Völklingen 2030 - Stadtplaner haben Entwürfe für die Zukunft erarbeitet

Stadtplanungs-Entwürfe für Völklingen : Junge Ideen gegen alte Städtebau-Sünden

Nachwuchs-Stadtplaner von der Uni Kaiserslautern haben Völklingen unter die Lupe genommen. Und Vorschläge für den Stadtumbau entwickelt.

„Gucken Sie mal“, sagt Thomas Fischer und weist auf die Leinwand im großen Saal des Neuen Rathauses, auf die er gerade per Beamer eine Art Dia-Schau mit Völklingen-Ansichten projiziert. „Das geht doch nicht! Solch eine Kirche – und die Tankstelle direkt davor.“ Das Foto zeigt die Versöhnungskirche, aufgenommen von der Cloosstraße aus. Mitten in der Sichtachse: die Tankstelle an der Ecke Moltkestraße. Sie ist beliebt und genießt beste Reputation, ihr Chef Dieter Birkelbach ist erst kürzlich vom Völklinger Wirtschaftskreis mit dem „Völklinger Leuchtturm“ ausgezeichnet worden – aber sie sieht aus, wie Tankstellen nun mal aussehen. Zum ehrwürdigen historischen Kirchenbau passt sie tatsächlich  schlecht. Da nütze auch die neue Platzgestaltung vor der Kirche wenig, meint Fischer.

Er ist Stadtplaner von Beruf und  hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Kaiserslautern das von Professor Holger Schmidt geleitete Projekt „Stadtumbau und Stadterneuerung“ mitbetreut. Dabei haben sich rund zwei Dutzend Studierende seit Oktober intensiv Gedanken gemacht über „Völklingen 2030“. Und am Donnerstagabend stellen sie ihre Ergebnisse öffentlich vor.

Das Interesse ist groß. Der Saal ist gut besetzt. Und schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung drängen sich Interessierte rund um die Innenstadt-Modelle, die die Studenten gebaut haben, und vor den großen Plakaten, die ihre Analysen und Entwürfe zeigen. „Innenstadt“ haben die Planer anders definiert, als man es in Völklingen landläufig tut. Sie rechnen nicht nur das kleine Areal zwischen Globus und Neuem Rathaus, zwischen Rathaus-, Karl-Janssen- und Hohenzollernstraße dazu, sondern auch den Stadt-Raum bis zur Saar, Weltkulturerbe- und Saarstahl-Gelände eingeschlossen. Und sie fragen, wie man als Völklingen-Bewohner oder -Besucher – baulich gesehen – empfangen wird.

Mit „fremdem Blick“, nicht von Gewöhnung geprägt, nähern sie sich Völklingen. Das bringt vielfach Ernüchterndes ans Licht. Zum Beispiel rund um den Bahnhof. „Willkommen in Völklingen“? Naja. Wer per Bahn  ankommt, lautet die Analyse, hat erstmal überhaupt keinen Bezug zur Stadt. Denn von der sieht man da gar nichts. Was man sieht, ist der Bahnhofsvorplatz – ungemütlich, weil reiner Parkplatz – und der mächtige Globus-Bau. Die nächste Ungemütlichkeit auf dem Weg zur Stadt folgt auf dem Fuße, man muss die Passage unterm Kaufhaus durchschreiten und unter der aufgeständerten B 51 durch. Städtebau-Sünden früherer Jahrzehnte, am Grundsätzlichen lässt sich da nichts ändern. Doch für die vielen Gestaltungsmängel auf der Strecke haben die jungen Planer gute Ideen parat. Eine neue Fassade für den Globus-Bau inklusive – Geschäftsleiter Oliver Kirch zieht skeptisch die Brauen hoch: teuer. Kosten-Berechnungen, sagt einer der Studierenden auf Nachfrage, gehörten nicht zur Aufgabenstellung. Der Uni-Kurs handelte vom Planen.  Vom Stadtumbau eben – für die Zukunft.

Wie sie ist, kann die Stadt  nicht bleiben, das wird bei allen fünf Entwürfen klar. Aber Möglichkeiten gibt es. Fürs Weltkulturerbe-Umfeld sehen die jungen Planer großes Potenzial, etwa als Event-Fläche – einen attraktiven Zugang von der Saar her vorausgesetzt. Im Inneren des Innenstadt-Dreiecks fallen die Allgegenwart des Autos und die fehlende Aufenthaltsqualität negativ auf; Verkehrsberuhigung, autofreie Zonen, mehr Licht und mehr Grün sollen Abhilfe schaffen. Und der Otto-Hemmer-Platz könnte, umgestaltet,  richtig liebenswürdig Markt und Mitte sein statt, wie bisher, nur lieblos zugeparkt und zugebaut.

Diese Rolle als „gute Stube“ der Stadt könnten die neuen Innenstadtdreieck-Plätze nicht ausfüllen, meint Thomas Fischer. Denn ihnen merke man trotz vieler Mühen allzu deutlich den „Hinterhof“-Charakter an. Diese Flächen an den Straßen-Rückseiten könne man viel besser für die Anwohner nutzen denn als öffentlichen Raum. „Gucken Sie mal“, sagt er mit Blick zur Foto-Leinwand, auf ungestaltete Blindgiebel, unansehnliche Parknischen, „das ist doch kein städtischer ‚Platz’, das geht doch nicht!“

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