Viele Sorgen wegen Biomüll-Verkehr nach Velsen

Kostenpflichtiger Inhalt: EVS stellt Pläne für Biomassezentrum in Völklingen vor : Viele Sorgen wegen Müll-Verkehr nach Velsen

Der Entsorgungsverband Saar stellt die Pläne für ein Biomassezentrum vor. Der Transport mit der Bahn ist vom Tisch.

Die Befürchtungen vor noch mehr Verkehr in Völklingen, aber auch in Klarenthal sind groß, wenn das Biomassezentrum in Velsen in Betrieb geht. Der Entsorgungsverband Saar (EVS) hat sich von dem geplanten Standort in Ensdorf verabschiedet und will nun in Velsen bauen. Chistopher Freichel, Geschäftsführer der EVS Biomassezentrum GmbH, und EVS-Geschäftsführer Georg Jungmann stellten am Montagabend im Völklinger Stadtrat klar, dass die Müllfahrzeuge an der Ausfahrt Klarenthal von der Autobahn abfahren und dann über die Kokerei- und Raffineriestraße nach Velsen fahren sollen – so wie die Lkw bisher auch zur Verbrennungsanlage fahren.

Georg Jungmann, Geschäftsführer des Entsorgungsverbandes Saar. Foto: Christine Maack

Das sorgte für Gelächter im Stadtrat. Denn bereits jetzt hielten sich viele Lkw nicht an diese Route und führen durch die Stadtteile Ludweiler und Geislautern, erklärten mehrere Stadtverordnete. Das bestätigte Jungmann. Auch bei einer Infoveranstaltung in Großrosseln hätten sich Bürger darüber beschwert. Daraufhin habe der EVS die beauftragten Unternehmen angeschrieben. Wer sich nicht an die vorgeschriebene Route halte, dem drohen Strafen. Jungmann: „Wir sehen das Verkehrsproblem. Wir werden das nicht akzeptieren.“ Christopher Freichel lieferte Zahlen zur Verkehrsbelastung. 7000 Fahrzeuge würden pro Jahr aus dem gesamten Saarland Biomüll in Velsen anliefern und wieder wegfahren, in der Regel seien das 21 Fahrzeuge pro Tag. Abends und nachts, samstagnachmittags und an Feiertagen werde nicht angeliefert. Wenn wegen Feiertagen nicht geleert werden konnte, steige die Zahl am darauf folgenden Tag auf 41 Fahrzeuge. Jungmann und Freichel warben für das Biomassezentrum. Es sei ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz, weil der Biomüll nicht mehr quer durch Deutschland gefahren werden müsse. Außerdem solle aus Methan Biogas gewonnen werden. Das Biomassezentrum, das 2024 in Betrieb gehen soll, werde mit seinen Einnahmen helfen, die EVS-Gebühren stabil zu halten. Die Gebühren sollen mindestens bis 2022 auf dem heutigen Niveau bleiben, kündigte Jungmann an. Dem müsse die Verbandsversammlung noch zustimmen. Freichel ergänzte, dass in der Anlage pro Jahr sechs Millionen Kubikmeter Biogas und 15 000 Tonnen Kompost entstehen. „12 000 Tonnen Kohlendioxid werden gespart“, betonte Freichel. SPD-Fraktionschef Erik Kuhn ärgerte sich, dass nicht schon vor zehn Jahren diese Anlage in Völklingen-Fürstenhausen gebaut wurde. Eine genehmigte Fläche habe zur Verfügung gestanden. „Das ist am EVS gescheitert“, sagte Kuhn nach der Sitzung. Ulrike Müller (CDU) forderte eine Verkehrszählung in Völklingen. Jungmann fand die Idee gut: „Die Zählung sollten wir gemeinsam beantragen. Ich würde das unterstützen.“ Wegen der Verkehrsproblematik sei er auch im Kontakt mit dem Verkehrs- und Umweltministerium. Dagegen lehnte er es auf Nachfrage ab, den Biomüll mit der Bahn nach Velsen zu transportieren. Diese Möglichkeit hatte Isolde Ries, Bezirksbürgermeisterin im Saarbrücker Westen, ins Spiel gebracht, um Klarenthal vom Verkehr zu entlasten (die SZ berichtete). Dafür müssten eine Umlade- und eine Entladestation gebaut werden, sagte Jungmann. Auch der Gestank wäre sehr stark. Apropos Gestank: Freichel versicherte, dass in Velsen keine Gerüche nach draußen dringen sollen. Die Lkw würden in einer Halle entladen. Nach Angaben Jungmanns wird das Biomassezentrum 40 Millionen Euro kosten und zehn Arbeitsplätze dort entstehen.

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