1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Völklingen

Völklingen : Rathaus startet große Aktion gegen Vermüllung

Kampagne für Sauberkeit : Völklingen soll sauberer werden

Schluss mit Müll und Schmutz auf Völklinger Straßen: Die Stadtverwaltung will bei ihrem neuen Projekt die Bürger mit ins Boot holen. Start war jetzt in einem Kindergarten.

Stolz verkündet die Zweijährige aus der Mäusegruppe der Kindertagesstätte Haydnstraße, was sie da gerade vor den Augen der staunenden Völklinger Verwaltungsspitze fabriziert hat: „neues Papier.“ Genau, nämlich aus eingeweichten Zeitungsschnipseln und ein bisschen Farbe. In Blau, Grün und Rot möchten die Kinder ihr neues Papier haben. Die kleine Papierschöpferin, die Völklingens Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) und Bürgermeister Christof Sellen (CDU) das Gelernte präsentiert, entscheidet sich für Rot.

In der Gruppe der Waldwichtel basteln Kinder zeitgleich aus ausgedienten Plastikbechern, Erde und Gras-Samen Nester für das nahende Osterfest. Die Gruppe Zwergenwald stellt Musikinstrumente aus allerlei Ausgedientem her, die Pferdegruppe macht Ferngläser aus Küchenpapierrollen.

Was sonst auf dem Müll landen würde, kommt so zu einer anderen Verwendung – Recycling auf Kindergartenniveau und passend zum neuen Projekt „Völklingen, saubere Stadt“, das die Verwaltungsspitze mit dem Pressetermin im Kindergarten der Öffentlichkeit vorstellt. Blatt erläutert dazu: „Mir ist es wichtig für unsere Kampagne, dass sie alle Generationen einbezieht. Außerdem glaube ich, dass wir gut daran tun, in unseren Kitas und Schulen mit der Aufklärung früh zu beginnen.“

Nach Auffassung der Oberbürgermeisterin gibt es in Völklingen Defizite im Erscheinungsbild der Stadt, die durch die unterschiedlichsten Formen des Umgangs mit Müll verursacht werden. Deshalb hat sie Ende vergangenen Jahres eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe „Saubere Stadt“ eingesetzt, die in Zukunft die entsprechenden Maßnahmen gegen den Müll umsetzen soll. Inzwischen wurde auch die Arbeitsgruppe „Lebenswertes Völklingen“ des Sicherheitsbeirates in die Diskussion einbezogen.

Neben den Jüngsten sollen auch Institutionen, Geschäftsleute, Vereine und Privatpersonen dafür gewonnen werden, sich für Sauberkeit in der Stadt einzusetzen. Die Verwaltung, hieß es, habe bereits erste Maßnahmen veranlasst. So würden Containerstandplätze für Glas und Altpapier, die am häufigsten frequentiert werden, jeden Samstag durch den Entsorgungszweckverband Völklingen zusätzlich gereinigt. Zudem sei die Anzahl der Handreiniger in der Innenstadt verstärkt worden.

Bürgermeister Sellen legt den Finger in die Wunde: „Nicht die Verwaltung ist Verursacher der Müllprobleme, sondern Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht an bestehende Regeln halten und die meinen, Stadtmitarbeiter seien für ihre ungelösten Müllprobleme verantwortlich.“ Er weiß aber auch: „Die überwiegende Zahl unserer Mitbürger hält sich die Regeln.“ Blatt und Sellen hoffen, dass mit der Kampagne ein Gemeinschaftsgefühl in der Stadt entsteht. Andererseits spricht sich Blatt aber auch dafür aus, Fehlverhalten deutlich zu bestrafen.

Ansatzpunkte gibt es viele. Neben den Containerplätzen sorge auch der Sperrmüll häufig für Ärger, weil sich immer weniger Personen an die vorgesehenen Abfuhr-Regularien hielten. Zudem gebe es bei der „Entsorgung“ von Hundekot in öffentlichen Parkanlagen erhebliche Defizite.