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Auch Streetworker unterwegs
Ein Netz aus Hilfen für die jungen Leute

Seit 2009 kümmern sich Streetworker um Jugendliche, die sich auf öffentlichen Plätzen treffen. Unser Archivfoto zeigt eine Streetworkerin im Gespräch mit zwei Jugendlichen in Ludweiler.
Seit 2009 kümmern sich Streetworker um Jugendliche, die sich auf öffentlichen Plätzen treffen. Unser Archivfoto zeigt eine Streetworkerin im Gespräch mit zwei Jugendlichen in Ludweiler. FOTO: BeckerBredel
VÖLKLINGEN. Das SOS-Kinderdorf bietet jungen Leuten, die „schwierig zu erreichen sind“, zusammen mit Kooperationspartnern verschiedene Hilfsangebote. Zum Beispiel, damit sie den Einstieg in die Ausbildung und den Beruf schaffen. Von Thomas Annen

Im Juli 2016 startete in den Räumen der ehemaligen Spardabank in der Völklinger Cloosstraße das Jugendprojekt „INTEQRA“. Die Abkürzung steht für „Individuelles, nachhaltiges Training, Empowerment und Qualifizierung für die richtige Ausbildung“. Der Verein SOS-Kinderdorf Saarbrücken setzt die Maßnahme im Auftrag des Jobcenters im Regionalverband Saarbrücken um.


Geholfen wird mit diesem Projekt arbeitslosen und sozial benachteiligten Jugendlichen im Alter bis 25 Jahre. Die jungen Menschen lernen unterschiedliche Qualifizierungs- und Beschäftigungsbereiche kennen, auch ein Praktikum ist vorgesehen. Außerdem hilft ihnen das Fachkräfteteam, ihre persönliche Situation zu ordnen und ihre Probleme zu lösen.

Die Plätze seien von Beginn an belegt gewesen, erläuterte Projektleiter Markus Jungmann kürzlich während eines Pressegesprächs in den Räumen des Bildungsträgers in der Bismarckstraße. Zu den ursprünglich 20 Plätzen kamen im Sommer 2018 noch fünf weitere hinzu.



Der Werdegang der Teilnehmer ist unterschiedlich. Manche brechen die Maßnahme ab, andere werden in eine Ausbildung vermittelt. Und wiederum andere entscheiden sich für eine Helfertätigkeit, mit der sich auch ohne Abschluss Geld verdienen lässt.

Für manche Teilnehmer muss aber zunächst eine feste Bleibe gesucht werden, sie sind nämlich obdachlos. Deshalb wurde vom SOS-Kinderdorf Wohnraum in Völklingen angemietet. Dieses so genannte Wohnclearing wird von Jobcenter und vom Jugendamt finanziert.

Die drei Wohnplätze, die zurzeit zur Verfügung stehen, sind belegt. Es gebe eine Warteliste, erfuhren die Teilnehmer des Pressegespräches. „Die Bedarfe steigen, und wir müssen darauf reagieren“, sagte Michael Müller, Koordinator der Jugendberufsagentur des Jobcenters Saarbrücken. Ziel sei es deshalb, im nächsten Jahr weitere Wohnplätze zu schaffen. Wobei die angestrebte Aufstockung nicht allein eine Frage der Finanzen ist. „Das Angebot an vernünftigem Wohnraum ist knapp“, stellte Müller fest.

Das SOS-Kinderdorf Saarbrücken trägt in Völklingen noch ein weiteres Projekt. Bereits seit dem Jahr 2009 kümmern sich Streetworker im Auftrag der Stadt um Jugendliche, die sich auf öffentlichen Plätzen treffen.

„Es handelt sich um junge Leute, die schwierig zu erreichen sind“, erklärte Markus Jungmann mit Blick auf die Zielgruppe der drei Projekte. Die Maßnahmen haben eigene Schwerpunkte, greifen aber ineinander. Ähnlich wie drei übereinander gespannte Netze. Wer aus einem heraus fällt, landet nicht automatisch auf dem Boden. „Es ist wichtig, die jungen Leute dort abzuholen, wo sie stehen“, sagte Völklingens Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD).

Die Kooperationspartner von Stadt, Jugendamt und Jobcenter betonten die gute Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger und lobten dessen Arbeit.