| 20:04 Uhr

Es geht aufwärts
Völklingen sieht Lichtstreifen am Horizont

„Völklingens Herz aus Stahl muss weiterschlagen“: Unter diesem Motto kämpfen Arbeitnehmer, Bürger und Politiker gemeinsam für den Erhalt der heimischen Stahlindustrie; hier eine eindrucksvolle Mahnwache im November 2016.
„Völklingens Herz aus Stahl muss weiterschlagen“: Unter diesem Motto kämpfen Arbeitnehmer, Bürger und Politiker gemeinsam für den Erhalt der heimischen Stahlindustrie; hier eine eindrucksvolle Mahnwache im November 2016. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Nach jahrelangem Sinkflug steigen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer wieder deutlich, und nach der Finanzkrise 2008 sind in Völklingen 1500 Arbeitsplätze neu entstanden. Das sagt der Bericht zur aktuellen wirtschaftlichen Lage. Von Bernhard Geber

Wenn die Wirtschaft Fahrt aufnimmt, geht es auch der Stadt Völklingen besser. Christof Theis, im Rathaus für Wirtschaftsförderung zuständig, hat vor dem zuständigen Stadtratsausschuss seinen Bericht zur wirtschaftlichen Lage vorgestellt und dabei einige gute Nachrichten mitgebracht.


Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. Hier kann Völklingen laut Theis im laufenden Jahr mit 29,4 Millionen Euro rechnen. Das ist eine wesentliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren mit 19,4 Millionen Euro (2017) und 15,4 Millionen Euro (2016). Das ist auch Anzeichen für eine gute Entwicklung bei Saarstahl als größtem Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt. Diese hängt allerdings mit davon ab, ob sich Völklinger Wertarbeit weiterhin gegen Dumping-Preise und Schutzzölle à la Donald Trump auf dem Weltmarkt durchsetzen kann. Das Plus bei der Gewerbesteuer kann auch nicht dazu ermuntern, nun wieder bei der Stadt kräftig Geld auszugeben. Wegen finanzieller Altlasten dürfte hier nämlich Ende 2018 das Defizit im Haushalt auf über 175 Millionen Euro (Vorjahr noch 164 Millionen Euro) angewachsen sein.

Die Zahl der Arbeitslosen lag in Völklingen zur Jahresmitte bei 2057, die Arbeitslosenquote bei 9,5 Prozent, damit etwas höher als im Schnitt des Regionalverbandes (8,6 Prozent). Damit blieb die Situation in Völklingen nahezu unverändert. Im Hintergrund hat aber eine nachhaltige positive Entwicklung stattgefunden. Im vergangenen Jahrzehnt sind in Völklingen laut Theis rund 1500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse neu entstanden. Ausgangspunkt dieser Zählung ist das Jahr 2008, in dem die Finanzkrise die Welt erschütterte. Danach ging es auch in Völklingen wieder aufwärts. Das lag nicht nur an Saarstahl, das kräftig investierte. Hier zogen auch Handel, Handwerk und Dienstleistungsbranchen mit. Eine positive Entwicklung lässt sich auch am Vergleich von Ein- und Auspendlern ablesen: 2017 bot Völklingen 10 701 Menschen aus anderen Städten und Gemeinden Arbeit, während 9305 Völklinger auswärtig beschäftigt waren.



2004 hatte das Ifo-Institut Völklingen ein Schrumpfungs-Szenario vorhergesagt: Im Jahr 2020 sollte demnach die Stadt noch höchstens 38 500, im negativen Fall sogar nur noch 34 200 Einwohner aufweisen. Theis hat nun auf Basis des städtischen Melderegisters eine Zahl von 40 444 Einwohnern festgestellt, also einen leichten Zuwachs gegenüber 2017 (40 426 Einwohner). Von 2009 bis 2014 hatte Völklingen zeitweise knapp unter der 40 000-Einwohner-Marke gelegen (siehe Info). Die positive Entwicklung ist laut Theis mit auf Zuwanderung aus den neuen EU-Ländern und die Integration von Flüchtlingen zurückzuführen.

Gute Nachricht für Investoren und Vermieter, weniger gute Nachricht für nicht so finanzkräftige Mieter: Wohnraum ist 2018 teurer geworden. Die Wohnungsmiete (ohne Nebenkosten) in Völklingen liegt mittlerweile laut offiziellem Preisspiegel bei einem Mittelwert von 5,50 Euro pro Quadratmeter – beginnend bei 4,75 Euro und endend bei 6,25 Euro. Diese Teuerung liegt aber laut Stadtverwaltung deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Der liegt bei einer Erhöhung von rund 8,5 Prozent. Für eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung in guter Lage mit einer Wohnfläche von rund 70 Quadratmetern in Völklingen wird ein Verkaufspreis von 1250 Euro pro Quadratmeter angegeben. Baugrundstücke in der Stadt sind allgemein knapp geworden. Die Preise liegen auf einer Bandbreite zwischen 75 Euro und 165 Euro pro Quadratmeter.

Christof Theis.
Christof Theis. FOTO: BeckerBredel