mit weiterem Zustrom

Bis zum Jahresende dürften in Völklingen bereits rund 450 Flüchtlinge leben. Es ist mit weiterem Zustrom zu rechnen. Ehrenamtliche Helferinnen äußern sich derweil enttäuscht über fehlende Unterstützung.

Bereits bis zum Jahresende ist in Völklingen mit einer Zahl von rund 450 Flüchtlingen zu rechnen, wobei allmählich auch Familien und Großfamilien ankommen. Dies sagte Kurt Kasper, zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus, am Dienstagabend in einem Bericht zur aktuellen Situation im Stadtrat. Man werde nun in größerem Rahmen auf privaten Wohnraum zurückgreifen und diesen als Stadt anmieten müssen. Um das zu managen, solle bereits ab 1. Januar, auf zwei Jahre befristet, ein Immobilienkaufmann eingestellt werden. Mit dieser Neuregelung wären auch die Privat-Vermieter vom bisherigen Risiko entlastet.

Zum Stand der Betreuung berichtete Kasper, zu den fünf früheren Arbeitslosen, die sich beim Diakonischen Werk (DW) um Möbel für Flüchtlingswohnungen kümmern, werde zum 1. Dezember eine weitere Gruppe stoßen. Ein 21-jähriger aus dem Libanon, der Arabisch spreche, sei im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) beim DW beschäftigt. Anfang Dezember begännen bei der Volkshochschule drei Deutschkurse mit je 25 Teilnehmern. In den städtischen Kindertagesstätten würden derzeit fünf, in den Grundschulen bereits um die 50 Flüchtlingskinder betreut. Ein erster Versuch, Flüchtlinge als Ein-Euro-Jobber beim städtischen Fuhrpark unterzubringen, sei gescheitert. Vier Personen seien eine Woche lang pünktlich zur Arbeit erschienen, hätten dann aber aufgegeben. "Die wollten nach dem dritten Tag schon mit dem Traktor fahren und die Maschinen bedienen", erfuhr Kasper von ihrem Anleiter.

In Völklingen sind derzeit rund zwei Dutzend ehrenamtliche Flüchtlingshelfer tätig. Drei von ihnen, Frauen mit Joanna Rooney als Sprecherin, baten am Dienstagabend im Stadtrat um mehr Unterstützung. "Viele Flüchtlinge sitzen da und wissen nicht, wohin", sagte Rooney. Es fehle an Koordination, an einer Stabsstelle. Es fehle an Wertschätzung für die Helfer. Sie müssten lange Wartezeiten in Kauf nahmen, wenn sie Flüchtlinge begleiteten, und auch noch Parkgebühren zahlen.

Kasper ("wir erkennen die ehrenamtliche Arbeit in hohem Maße an") wies die Kritik als unbegründet zurück. Bei einer solchen Masse sei keine Individualbetreuung zu gewährleisten. Beim Einwohnermeldeamt sei bereits eine eigene Kraft für Flüchtlinge abgestellt. Hier bestehe kein Diskussionsbedarf im Stadtrat. Die Fraktionschefs Erik Kuhn (SPD ), Stefan Rabel (CDU ) und Manfred Jost (Grüne) waren völlig anderer Auffassung: Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) soll nun eine Sondersitzung der zuständigen Stadtratsausschüsse zum Thema "Betreuung" einberufen.