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Vorschlag für Bahnhofs-Unterführung
In die Unterführung soll mehr Licht

Wer vom Weltkulturerbe Völklinger Hütte in die Stadt will, muss auf der Rathausstraße unter den Bahngleisen durch. Wegen einer Straßenkurve wirkt die Unterführung unübersichtlich. Und durch die Glaswand nebenan fühlt man sich als Fußgänger eingesperrt. Hier geht Lara Ranta gerade durch den dunklen Tunnel.
Wer vom Weltkulturerbe Völklinger Hütte in die Stadt will, muss auf der Rathausstraße unter den Bahngleisen durch. Wegen einer Straßenkurve wirkt die Unterführung unübersichtlich. Und durch die Glaswand nebenan fühlt man sich als Fußgänger eingesperrt. Hier geht Lara Ranta gerade durch den dunklen Tunnel. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Zwei Stadtverordnete haben einen Völklinger „Angstraum“ neu zum Thema gemacht: die Bahnunterführung zum Weltkulturerbe. Von Doris Döpke

Die Fraktionsgemeinschaft FDP/Freie Wähler im Völklinger Stadtrat lässt nicht locker. Wie Berti Annel (Freie Wähler, FW) jetzt


mitteilte, hat das Zweier-Team die Bahnunterführung in der Rathaus­straße, die den Alten Bahnhof und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte verbindet, erneut zum Rats-Thema gemacht. Im Ausschuss Innenstadtentwicklung wurde der Antrag jüngst diskutiert.



Annel und Denise Baldauf (FDP) wiederholen darin eine Forderung, die sie bereits im Juli 2014 formuliert hatten: Die Unterführung gehöre dringend renoviert. Sie sei zu finster, ein „dunkles Loch“. Was Fußgänger davon abhalte, sie zu benutzen – von den Besuchern des

Weltkulturerbes, rund 200 000 Menschen pro Jahr, finde so kaum jemand den Weg in die Stadt.

Annel fordert ein Beleuchtungs- und Sicherheitskonzept für die Unterführung. Wichtigste Punkte darin: eine „taghelle Ausleuchtung des Fußgängerwegs und eine verkehrstechnisch ausreichende Beleuchtung der Fahrbahn“. Ziel ist, Denkmalbesucher in die Innenstadt zu locken. Was sie dort sehen und entdecken können – „Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten“ –, soll nach Annels Meinung auf einer Hinweistafel festgehalten werden, die in der Nähe der Unterführung angebracht wird.

Ähnliches hatte vor drei Jahren die SPD-Ratsfraktion vorgeschlagen. Weltkulturerbe-Generaldirektor Meinrad Grewenig hatte, mit Blick auf den desolaten Zustand der Innenstadt, davor gewarnt. Ein SZ-Spaziergang auf der seinerzeit von der SPD-Fraktion favorisierten Strecke vom Weltkulturerbe zum Alten Rathaus oder zur Versöhnungskirche hatte Grewenigs Skepsis bestätigt: Aus Touristen-Perspektive ist eine Innenstadt-Runde derzeit wenig attraktiv.

Baldauf und Annel setzen sich auch mit den Glas-Trennwänden zwischen Fußweg und Fahrbahn auseinander, die mit Bildern und Texten an den Hüttenarbeiter-Alltag früherer Tage erinnern. Diese dicken Scheiben sehen aktuell alles andere als durchsichtig aus; Staub und Abgase haben sie enorm verschmutzt, und sie sind offenbar schon sehr lange nicht mehr geputzt worden.

Eine Reinigung von der Fahrbahnseite her, sagt Annel nun, sei sehr aufwendig. Denn dazu müsse man die Straße sperren, was hohe Kosten bedeute. Für zu teuer hält Annel auch eine Idee aus der Verwaltung, die Glaswand umzubauen – so, dass man die Elemente zum Fußweg hin öffnen kann – und sie zudem mit Plexiglas zu verkleiden: Das verursache Kosten im sechsstelligen Bereich. Die FDP/FW-Fraktion plädiert nun dafür, die Glasscheiben einfach vom jetzigen Ort zwischen Fußweg und Fahrbahn zu entfernen und sie stattdessen an der Tunnelwand anzubringen. Beim Reinigen lasse sich dadurch viel sparen.

Wobei er und seine Fraktionskollegin freilich außer Acht lassen, dass die Glaswand 1999/2000 nicht nur der Ästhetik wegen eingebaut wurde. Sondern vor allem dem Schallschutz zuliebe. Verkehrslärm-Messungen im 65 Meter langen Tunnel hatten einen Wert von etwa 80 Dezibel ergeben, hatte der damalige Oberbürgermeister Hans Netzer (SPD) berichtet. Die Glaswand, so Netzer, senke die Lärmbelastung auf dem Fußweg um 30 Dezibel.

„Taghelle“ Beleuchtung des Fußwegs sei dank moderner LED-Technik möglich, meint Annel. Peter Schütz vom Saarbrücker Büro Projekt Licht, das 2003 den Völklinger „Masterplan Licht“ erarbeitet und einige Teile daraus umgesetzt hat – so auch die Licht-Akzente an den Tunneleingängen –, fragt am Telefon trocken: „Wer bezahlt das dann?“ Zuschüsse bekämen Kommunen in der Regel nur für das, was ihre Pflicht sei. Für Extras nicht. Großzügige Förderung, andererseits, gebe es im Moment für energetische Sanierungen: „Die Chancen für Kommunen, ihre Beleuchtung zu sanieren, sind so gut wie nie.“

November 2004: Erstmals sind die grünen Licht-Akzente an den Tunneleingängen eingeschaltet, Neuerung im Rahmen des „Masterplans Licht“. Die Beleuchtung im Tunnel selbst blieb unverändert.
November 2004: Erstmals sind die grünen Licht-Akzente an den Tunneleingängen eingeschaltet, Neuerung im Rahmen des „Masterplans Licht“. Die Beleuchtung im Tunnel selbst blieb unverändert. FOTO: Uli Barbian / uli barbian
Fotos und Texte an der Glaswand neben dem Fußweg erzählen Hütten-Geschichte(n).
Fotos und Texte an der Glaswand neben dem Fußweg erzählen Hütten-Geschichte(n). FOTO: BeckerBredel