Heftige Diskussion bei Bürgerwerkstatt: Verkehrsentwicklungsplan bewegt die Gemüter in Völklingen

Heftige Diskussion bei Bürgerwerkstatt : Verkehrsentwicklungsplan bewegt die Gemüter in Völklingen

Flächendeckend Tempo 30 und verkehrsberuhigte Zonen sind ein heißes Eisen.

Die Frage, wie der Verkehr in den nächsten zehn bis 15 Jahren fließen soll, wird derzeit überall angeregt diskutiert. Auf den Straßen selbst, in vielen Läden und in den Völklinger Lokalen sowieso. Erst recht, da jetzt das Darmstädter Büro R+T mit seinem Projektleiter Frank Schleicher-Jester seinen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für die Gesamtstadt vorgestellt hat, den es seit 2015, für eine Auftragssumme von (damals) rund 140 000 Euro erarbeitet hat. Ein brisantes Papier, wie es zuletzt schon in der Saarbrücker Zeitung zu lesen war, und so machten sich rund 100 Besucher am Samstag auf in die Turnhalle der Grundschule Bergstraße, um sich bei der Bürgerwerkstatt zu diesem Thema einzubringen.

Gleich zu Beginn griff Schleicher-Jester ein heißes Eisen auf: „Völklingen gehört ja noch zu den Kommunen, in denen Autofahrer überwiegend mit 50 km/h fahren dürfen.“ Also Fuß vom Gas! Tempo 30 flächendeckend, in der dann in beiden Richtungen befahrbaren Bismarckstraße nur noch 20 Sachen und die Rathausstraße sogar komplett ohne Durchgangsverkehr. Ähnlich wie in der Saarbrücker Bahnhofstraße oder der Innenstadt von Saarlouis soll das alles mehr Anreize für Fußgänger schaffen, die Geschäfte in der City zu besuchen. Als Anreiz, auch über den Otto-Hemmer-Platz zu bummeln, sollen dort nach den R+T-Plänen die meisten Parkplätze wegfallen.

Auffangen soll das der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), dessen Busse öfter rollen sollen. Der Experte schlägt vor, weitere Buslinien einzurichten und die zeitraubende Schleife um den Hindenburgplatz für die entsprechenden Linien zu streichen. Hier und da dann noch ein Minikreisel, um die Kapazität einiger Knotenpunkte zu erhöhen. Dazu eine Radikal-Maßnahme, bei welcher der berühmt-berüchtigte Amtsgerichtskreisel wegfällt und die Südtangente in diesem Bereich massiv umgebaut werden muss.

Unter den Teilnehmern der Bürgerwerkstatt waren einige, denen die Pläne gut gefallen. Gerhard Frisch engagiert sich in der LAG Saar-Warndtgau für schönere Orts-Eingänge. Sein Credo: „Ergänzendes Grün ist oft ein Anreiz, langsamer zu fahren.“ Brunhilde Folz ist die Idee sympathisch, den Otto-Hemmer-Platz umzugestalten: „Ich wünsche mir dort sogar ein Marktdach, um den Wochenmarkt wieder attraktiver zu gestalten.“

Die Zahl der Gegner war aber deutlich größer. „Warum muss einer aus dem fernen Darmstadt erklären, wie bei uns der Verkehr laufen soll?“, war zu hören. Nora Becker, Mit-Inhaberin eines Schmuckgeschäfts in der Innenstadt, wies den Experten auf die Besonderheiten des Völklinger Geschäftslebens hin: „Wir alle wissen, dass die Kunden am liebsten direkt vor die Kasse fahren würden.“ Durchgangsverkehr als Geschäftsgrundlage, Kurzzeitparkplätze vor der Geschäftstür als Kundenmagnet. Becker warnend: „Wir dürfen uns nicht selbst die Lebensader abschneiden, alte Trampelpfade zu kappen, ist tödlich, wir müssen die Autofahrer mit allen Mitteln nach Völklingen holen.“

Die Anwohner im oberen Bereich der Schaffhauser Straße in Wehrden fordern auch, dass Saarstahl seinen beträchtlichen Brummiverkehr über den Alten Brühl schickt. Von dort aus seien sie  ruckzuck auf der Autobahn. Die entsprechenden Straßen auf dem Saarstahl-Areal seien ja bereits vorhanden, hieß es. Sogar am Tisch zur Radwegediskussion waren die Autos noch ein Thema. Fast verwaist war die Ecke, in der es um den ÖPNV ging. Hinter vorgehaltener Hand wurde bereits ein weiterer wichtiger Aspekt besprochen: „Wer soll das überhaupt alles bezahlen? Die klamme Stadt wird das nicht umsetzen können.“

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